Was Sie über das Thema Depot-Absicherung wissen sollten (Teil 2)

DAX Anzeigetafel RED – Deutsche Börse AG

Ich überprüfe heute für Sie unter anderem die Wirksamkeit der Depot-Versicherung aus meinem Musterbeispiel aus der vergangenen Woche. (Foto: Deutsche Börse AG)

Der deutsche Leitindex DAX kletterte heute in der Spitze auf 12.755 Punkte. Viele gute Unternehmenszahlen lieferten Rückenwind. Am Ende konnte der DAX das Tageshoch jedoch nicht ganz verteidigen. Das zeigt, dass die Anleger noch immer vorsichtig sind und schneller als üblich Gewinne mitnehmen.

In der vergangenen Woche haben wir uns hier im Schlussgong um das Thema Depot-Absicherung gekümmert. Im 1. Teil dieser kleinen Serie habe ich Ihnen unter anderem eine Formel vorgestellt, mit der Sie die Anzahl der für eine Absicherung Ihres Depots notwendigen Put-Optionsscheine errechnen können.

Heute möchte ich zunächst die Wirksamkeit dieser Depot-Versicherung überprüfen. Danach erfahren Sie, in welchen Fällen aus meiner Sicht eine Absicherung durch Stop-Loss-Marken sinnvoll ist.

Wirksamkeit einer Depot-Versicherung

Ausgangspunkt unserer Musterrechnung war in der Vorwoche ein DAX-Stand von 12.500 Punkten und eine Investitionssumme von 10.000 Euro. Angenommen, ein Jahr nach dem Kauf der Put-Optionsscheine notiert der DAX nur noch bei 6.250 Punkten (-50%). Ihre DAX-Indexfonds wären dann nur noch 5.000 Euro wert. Gleichzeitig wäre der Wert der Put-Optionsscheine sprunghaft gestiegen.

Wie beschrieben, verbrieft der ausgewählte Put-Optionsschein das Recht, dass Sie den DAX für 12.500 Punkte verkaufen dürfen. Da der DAX nur noch bei 6.250 Punkten notiert, würden Sie die Differenz zwischen 12.500 und 6.250 Punkten (multipliziert mit dem Bezugsverhältnis des Optionsscheins) kassieren.

Die Rechnung lautet:

6.250 x 0,01 = 62,50 Euro je Put-Optionsschein. Da Sie in unserem Beispiel aus der Vorwoche 80 Put-Optionsscheine gekauft haben, würde Ihr Wertpapier-Depot wie folgt aussehen:

Position 1: Die Indexfonds auf den DAX sind noch 5.000 Euro wert

Position 2: Die 80 Put-Optionsscheine sind 5.000 Euro wert (80 x 62,50 Euro)

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Ihr Gesamt-Depot läge damit bei 10.000 Euro.

Fazit: Während der DAX in diesem Beispiel innerhalb von 12 Monaten um 50% eingebrochen ist, hätte sich Ihr Depot-Wert nicht verändert. Sie besäßen noch immer Wertpapiere im Wert von 10.000 Euro.

Der Haken: Wenn Sie eine solche Depot-Absicherung das ganze Jahr über laufen lassen, kostet Sie die Absicherung je nach Schwankungsstärke des Marktes (macht Optionsscheine günstiger oder teurer) rund 5 bis 12% Rendite jedes Jahr. Auf Dauer ist das zu teuer.

In welchen Fällen sind Stop-Loss-Marken sinnvoll?

Wenn Sie mit Derivate-Geschäften (z.B. Put-Optionsscheine) nichts zu tun haben wollen, können Sie auch Verkaufs-Limits (Stop-Loss-Marken) setzen. Diese Stop-Loss-Marken lösen automatisch Verkäufe aus, wenn der Kurs eine vorher gesetzte Stop-Loss-Marke einmal erreicht oder sogar unterschreitet.

Wenn Sie Ihr Depot mit Stop-Loss-Marken absichern wollen, sollten Sie die Marken jedoch nicht zu eng am aktuellen Kurs platzieren, da ansonsten schon bei kleineren Schwankungen automatische Verkäufe ausgelöst werden.

Darüber hinaus rate ich bei marktengeren Nebenwerten grundsätzlich vom Einsatz von Stop-Loss-Marken ab. Denn: Der Verkauf erfolgt ohne Rücksicht auf das Kursniveau. Liegt die Stop-Loss-Marke bei 10 Euro, aber gleichzeitig die nächste Kauf-Order bei 5 Euro, wird der Stop-Loss-Verkauf auch erst bei 5 Euro ausgeführt und nicht bei der als Absicherung gedachten Marke von 10 Euro.

Leider gibt es keine Absicherungs-Wunderwaffe

Fazit: Wie Sie heute und in der vergangenen Woche erfahren haben, gibt es verschiedene Wege, wie Sie Ihr Depot absichern können. Sie müssen aber in jedem Fall berücksichtigen, dass es keine Wunderwaffe gibt.

Sowohl die Absicherung durch Put-Optionsscheine als auch die Absicherung durch Stop-Loss-Marken bieten nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile. Der beste Depot-Schutz bleibt daher der Kauf von substanzstarken Value-Aktien, die auch Gegenwind gut verkraften.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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