Was Sie zum neuen Börsensegment „Scale“ wissen müssen

Kennen Sie „Scale“? So heißt das neue Börsensegment, das die Deutsche Börse in der vergangenen Woche gestartet hat. Parallelen zum Neuen Markt sind nicht ganz von der Hand zu weisen. Ich stelle Ihnen das neue Segment für kleinere Firmen heute vor.

Scale ersetzt den Entry Standard

Bereits im November hatte die Deutsche Börse angekündigt, ein neues Segment für Wachstumsfirmen ins Leben zu rufen. Gleichzeitig hatte der Börsenbetreiber einen Namenswettbewerb gestartet, bei dem 550 Vorschläge eingingen. Die Bezeichnung „Scale“ hat schließlich das Rennen gemacht. Am vergangenen Mittwoch, dem 1. März, fiel nun der Startschuss.

Das neue Segment soll den 2005 gegründeten Entry Standard ersetzen. Bisher ist der deutsche Aktienmarkt aufgeteilt in den Prime Standard, den General Standard und den Entry Standard. Unternehmen, die im Prime Standard gelistet sind, müssen deutlich höhere Anforderungen erfüllen. Dazu zählt beispielsweise die Veröffentlichung von Quartalsberichten. Nur Firmen aus diesem Segment können in einen der deutschen Auswahlindizes (DAX, MDAX, TecDAX und SDAX) aufgenommen werden.

Scale tritt jetzt an die Stelle des Entry Standard. Zum Start sind 38 Aktien im neuen Segment gelistet. Dazu zählen beispielsweise Helma Eigenheimbau, Mensch und Maschine, MPC Capital oder Vectron Systems. Im Entry Standard waren zuletzt 137 Gesellschaften notiert. Für die übrigen gilt eine Übergangsfrist, innerhalb derer sie zu vereinfachten Bedingungen in das neue Segment wechseln können. Firmen, die die Voraussetzungen nicht erfüllen können oder wollen, werden künftig im sogenannten Basic Board, einem Teilsegment des Freiverkehrs, gelistet.

Höhere Voraussetzungen als im Entry Standard

Mit dem neuen Börsensegment will die Deutsche Börse kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) den Zugang zum Aktienmarkt erleichtern und so dafür sorgen, dass mehr Firmen den Weg an die Börse gehen. Klingt ein wenig nach Neuer Markt, meinen Sie? Sicherlich weckt Scale Erinnerungen an den Neuen Markt. Allerdings hat die Deutsche Börse einiges getan, um keine Parallelen entstehen zu lassen. So sind die Voraussetzungen, die Unternehmen erfüllen müssen, deutlich höher als im bisherigen Entry Standard.

Die Firmen müssen Mindestgrößen bei verschiedenen Unternehmenskennzahlen erfüllen. Sie arbeiten mit einem Betreuer der Deutschen Börse zusammen, der die Eignung der Firmen für das Segment prüft und sie auch nach dem Börsengang weiter betreut. Außerdem werden regelmäßig von der Deutschen Börse in Auftrag gegebene Research-Berichte (von Edison Investment Research und Morningstar) veröffentlicht, die für Sie als Anleger öffentlich zugänglich sind.

Darüber, ob das neue Segment wirklich notwendig ist, um Firmen einen Börsengang schmackhaft zu machen, lässt sich sicherlich streiten. Zumindest aber hat die Deutsche Börse einiges getan, um Skandalen, wie sie seinerzeit am Neuen Markt passierten, einen Riegel vorzuschieben. Ich bin selbst gespannt, ob Scale ein Erfolg wird.

Freiverkehr: Geringe Transparenz – höhere Risiken

Als Anleger sollten Sie vor allem dann vorsichtig sein, wenn ein Unternehmen nur im Freiverkehr gelistet ist. Hier sind die Berichterstattungspflichten gering und somit auch die Transparenz. Entsprechend höher sind die Risiken.

Letztlich ist für Sie als Anleger aber nicht das entscheidende Kriterium, in welchem Segment eine Aktie gelistet ist. Viel wichtiger ist die Qualität eines Unternehmens. Wie Sie Aktien finden, die Ihnen gute Chancen auf langfristige Kursgewinne versprechen, verrate ich Ihnen morgen.

6. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.

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