Was Sie beim Börsengang von Spotify beachten sollten

Ein chronisch defizitäres Unternehmen mit starker Konkurrenz: Anleger sollten beim Spotify Börsengang Vorsicht walten lassen. (Foto: WDnet Creation / Shutterstock.com)

Schon lange steht Spotify ganz oben auf der Liste wahrscheinlicher Börsenkandidaten. Nun ist es offenbar soweit: In der vergangenen Woche hat der schwedische Musik-, Hörbuch und Video-Streamingdienst die dafür notwendigen Dokumente bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC eingereicht.

Mit derzeit 71 Mio. zahlende Abonnenten in 61 Ländern wird Spotify nach Analystenschätzungen zum Börsengang mit einer Marktkapitalisierung von bis zu 23,4 Milliarden Dollar bewertet werden. Jeder Abonnent des Unternehmens wird dann an der Börse mit bis zu rund 330 Dollar bewertet.

Ein chronisch defizitäres Unternehmen

Das ist nicht gerade günstig: Zumal das Unternehmen im vergangenen Jahr bei Umsätzen von rund 4,1 Milliarden Euro einen operativen Verlust von 378 Millionen Euro hinnehmen musste, nach 349 Millionen Euro im Jahr davor.

Dabei war 2017 kein besonders schlechtes Jahr. Das Unternehmen, das in jedem einzelnen seiner zehnjährigen Geschichte seine Verluste ausgebaut hat, geht also mit einer dramatischen Ertragsschwäche an die Börse. Schuld daran ist der massive Konkurrenzkampf, der auf dem Streaming-Markt ausgebrochen ist.

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Mit 36 Millionen zahlenden Kunden hat sich kein geringerer als Apple Music als der schärfste Konkurrent von Spotify etabliert. Und zwar in kürzester Zeit: Denn Apple Music hat in gerade einmal drei Jahren gut die Hälfte der Abonnenten von Spotify geschafft, wofür das schwedische Unternehmen zehn Jahre gebraucht hat.

Konkurrenz mit deutlich höherer Finanzkraft

Bei dieser Konkurrenz – auf den Plätzen folgen mit Amazon und Google ebenfalls die Giganten des Internets – ist es wenig wahrscheinlich, dass Spotify bald – oder überhaupt jemals – profitabel wird. Zwar gilt Spotify als der Pionier des Musik-Streaming, doch der erste zu sein heißt noch lange nicht, erfolgreich zu sein.

Die IT-Geschichte ist voll von Pionieren, die später sang- und klanglos untergegangen sind. Denken Sie nur an den Newton PDA von Apple, der DAT-Recorder von Sony oder die Spielekonsole Dreamcast von Sega: Sie alle sind längst im Museum untergegangener IT-Erfindungen verschwunden.

Das Börsendebüt von Spotify wird zweifellos ein Aufsehen erregendes Großereignis im Technologiesektor werden. Derartige „Trophy-Aktien“ sind jedoch in der Regel hoch bepreist. Angesichts der gewählten Methode des Börsengangs, die ohne eine betreuende Mitwirkung durch Investmentbanken auskommt, ist zudem mit extremen Schwankungen in den ersten Börsentagen zu rechnen. Ich empfehle Ihnen daher, die Kursentwicklung von Spotify von der Seitenlinie aus zu beobachten.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.