Was Sie über das Thema Depot-Absicherung wissen sollten

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Viele Anleger hegen den Wunsch nach Absicherung für ihr Depot - gerade zur sommerlichen Urlaubszeit. So gehts. (Foto: eyeofpaul/AdobeStock)

In den Sommermonaten, wenn viele Investoren und Anleger in den Ferien sind, können die wenigen Daheimgebliebenen die Börsen-Kurse umso stärker beeinflussen. Der Grund ist, dass sich eine Meinung schneller durchsetzen lässt, weil es weniger Investoren gibt, die mit einer anderen Meinung dagegenhalten.

Anleger fragen sich daher, was sie tun können, wenn sie im Sommer längere Zeit im Urlaub sind und daher keinen Zugriff auf Informationen und ihr Depot haben. Wenn Sie weniger als 3 Wochen in den Urlaub fahren, müssen Sie in der Regel nichts unternehmen. Es sei denn, dass Sie neben den Fonds, Aktien und Anleihen auch spekulative Derivate (beispielsweise Optionsscheine oder Hebel-Zertifikate) im Depot führen, mit denen auf bestimmte Marktentwicklungen gewettet wird.

Je spekulativer die Papiere in Ihrem Portfolio sind, desto höher ist tendenziell die Schwankungsbreite (positive und negative Ausschläge). Wenn Sie diese verringern wollen, empfiehlt es sich, beispielsweise verstärkt auf ETFs zu setzen, die einen ganzen Index oder eine ganze Anlageklasse abdecken.

Welche Absicherungsstrategien gibt es?

Die drei grundsätzlichen Möglichkeiten sind: Besonders riskante Papiere verkaufen, Stop-Loss-Limits setzen oder Gegengeschäfte eingehen. Gegengeschäfte eignen sich gut, um den schwankungsstärkeren Teil eines Depots abzusichern. Hier bietet sich zum Beispiel der Einsatz von Put-Optionsscheinen an.

Die Funktionsweise: Fallen die Aktienkurse, steigt der Wert des Put-Optionsscheins. Wie die Depot-Absicherung mittels Put-Optionsscheinen funktioniert, erfahren Sie jetzt anhand eines Musterbeispiels.

Die Depot-Versicherungs-Formel

Ein Beispiel: Sie besitzen für 10.000 Euro Index-Fonds auf den DAX (oder Einzelwerte aus dem DAX). Der DAX notiert am Stichtag bei 12.500 Punkten. Sie suchen dann einfach über eine Börsenseite im Internet einen Put-Optionsschein auf den DAX mit dem Basispreis 12.500 und einer Laufzeit von 12 Monaten.

Ein Put-Optionsschein mit dem Basispreis 12.500 erlaubt Ihnen, den DAX am Tag der Fälligkeit für 12.500 Punkte zu verkaufen (auch wenn der Index dann nur noch bei 10.000 Punkten notieren sollte).

Die Anzahl der erforderlichen Put-Optionsscheine können Sie rechnerisch ermitteln:

10.000 (Depotwert)

——————————————————— = 80

12.500 x 0,01 (Indexstand x Bezugsverhältnis)

Ergebnis: Wenn Sie 80 dieser Put-Optionsscheine kaufen, haben Sie eine Art Depot-Versicherung abgeschlossen.

Wirksamkeit einer Depot-Versicherung

Ausgangspunkt unserer Musterrechnung ist ein DAX-Stand von 12.500 Punkten und eine Investitionssumme von 10.000 Euro. Angenommen, ein Jahr nach dem Kauf der Put-Optionsscheine notiert der DAX nur noch bei 6.250 Punkten (-50%). Ihre DAX-Indexfonds wären dann nur noch 5.000 Euro wert. Gleichzeitig wäre der Wert der Put-Optionsscheine sprunghaft gestiegen.

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Wie beschrieben, verbrieft der ausgewählte Put-Optionsschein das Recht, dass Sie den DAX für 12.500 Punkte verkaufen dürfen. Da der DAX nur noch bei 6.250 Punkten notiert, würden Sie die Differenz zwischen 12.500 und 6.250 Punkten (multipliziert mit dem Bezugsverhältnis des Optionsscheins) kassieren.

Die Rechnung lautet:

6.250 x 0,01 = 62,50 Euro je Put-Optionsschein. Da Sie in unserem Beispiel aus der Vorwoche 80 Put-Optionsscheine gekauft haben, würde Ihr Wertpapier-Depot wie folgt aussehen:

Position 1: Die Indexfonds auf den DAX sind noch 5.000 Euro wert

Position 2: Die 80 Put-Optionsscheine sind 5.000 Euro wert (80 x 62,50 Euro)

Ihr Gesamt-Depot läge damit bei 10.000 Euro.

Fazit: Während der DAX in diesem Beispiel innerhalb von 12 Monaten um 50% eingebrochen ist, hätte sich Ihr Depot-Wert nicht verändert. Sie besäßen noch immer Wertpapiere im Wert von 10.000 Euro.

Der Haken: Wenn Sie eine solche Depot-Absicherung das ganze Jahr über laufen lassen, kostet Sie die Absicherung je nach Schwankungsstärke des Marktes (macht Optionsscheine günstiger oder teurer) rund 5 bis 12% Rendite jedes Jahr. Auf Dauer ist das zu teuer.

In welchen Fällen sind Stop-Loss-Marken sinnvoll?

Wenn Sie mit Derivate-Geschäften (z.B. Put-Optionsscheine) nichts zu tun haben wollen, können Sie auch Verkaufs-Limits (Stop-Loss-Marken) setzen. Diese Stop-Loss-Marken lösen automatisch Verkäufe aus, wenn der Kurs eine vorher gesetzte Stop-Loss-Marke einmal erreicht oder sogar unterschreitet.

Wenn Sie Ihr Depot mit Stop-Loss-Marken absichern wollen, sollten Sie die Marken jedoch nicht zu eng am aktuellen Kurs platzieren, da ansonsten schon bei kleineren Schwankungen automatische Verkäufe ausgelöst werden.

Darüber hinaus rate ich bei marktengeren Nebenwerten grundsätzlich vom Einsatz von Stop-Loss-Marken ab. Denn: Der Verkauf erfolgt ohne Rücksicht auf das Kursniveau. Liegt die Stop-Loss-Marke bei 10 Euro, aber gleichzeitig die nächste Kauf-Order bei 5 Euro, wird der Stop-Loss-Verkauf auch erst bei 5 Euro ausgeführt und nicht bei der als Absicherung gedachten Marke von 10 Euro.

Leider gibt es keine Absicherungs-Wunderwaffe

Es gibt verschiedene Wege, wie Sie Ihr Depot absichern können. Sie müssen aber in jedem Fall berücksichtigen, dass es keine Wunderwaffe gibt. Sowohl die Absicherung durch Put-Optionsscheine als auch die Absicherung durch Stop-Loss-Marken bieten nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile. Der beste Depot-Schutz bleibt daher der Kauf von substanzstarken Value-Aktien, die auch Gegenwind gut verkraften.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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