Was Warren Buffett im 2. Quartal ge- und verkauft hat

Am deutschen Aktienmarkt gab es heute keinen einheitlichen Trend. Während der DAX leicht verlor, konnten MDax, SDax und TecDax leicht zulegen. Größere Kursschwankungen gab es nur dann, wenn ein Unternehmen Quartalszahlen veröffentlicht hat, die über oder unter den Prognosen lagen.

In den USA müssen aber nicht nur Unternehmenszahlen veröffentlicht werden. Auch bestimmte Käufe und Verkäufe am Aktienmarkt werden statistisch erfasst.

Warren Buffett, der erfolgreichste Investor aller Zeiten, muss daher ebenfalls vierteljährlich das sogenannte Formular 13-F bei der US-amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) einreichen. Darin muss er seine An- und Verkäufe US-amerikanischer börsennotierter Unternehmen offenlegen.

Über die beiden größten Deals, die Buffett in diesem Jahr getätigt hat, habe ich Ihnen bereits vor einigen Tagen berichtet. Darunter fällt auch die (inklusive der Schulden) 37 Mrd. US-Dollar schwere Übernahme von Precision Castparts, die zugleich der größte Deal in Buffetts Investorenkarriere ist.

Der Precision-Castparts-Deal wurde erst nach Ablauf des 2. Quartals (von Anfang April bis Ende Juni) bekannt und ist deshalb heute nicht unser Thema. Denn: Wir beschäftigen uns heute mit dem, was Buffett im 2. Quartal 2015 gemacht hat.

Die Käufe und Verkäufe im Detail

Zunächst einmal sei gesagt, dass es im abgelaufenen 2. Quartal nur wenige Veränderungen im Portfolio von Buffetts Finanz-Holding Berkshire Hathaway gab.

Auch deshalb ist das „Ergebnis aus Aktiengeschäften“ von Berkshire im 2. Quartal auf 123 Mio. US-Dollar zusammengeschrumpft. Im Vorjahreszeitraum lag dieser Wert noch bei 2,06 Mrd. US-Dollar.

Geht man weiter ins Detail, fällt auf den ersten Blick vor allem auf, dass Buffett seine Öl-Positionen, die er bereits zuvor reduziert hatte, noch weiter abgebaut hat. So hat er sich beispielsweise vollständig von den Aktien des Ölausrüsters National Oilwell Varco und des Ölkonzerns Phillips 66 getrennt.

Im Gegenzug hat er weiter massiv bei John Malones Kabelnetzbetreiber Charter Communications zugekauft. Buffett erhöhte diese Position um über 40%. Charter übernimmt übrigens gerade den US-amerikanische Medienkonzern Time Warner für 56 Mrd. US-Dollar in bar. Die Transaktion kommt inklusive der mit übernommenen Schulden sogar auf ein Volumen von fast 79 Mrd. US-Dollar.

Ganz neu in Buffetts Portfolio ist eine 20-Mio-Aktien-Beteiligung am US-Autolackierer Axalta Coating Systems. Dieses Paket kaufte er kürzlich für 660 Mio. US-Dollar dem Finanzinvestor Carlyle Group ab.

Daneben hat Berkshire in der vergangenen Woche verkündet, eine 3,09 Mrd. US-Dollar schwere Beteiligung an einem Unternehmen eingegangen zu sein, dessen Name bislang nicht genannt wurde.

Ich bin gespannt, um welches Unternehmen es sich handelt. Aber: Spätestens wenn das Formular 13-F für das 3. Quartal eingereicht und die Ergebnisse veröffentlicht wurden, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir es erfahren werden.

Was das Formular 13-F nicht verrät

Das Formular 13-F verrät jedoch nicht alles. Sogenannte „Preferred Stocks“ tauchen in dem Formular nicht auf. Der Grund: Diese Aktien enthalten Sonderrechte, die über die der „normalen“ Aktien hinausgehen und werden daher eher als Hybrid-Instrumente denn als Aktien angesehen.

Und von dieser Aktienart hält Buffett große Pakete. Daher gibt das Formular 13-F auch keinen 100%igen Überblick über Buffetts Portfolio.

Fazit: Buffett hat zuletzt zwar umgeschichtet, keineswegs aber seine Investitionsquote zurückgefahren. Dieser Umstand und die Tatsache, dass Buffett im laufenden Jahr 2 der 6 größten Übernahmen seiner Investorenkarriere getätigt hat, sprechen ganz klar dafür, dass Buffett an mittel- bis langfristig positive Perspektiven glaubt.

Daher sollten auch Sie als Anleger sich nicht von den aktuell negativen Schlagzeilen und Nachrichten verrückt machen und davon Ihr Handeln bestimmen lassen.

18. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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