Was über die Eurorettung verschwiegen wird

Schon bei der Einführung des Euro wurde die Lage verharmlost. Die Bürger belogen, getäuscht und getrickst. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Europa ist gespalten wie nie zuvor. Nicht nur die Asylkrise, sondern auch die EU- und Europolitik ist schuld daran. Dabei sollte der Euro nach Merkel doch „symbolhaft für die wirtschaftliche, soziale und politische Einigung Europas“ stehen.

Das war einmal, möchte man meinen. Denn Sie wissen jetzt, dass aufgrund des Nord-Südgefälles die Einheitswährung zum Totengräber der schwachen EU-Länder geworden ist.

Und robust ist der Euro schon längst nicht mehr.

Die Lage um den Euro wird verharmlost

Doch der Euro muss gehalten werden, weil er politisch gewollt ist. Trotz dem Umstand, dass wirtschaftlich alles andere als sinnvoll ist.

Dazu erklärte beispielsweise Dirk Heilmann, Ressortchef beim Handelsblatt schon vor Jahre folgerichtig: „Der Euro wird mit allen Mitteln verteidigt, die Lage wird in verschraubten Gipfelkommuniqués verharmlost und die Risiken werden kleingeredet.“

Kleingeredet, das ist der richtige Ausdruck für die beharrliche Verherrlichung der Gemeinschaftswährung und ihrer immer größer werdenden Probleme.

Von wegen, der Euro funktioniert

Noch immer klingen die Worte der politisch Verantwortlichen gleich.

Wie damals beispielsweise jene des ehemaligen Unionsfraktionschefs und Ex-Bundesfinanzministers Wolfgang Schäuble im Dezember 1996: „Ihr könnt darauf vertrauen, dass der Euro eine stabile Währung sein wird. Das funktioniert.“

Oder die von Otmar Issing, Ex-Chefökonom der EZB, der im Januar 2000 zum Besten gab: „Der Euro ist eine außerordentlich stabile Währung, stabiler als zum Beispiel die Mark während der meisten Zeit ihrer 50-jährigen Existenz.“

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Romano Prodi, ehemaliger EU-Kommissionspräsident, stimmte im September 2001 in dieses Loblied mit ein: „Der Euro beruht auf derselben Art von Stabilität wie die Mark. Dafür haben wir mit dem Stabilitätspakt gesorgt.“

Weitere politische Jubelgesänge auf den Euro

Auch Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl jubelte im Dezember 2001 noch: „Dieses Geld wird eine große Zukunft haben.“

Und sein damaliger Bundesfinanzminister Hans Eichel ergänzte: „Der Euro ist kein Teuro. Er ist genauso hart wie die D-Mark, auch im Verhältnis zum Dollar.“

Falls Sie es vergessen haben: Von der Opposition gab es ebenfalls kräftige Unterstützung, etwa von Altkanzler Helmut Schmidt, der in einem Interview sagte: „Es werden jeden Tag irgendwelche Zweifel gesät. Aber der Euro an sich ist nicht gefährdet.“

Er forderte dazu auf, dass „wir Deutschen nie und nimmer Ursache werden für Stillstand, für Verfall oder Zerfall des großen Projektes der Europäischen Union“, sowie zu „Entschlusskraft und Opferbereitschaft“, um den Euro zu retten.

Eine gewisse Risikobereitschaft gehört zur guten Politik

Noch eindeutiger wurde Steinmeiers Vorgänger als Bundespräsident, Joachim Gauck.

Vielleicht wissen Sie es ja noch: Er stellte sich wie kein anderer hinter den Euro und die Eurokanzlerin, die stellvertretend für andere benachbarte Nationen für einen stabilen Euro kämpfe.

Und dann ließ Gauck die sprichwörtliche Katze aus dem Sack, als er noch meinte, dass eine gewisse Risikobereitschaft auch im monetären Bereich mit zu einer guten Politik gehöre.

Vor allem dürfe man in der Euro-Krise nicht die Geduld verlieren, nicht durchdrehen und nicht hysterisch werden. Alles klar, Herr Kommissar?


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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.