Was Sie zur Indexreform wissen müssen

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Seit gestern präsentieren sich DAX & Co. in neuer Zusammensetzung. Das müssen Sie zur Neuordnung der deutschen Indizes wissen. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Seit gestern gilt die neue Zusammensetzung der deutschen Auswahlindizes (DAX, MDax, SDax, TecDax), die die Deutsche Börse Anfang September bekannt gegeben hat. Diesmal reichen die Veränderungen weiter als sonst.

Aufgrund der im Mai angekündigten Indexreform ändert sich einiges. Ich möchte Ihnen heute einen Überblick geben, was die Reform mit sich bringt und was das für Sie als Anleger bedeutet.

Das bringt die Indexreform mit sich

Die Neuordnung der deutschen Auswahlindizes bringt einige Veränderungen mit sich. Die erste zentrale Neuerung: Die Trennung nach den Segmenten „Tech“ und „Classic“ fällt weg. Bislang waren lediglich im DAX beide Segmente vertreten. Bei den kleineren Firmen hingegen gab es eine strikte Trennung. Technologiewerte waren im TecDax gelistet, klassische Unternehmen im MDax oder SDax.

Ab sofort ist das nicht mehr so. Wie im DAX finden jetzt auch im MDax und SDax sowohl Technologiefirmen als auch Unternehmen aus klassischen Branchen Aufnahme. Daraus ergibt sich die zweite entscheidende Neuerung: Nach dem Beispiel der amerikanischen Indizes sind nun auch Doppellistings möglich. Das bedeutet: Ein Unternehmen aus dem DAX, MDax oder SDax kann gleichzeitig auch im TecDax enthalten sein.

Deshalb wurden die Nebenwerte-Indizes MDax und SDax aufgestockt. Im Midcap-Index MDax sind statt bisher 50 Werte jetzt 60 Titel gelistet. Im Smallcap-Index SDax wurde die Zahl der enthaltenen Unternehmen sogar von 50 auf 70 ausgeweitet.

Wirecard verdrängt die Commerzbank aus dem DAX

Die konkreten Folgen der Reform: Die im DAX gelisteten Technologiewerte SAP, Infineon und Deutsche Telekom sind ab sofort auch im TecDax vertreten. Dafür müssen drei andere Werte (SMA Solar, Medigene und SLM Solutions) ihren Platz in dem Technologie-Index räumen.

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Auf der anderen Seite sind die meisten TecDax-Unternehmen ab sofort zusätzlich im MDax oder im SDax vertreten, wodurch der deutsche Mittelstand in diesen Indizes besser repräsentiert wird. Die Aktie des Zahlungsabwicklers Wirecard steigt als erstes TecDax-Unternehmen sogar in den DAX auf und verdrängt dort das Gründungsmitglied Commerzbank.

Ab sofort sind 13 TecDax-Werte auch im MDax gelistet, darunter Schwergewichte wie Siemens Healthineers, United Internet, Qiagen oder Sartorius. 15 Titel, darunter auch die TecDax-Absteiger SMA Solar und Medigene, finden im SDax Platz. Die Aktie von SLM Solutions, die bisher im TecDax gelistet war, ist in keinem Index mehr vertreten.

Die Folgen der Indexreform

Doch was bedeutet die Indexreform? Profitieren könnten aus meiner Sicht TecDax-Unternehmen, die jetzt zusätzlich im MDax gelistet sind. Denn diese rücken dadurch stärker in den Fokus großer Investoren.

Insgesamt dürfte der MDax – wie auch der SDax – durch die Aufnahme der Technologiewerte etwas schwankungsanfälliger werden. Eine Rückrechnung zeigt, dass sich beide Indizes mit den Tech-Werten in der Vergangenheit etwas besser entwickelt hätten.

Ob dies auch künftig so sein wird, bleibt abzuwarten. Der TecDax hingegen wird sich aller Voraussicht nach künftig etwas träger entwickeln. Schließlich sind die drei Neulinge aus dem DAX allein mit rund 30% im Index gewichtet.

Grundsätzlich kann ich Ihnen nur empfehlen, nicht nur deshalb in einen Wert zu investieren, weil dieser in einen Index aufgenommen wird. Weitaus wichtiger als eine Index-Zugehörigkeit sind die fundamentalen Aussichten eines Unternehmens.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.