Was Olympia 2016 und die Wall Street gemein haben

Derzeit finden im brasilianischen Rio de Janeiro die 31. Olympischen Sommerspiele statt.

Als eingefleischter Fußball-Fan widme ich in der Bundesliga-freien Zeit diesen Wettkämpfen erhöhte Aufmerksamkeit.

Leider überschattet – wieder einmal? – das Thema „Doping“ diese Veranstaltung, die doch stets maßgeblich von ihrer Unbeschwertheit geprägt wird.

Im Blickpunkt stehen die russische Schwimmerin Yefimova und der US-Leichtathlet Gatlin.

Während die Russin sich ihren Start bei Olympia vor Gericht erstritten hat, hätte der Amerikaner aufgrund einer 2-fachen Überführung eigentlich lebenslang gesperrt sein müssen.

Dem Sprintstar wurde die Sperre auf Grund seiner Aussage als Kronzeuge vor der amerikanischen Anti-Doping-Agentur auf letztlich 4 Jahre reduziert.

Dennoch: Die Teilnahme der beiden Sportler sorgt bei den Olympioniken wie den Zuschauern für Unverständnis.

Wall Street: 6 Jahre lang legal gedopt

Ich möchte diese Thematik hier indes nicht vertiefen, sondern eine Parallele zum US-Aktienmarkt ziehen. Denn der wurde ebenfalls gedopt – und das sogar völlig legal und ohne Sperre!

Die US-Notenbank FED (Federal Reserve Bank) pumpte fast 6 Jahre lang – von Dezember 2009 bis Oktober 2014 – mit 4 Programmen insgesamt geschätzte 3.000 Mrd. USD in die Finanzmärkte.

Die Maßnahmen bezeichnet man als Quantitative Easing (Quantitative Lockerung).

Dazu wurden im Wesentlichen durch Hypotheken besicherte Anleihen sowie Staatsanleihen über den Markt zurückgekauft.

Die Papiere wanderten ins Depot der Notenbank, das Geld in die Hände der Anleger, welche die Anleihen verkauften. Von dem zusätzlichen Kapital profitierte vor allem der Aktienmarkt.

Der Dow Jones und der „kalte Entzug“

Am Kursverlauf des US-Aktienmarktes zeigt sich die Besonderheit von Doping: Werden die leistungssteigernden Maßnahmen eingestellt, kommen auch die Aktienkurse nicht mehr recht voran:

dow jones-15-08-2016

Dow Jones: Der „kalte Entzug“ ist seit Juli beendet

In der Zeit des „Dopings“ stieg der Dow Jones um rund +95% von etwa 8.600 auf 16.800 Punkte. Nach dem Wegfall der Anleihe-Käufe stieg der Leitindex noch bis auf 18.272, kam über diese Marke jedoch 14 Monate lang nicht hinaus.

Seit Juli wieder doping-freie Leistungssteigerung!

Wie im Chart zu sehen (grüner Kreis), hat die Wall Street den „kalten Entzug“ seit Juli dieses Jahres überstanden. Denn seither befindet sich der Dow Jones auf Rekordkurs.

Dieser Anstieg in neue Kursdimensionen ist mit Sicherheit soliderer Natur, da er nicht vom Wohl und Wehe der Notenbank abhängt.

Wir werden also auch nach den Olympischen Sommerspielen 2016 noch mit neuen Rekorden versorgt werden – die kommen dann eben von der Wall Street!

Hoffen wir, dass die Verantwortlichen künftig auch für „Doping-freie“ Olympia-Teilnahmen sorgen.

15. August 2016

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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