Invest Messe Stuttgart, von 05. bis 06. April 2019

Was macht die Fed?

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Heute Abend gibt die US-Notenbank die Ergebnisse ihrer Zinssitzung bekannt. Im Fokus steht vor allem der Ausblick auf das kommende Jahr. (Foto: Paul Brady Photography / shutterstock.com)

Vor der heutigen Zinssitzung der amerikanischen Notenbank Fed hielten die Anleger heute Morgen zunächst die Luft an, bevor die Nachricht über eine Einigung im Haushaltsstreit zwischen Italien und der EU die Kurse etwas deutliche nach oben hievte.

Heute Abend schauen die Anleger jedoch auf die Fed. Das Ergebnis der Sitzung wird gegen 20.00 Uhr deutscher Zeit bekannt gegeben.

Was macht die US-Notenbank?

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Fed eine weitere Zinserhöhung – die vierte in diesem Jahr – verkünden wird. Gespannt schauen die Börsianer vor allem auf den Zinsausblick von Fed-Chef Jerome Powell für das kommende Jahr.

Vor dem Hintergrund, dass es inzwischen deutliche Bremsspuren in der Konjunkturentwicklung gibt, erwarten die Anleger eine langsamere Gangart. Hier ist für Spannung gesorgt. Denkbar ist, dass die Fed ein bis zwei weitere Anhebungen anpeilt. Möglicherweise wird die Fed aber vorerst auch gänzlich auf weitere Zinsschritte verzichten.

Das Thema Zinsen treibt die Anleger um

Das Thema Zinsen war in diesem Jahr ein Belastungsfaktor für die Aktienmärkte. Zunächst trieb die Anleger die Sorge um, die Zinsen könnten möglicherweise stärker steigen als erwartet. Ein Auslöser dafür war die Tatsache, dass die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen im September mit 3,25% zeitweise auf den höchsten Stand seit 2011 kletterte. Hier hat sich die Lage jedoch schon wieder deutlich entspannt. Aktuell rentieren 10-jährige US-Anleihen nur noch bei 2,8%.

Was den Anlegern zuletzt Sorgen bereitete, war eine sogenannte “inverse Zinsstruktur”. Davon sprechen die Börsianer, wenn am Anleihemarkt die Renditen kürzer laufender Anleihen über denen länger laufender Anleihen liegen. Anfang Dezember übertrafen die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen die der fünfjährigen – erstmals seit elf Jahren. Die Kurse gaben daraufhin deutlich nach.

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Zinsängste spielen keine Rolle

Der Grund für den Kursrückgang: Seit 1975 gingen jeder Rezession inverse Zinskurven voraus. Die inverse Zinskurve ist also ein Indiz für eine möglicherweise anstehende Rezession. Was die Anleger dabei vergaßen: Nicht jedes Mal, wenn es zu einer inversen Zinsstruktur kommt, folgt darauf auch zwingend eine Rezession. Mittlerweile hat sich die Zinsstruktur übrigens schon wieder normalisiert.

Die Angst vor schneller als erwartet steigenden Zinsen dürfte für die Aktienmärkte vorerst ohnehin keine Rolle mehr spielen. Das wird vermutlich auch die heutige Fed-Sitzung unterstreichen. Da sich die Wirtschaft abkühlt, sind keine signifikanten Erhöhungen mehr zu erwarten. Am grundsätzlichen Umfeld niedriger wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern. Nicht in den USA, und erst recht nicht bei uns in Europa.

Der Handelsstreit ist der entscheidende Faktor

Von der Zinsfront droht aus meiner Sicht keine Gefahr. Die politischen Belastungsfaktoren bleiben allerdings. Die alte Börsenweisheit “Politische Börsen haben kurze Beine” traf in diesem Jahr nicht wirklich zu. Bereits seit Monaten bestimmt die Politik das Geschehen an den Märkten. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn in Kürze die Zahl 2019 auf dem Kalenderblatt steht.

Eine wirkliche Gefahr ist meines Erachtens jedoch nur der Handelsstreit zwischen den USA und China. Sollte dieser eskalieren, könnte das letztlich in eine Rezession münden. US-Präsident Trump will jedoch keine Eskalation, sondern einen “Deal”. Daher gehe ich davon aus, dass es letztlich zu einer Einigung kommen wird.

Für die Aktienmärkte würde dies voraussichtlich einen Befreiungsschlag darstellen. Nach der Korrektur sind viele Aktien günstig bewertet. In diesem Fall erwarte ich im nächsten Jahr einen neuen Aufschwung. Langfristig werden sich für Sie als Anleger gute Chancen auftun. Vorerst überwiegt aber noch die Unsicherheit. An den Börsen könnte es zunächst noch ungemütlich bleiben.


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Michael Kelnberger
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.