Was wäre wenn – der EU-Untergang als Szenario

Beim Euro-Crash und dem Zusammenbruch der EU werden die Bürger den Preis auf existentielle Weise zahlen. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Jeder vernünftig denkende Mensch – und dazu zählen wir natürlich unsere Leser – weiß, dass die EU am Scheideweg steht. Schlimmer noch: Am Abgrund.

Und das nicht nur wegen ihrer desaströsen Finanz- und Wirtschaftspolitik, sondern insbesondere auch aufgrund des Asyl-Dramas, das die EU spaltet, wie niemals zuvor.

Diese ungelöste Flüchtlingskrise ist der Brandbeschleuniger für den Untergang.

Untergangsprophezeiungen sind keine Fake News

„Ein Zerreißen des Euro bedroht die Welt, wie wir sie in den vergangenen Jahrzehnten kennen und vor allem lieben gelernt haben.“ Diese Worte schrieb Der Spiegel bereits 2012.

Jorgen Randers, Professor an der BI Norwegian Business School, erklärte dazu:

„Die Menschen in den reifen Volkswirtschaften vermelden keine Steigerung des Wohlergehens mehr. Ihr Pessimismus ist begründet. In Zukunft wird es ihnen schlechter gehen (…) In reifen Märkten wird es mehr Arme und mehr Ungerechtigkeit geben.“

Und weiter:

„Diese Minderheit (ein Fünftel der Weltbevölkerung) wird einen Sturz aus ehemaliger Herrlichkeit erleben aufgrund stagnierenden Produktivitätswachstums und steigender Spannung, die aus Ungerechtigkeit entsteht.“

Die Menschen werden auf existentielle Weise den Preis zahlen

Die Professorin für Kulturtheorie an der Berliner Humboldt-Universität, Christina von Braun, bekannte einst folgerichtig:

„In jeder Krise des Geldes – in der Inflation der zwanziger Jahre in Deutschland, der großen Depression von 1929 oder der Finanz- und Bankenkrise, die 2007 begann und uns noch immer im Würgegriff hält – müssen Menschen auf ganz existentielle Weise den Preis für den Verlust der Glaubwürdigkeit des Geldes zahlen: mit Arbeitslosigkeit, Entzug ihrer Behausung und sozialer Ausgrenzung.“

Diese Folgen eines Crashs sollten Sie kennenCrash ist ein großes Wort – doch ich stelle immer wieder fest, dass viele Anleger hier v. a. die völlig falschen Schlüsse ziehen: Mit dem Wort „Crash“ verbinden die meisten… › mehr lesen

Diese Einschätzung ist noch so aktuell wie eh und je.

Die gesamte Gesellschaftsform der westlichen Demokratie kann zerstört werden

Diese verschiedene Faktoren, deren Brisanz hinreichend bekannt ist, könnten den endgültigen Euro-Kollaps besiegeln.  Und damit nicht nur die marktwirtschaftliche Ordnung ausradieren, sondern die gesamte Gesellschaftsform der westlichen Demokratie gefährden.

Das sagte übrigens kein anderer als der heutige Bundestagspräsident und frühere Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Und zwar im April 2013:

„Würden wir noch einmal eine Krise bekommen wie 2008, dann stünde nicht nur die marktwirtschaftliche Ordnung auf dem Spiel, sondern unsere gesamte Gesellschaftsform der westlichen Demokratie.“

Sie wissen: Diese Krise ist jedoch schon längst wieder da. Vor allem auf europäischer Ebene.

Deshalb zeigen wir Ihnen nachfolgend mögliche Faktoren für den Euro-Kollaps und den Untergang der EU auf. 

Keine Kapitalsicherung durch Anleihekäufer

Über Jahre hinweg liehen sich die Banken der EU-Länder billiges, fast zinsloses Geld von der EZB: Sie kauften also hoch verzinste Staatsanleihen der maroden Mitgliedsländer und hinterlegten diese als Sicherheit für ihre eigenen Kredite.

Ein fatales Prozedere, denn damit fehlte die Kapitalsicherung. Doch gerade jene ist das Kernproblem ungedeckter Währungsordnungen.

Zudem, so Kritiker, verstoßen die umstrittenen Anleihekäufe der Zentralbank gegen das vertragliche Verbot der Staatsfinanzierung durch die EZB.

Diese ungedeckten Anleihekäufe werden zukünftig zu einem der Hebel des wirtschaftlichen Untergangs. 


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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.