Was Sie aus der P&R-Pleite lernen können

Lesen Sie heute, was Sie aus der bitteren P&R-Pleite lernen können und was ich betroffenen Anlegern empfehle. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

In den vergangenen Jahren gab es in Deutschland am „Grauen Kapitalmarkt“ immer wieder spektakuläre Insolvenzen, bei denen tausende deutsche Privatanleger viel Geld verloren haben – teilweise ihre gesamten Ersparnisse.

Denken Sie in dem Zusammenhang beispielsweise an die Pleite des Windkraft-Spezialisten Prokon. Oft waren die Investitionen, die sich später als Luftnummer erwiesen, dem sogenannten Grauen Kapitalmarkt (das ist der unregulierte Teil des Kapitalmarktes) zuzurechnen. Auch die jüngste spektakuläre Pleite, die des Seecontaineranbieters P&R, ist dieser Kategorie zuzurechnen.

Und auch hier verlieren tausende Anleger Geld. Insgesamt sind von der P&R-Pleite mehr als 50.000 Anleger betroffen. Der Verlust könnte insgesamt sogar in die Milliarden gehen. Das wird davon abhängen, was die Anleger von ihrem eingesetzten Kapital schlussendlich wiedersehen bzw. ob sie überhaupt etwas davon wiedersehen.

Weitere Details zur P&R-Pleite

Kommen wir zunächst einmal zum Geschäftsmodell von P&R: Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben seit mehr als 40 Jahren im Geschäft mit Transportcontainern tätig. P&R hat seinen Anlegern neue und gebrauchte Schiffs-Container verkauft, um diese dann weiterzuvermieten. Nach 5 Jahren sollte der Rückkauf der Container durch P&R erfolgen.

Die dabei in Aussicht gestellte jährliche Rendite lag vor Steuern bei 5% und nach Steuern bei rund 3%. Auf den ersten Blick also ein Investment, das – gemessen an der Rendite – nicht unbedingt von vornherein zum Scheitern verurteilt war.

Woher kamen also die Probleme? Die Antwort: P&R musste in den vergangenen Jahren Einbußen bei der Weitervermietung der Container hinnehmen. Seit 2011 seien die Containerpreise rückläufig.

Hinzu kamen ungünstige Wechselkursentwicklungen. Die Mieten wurden Anlegern in Euro gezahlt und die Container selbst im seit einiger Zeit schwächelnden US-Dollar abgerechnet. Am Ende reichten dadurch die Mieteinnahmen nicht mehr aus, um alle Anleger zu bedienen.

Dividendenperle mit 5% RenditeWollen Sie mit Kapitalerträgen einen Teil ihres Lebensunterhalts bestreiten oder ihre Rente aufpolieren, sind Aktien mit hoher Dividendenrendite das Richtige. › mehr lesen

Es steht zudem der Verdacht im Raum, dass die Mieten und Rückkaufswerte schon in den vergangenen Jahren nur noch durch den Verkauf weiterer Container erbracht werden konnten. Mit anderen Worten: Das Geschäftsmodell von P&R könnte ein klassisches Schneeballsystem gewesen sein. Das wird sich jedoch noch herausstellen müssen.

Wie Sie sich schützen können

Die P&R-Pleite ruft nun auch wieder Verbraucherschützer auf den Plan, die fordern, dass der sogenannte Graue Kapitalmarkt stärker reguliert werden soll bzw., dass derartige Anlageprodukte nicht an Privatanleger verkauft werden dürfen.

Meine Empfehlung: Verlassen Sie sich nicht auf Verbraucherschützer und den Gesetzgeber, sondern schützen Sie sich selbst. Das tun Sie am effektivsten, indem Sie nur das kaufen, was Sie auch verstehen und täglich kontrollieren können. Dadurch lässt sich in den meisten Fällen ein größrer Kapitalverlust vermeiden.

Außerdem sollten Sie lieber auf börsengehandelte Investments setzen als auf die nicht notierten Investments des Grauen Kapitalmarkes, denn bei Aktien und ähnlichen Wertpapieren sehen Sie börsentäglich die Preisentwicklung und haben so ein gutes Alarmsystem. Außerdem können Sie diese Investments auch börsentäglich kaufen und verkaufen.

Es ist bei einem soliden Aktien-Investment nahezu ausgeschlossen, dass Sie jahrelang denken, dass sich Ihr Investment prächtig entwickelt und dass dann über Nacht eine Insolvenzmeldung kommt, die gleichbedeutend damit ist, dass Ihr Kapital ganz oder größtenteils verloren ist.

Abschließend noch ein Tipp an diejenigen, die von der P&R-Pleite betroffen sind: Die in München ansässige Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) organisiert eine Interessensgemeinschaft betroffener Anleger. Sie können sich darüber auf der Internetseite der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger informieren oder sich bei der SdK melden.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.