Was will Ihnen die Achterbahnfahrt des VDAX sagen?

Wenn wir auf die Entwicklung der Aktienkurse schauen, dann haben wir zumeist die großen Indizes im Blick wie den DAX 30, den Dow Jones oder den S&P 500.

Allerdings können Ihnen auch andere Kursverläufe eine gute Hilfestellung bei der Beurteilung der Marktlage leisten.

Ein eigentlich unverzichtbarer Indikator ist der Volatilitäts-Index VDAX. Ich selbst beobachte den VDAX routinemäßig jede Woche.

Denn er ist eine Komponente des von mir für meinen Börsendienst „Die Wachstumsaktien-Strategie“ entwickelten Markt-Barometers.

Der VDAX lieferte in den letzten Wochen eine ausgesprochen seltsame Entwicklung ab. Schauen wir ein mal, wie wir das interpretieren können.

Doch zunächst einmal:

VDAX: Wissenschaftlich erklärt

Worum geht es beim VDAX oder genauer gesagt beim VDAX-New? Hier die Erklärung, die Ihnen Wikipedia zum Volatilitäts-Index anbietet:

„Der VDAX-NEW ist ein von der Deutschen Börse AG berechneter und veröffentlichter Volatilitäts-Index.

Er misst die implizite Volatilität für den deutschen Aktien-Leitindex DAX – also dessen erwartete Schwankungsbreite – für den Zeitraum der nächsten 30 Tage und wird in annualisierter Form notiert.

Der Berechnung liegen die an der Terminbörse EUREX gehandelten »at-the-money«- und »out-of-the-money«-DAX-Optionen zu Grunde.

Ein hoher VDAX-NEW-Wert weist auf einen unruhigen Markt hin, niedrige Werte lassen eine Entwicklung ohne starke Kursschwankungen erwarten.

Der VDAX-NEW wird daher auch als »Angstbarometer« bezeichnet.

Über die Richtung der Änderung, also steigende oder sinkende Kurse, gibt er grundsätzlich keinen Aufschluss, allerdings sind die historischen Höchststände in schwierigen Marktphasen erreicht worden.“

Alles klar? – Falls nicht, habe ich eine hoffentlich verständlichere Version für Sie:

VDAX: Erläuterung für den weniger börsenerfahrenen Anleger

Wenn Sie größere Kursbewegungen im DAX 30 erwarten, dann möchten Sie natürlich aus Ihrer Einschätzung auch Profit schlagen. Was können Sie also tun?

  • Erwartung eines steigenden DAX: Sie kaufen entweder den DAX im Ganzen, beispielsweise als ETF, setzen auf Einzelwerte oder kaufen in der spekulativen Variante Long-Zertifikate, Call-Optionsscheine oder eben DAX-Call-OPTIONEN oder einen DAX-Future.
  • Erwartung eines fallenden DAX: Sie kaufen entweder einen Short-ETF auf den DAX, verkaufen Ihre DAX-Werte oder kaufen in der spekulativen Variante Short-Zertifikate, Put-Optionsscheine oder eben DAX-Put-OPTIONEN. Oder Sie verkaufen einen DAX-Future.

Nun wird klar: Je stärker eine Seite der Optionen von Anlegern bevorzugt wird, umso stärker schlägt das VDAX-Pendel nach unten (steigender DAX) oder nach oben (fallender DAX) aus.

Ähnliche VDAX-Sprünge in der jüngeren Vergangenheit

Um alles miteinander zu verbinden, habe ich in der folgenden Grafik für Sie den VDAX und den DAX 30 gegenübergestellt.

Die eingeblendete 200-Tage-Linie soll zeigen: Wenn sich der deutsche Leitindex oberhalb des GD200 bewegt, dann liegt ein Aufwärtstrend im DAX 30 (grün unterlegt) vor.

dax versus vdax_20-04-2017

DAX versus VDAX: Auffällige Bewegung in den letzten 4 Wochen

Wenn Sie nun auf die jüngste VDAX-Entwicklung schauen, dann sehen Sie, dass der Indikator am 21. März mit 11,03 den tiefsten Wert der vergangenen rund 5 ½ Jahre erreicht hatte – ein Extremwert also, der großes Vertrauen in den DAX widerspiegelte.

Knapp 4 Wochen später hat sich der VDAX im Wert auf 22,47 (letztes Zwischenhoch am 18. April) mehr als verdoppelt – eine ausgesprochen ungewöhnliche Bewegung, da der VDAX normalerweise zu „trendigeren“ Verläufen tendiert.

Sie sehen auch: Mit Ausnahme des Ausreißers Anfang November letzten Jahres war dies der höchste VDAX-Wert seit Juli 2016.

Fazit – Teil I

Dementsprechend habe ich einmal nach vergleichbaren „Spikes“ (heftige VDAX-Sprünge) in der jüngeren Vergangenheit gesucht, die an oder über einen VDAX-Wert von 22 reichten.

Da eine solche VDAX-Veränderung in einem Aufwärtstrend eher ungewöhnlich ist, konzentrieren wir uns auf die Aufwärtsphasen des DAX:

Insgesamt passen 6 VDAX-Spikes seit 2011 in dieses Schema, die jeweils mit einem vertikalen pinkfarbenen Balken gekennzeichnet sind.

Sie sehen: Im Nachhinein entpuppten sich 4 von 6 Spikes (2,3,4,6) als zwischenzeitliche Tiefpunkte im DAX. In 2 Fällen (1 und 5) markierte der DAX wenige Tage später ein Zwischentief.

In allen 6 Fällen folgte eine zumindest technische Erholungs-Bewegung. Bei den Spikes 1 und 6 schloss sich sogar eine kräftige DAX-Rallye über mehrere Monate an.

Die Grafik teilt Ihnen, quasi nebenbei, aber auch noch etwas anderes mit: Der Abstand zur 200-Tage-Linie ist aktuell noch immer recht groß – und das trotz der jüngsten Abwärts-Bewegung.

Die Rallyes nach den Spikes 1 und 6 starteten jedoch von einem Niveau aus, das einen deutlich geringeren Abstand des DAX zu seiner 200-Tage-Linie anzeigt.

Fazit – Teil II

Ich rechne daher in den kommenden Wochen mit einem Verlauf, wie Sie ihn nach den Spikes 2 und 4 beobachten konnten:

Kurs-Erholung, erneute Abwärts-Bewegung, die den DAX dann näher an die 200-Tage-Linie führt, und erst danach Fortsetzung des Aufwärtstrends.

20. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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