Was Sie aus der Hyperinflation in Venezuela lernen können

Die Langsamen werden verlieren. Und der Staat der große Gewinner sein. Warum das so ist, erfahren Sie hier. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Venezuela befindet sich im Würgegriff einer Hyperinflation.

Doch nicht nur dort kann eine rasende Teuerungsrate die Wirtschaft sozusagen mit einem Handstreich vernichten (und damit auch Ihr Vermögen). Sondern überall auf der Welt.

Geld schmilzt wie Butter in der Sonne

Wir haben Ihnen bereits ein Beispiel dafür gegeben, wie schnell Ihr Erspartes bei einer Inflation schmelzen kann: Bei einer Inflationsrate von 4 Prozent ist ein Vermögen von 100.000 Euro in zehn Jahren bei Nullverzinsung nur noch 68.000 Euro wert.

Die großen Verlierer sind die Beschäftigen, die Sparer, Rentner und Eltern mit Familienförderung.

Die Politik weiß bestens Bescheid

Dass die Verlierer die Arbeiter, Sparer, Rentner und Familien (mit Förderung) sind, gab sogar 2012 der damalige FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle in seinem Grundsatzpapier Programm zum Inflationsschutz zu.

Sein ehemaliger Parteikollege und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler schloss sich dem an. Er erklärte, dass Inflation vor allem Ärmere treffe, deren Ersparnisse damit vernichtet würden.

Die Langsamen verlieren

Auch der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser bestätigt dies. „Die Inflation trifft immer die breite Masse. Sie ist nicht auf Preissteigerungen vorbereitet“, sagte er.

Und weiter: Die professionellen Anleger sind hingegen cleverer und haben ihr Geld frühzeitig in Sicherheit gebracht.“

So schaut’s aus.

Der Staat – der große Inflations-Gewinner

Doch bei einer Inflation gibt es nicht nur Verlierer, sondern auch Gewinner. Der größte Winner ist, wie kann es anderes sein: der Staat.

Warum? Ganz einfach: Durch eine Inflation wird der Realwert der Staatsverschuldung drastisch gemindert.

Das sind die wichtigsten Folgen eines CrashsCrash ist ein großes Wort, doch ich stelle immer wieder fest, dass viele Anleger hier v. a. die völlig falschen Schlüsse ziehen. Mit dem Wort „Crash“ verbinden die meisten eine… › mehr lesen

Auf einen Nenner gebracht: Je höher die Inflationsrate, desto schneller reduzieren sich die roten Zahlen im Staatshaushalt.

So minimiert eine Preissteigerungsrate von 6 Prozent die Staatsschulden innerhalb von vier Jahren um 20 Prozent. Bei einer höheren Inflationsrate natürlich umso mehr.

Ein Beispiel aus der Weimarer Republik

Denken Sie an die Kriegsschulden während der Weimarer Republik. Diese betrugen, entsprechend der Kaufkraft des Vorkriegsjahres 1913, rund 154 Milliarden Reichsmark.

In der Hyperinflation 1923 (Monat November) entsprach dies lediglich noch einer Kaufkraft von 15,4 Pfennig.

Somit hatten die Kriegsanleihen keinen Schrecken mehr für die Regierung. Verstehen Sie?

Letzter Ausweg Inflation

Auch für die Gegenwart kann eine Inflation ein Ausweg für die zum Teil hochverschuldeten Staatshaushalte in der Euro-Zone sein. Der letzte Ausweg sozusagen. Die letzte Ausfahrt von der Schuldenautobahn.

Längst ist das nicht mehr ausgeschlossen. Sie werden gleich sehen, dass namhafte Experten dies bestätigen.

Nicht ob, sondern wann kommt die Inflation?

Schon vor sechs Jahren warnte Andrew Bosomworth vom weltgrößten Anleihemanager Pimco: „Der leichteste Weg aus der Schuldenmisere ist Inflation.“

Der Gründer und Vorstand des Investmenthauses Flossbach von Storch stimmte dem zu: „Die Entschuldung der Staaten geht nur über Inflation, alles andere ist logisch ausgeschlossen. Die Frage ist nur noch, wann sie kommt.“

Um das geht es letztlich nur noch: Nicht mehr, ob, sondern wann die Inflation kommt.


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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.