Was wir über Bastei Lübbe denken

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Als Börsenstar angekündigt, als Rohrkrepierer geendet. Das sollten Sie über die neue Verlags-Aktie wissen. (Foto: Monster Ztudio / shutterstock.com)

Es war einer der am spektakulärsten angekündigten Börsengänge der vergangenen Monate: Der Verlag Bastei Lübbe drängte vergangene Woche auf das Parkett. Im Vorfeld war der Medien-Hype groß. Wir dagegen haben uns zurück gehalten. Zu unklar erschienen uns die Chancen des Verlags.

Zu wenig wussten wir über die Dividenden-Politik von Bastei Lübbe. Inzwischen können Anleger die Aktie bereits eine Woche an der Börse handeln. Auch lässt sich das Unternehmen jetzt besser einschätzen.

Große Ideen – kleine Erlöse

Eine der wichtigsten Informationen zum Börsengang gab es bereits am ersten Handelstag: Dem Unternehmen gelang es nicht, wie geplant 58 Mio € einzunehmen. Stattdessen spülte der Gang aufs Parkett lediglich 30 Mio € in die Kassen von Bastei Lübbe. Obwohl man sich beim Verlag zuversichtlich zeigt und den Börsengang als Erfolg bewertet, können diese Zahlen nicht wirklich für Freude sorgen.

Man stelle sich das nur einmal vor: Ein Unternehmen hat Expansionspläne, will neue Autoren verpflichten, neue digitale Inhalte entwickeln und sich international besser aufstellen. Die Ideen sind groß. Und dann macht einem ein Börsengang, der gerade einmal etwas mehr als die Hälfte dessen erlöst, was man sich erhofft hatte, einen Strich durch die Rechnung.

Unter gewissen Umständen ist es auch gar nicht so schlecht, wenn ein Unternehmen vom Markt knapp gehalten wird – es kam auch schon vor, dass üppige Emissionserlöse sinnlos verprasst wurden. Jetzt muss Bastei Lübbe mit Bedacht investieren. Dennoch: Ein Vertrauensbeweis des Marktes sieht anders aus.

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Gesellschafter mit Verkaufsinteresse

Als besonders pikantes Detail gilt die Information, dass ein Gesellschafter des Bastei-Lübbe-Verlags im Rahmen des Börsengangs Aktien verkaufen wollte, dies aber nicht gelungen ist. Die Information, dass ein verkaufswilliger Großinvestor bei Bastei Lübbe investiert ist, dürfte für den Kurs auch weiterhin Gift sein – schließlich muss man nach jedem Anstieg der Titel die Sorge haben, dass eine große Adresse Aktien in den Markt gibt oder das zumindest plant.

Als Vertrauensbeweis zählt auch nicht der Kurs der Aktie in den ersten Handelstagen. Die Aktie pendelte rund um den Ausgabepreis bei 7,50 Euro – Erfolgsgeschichten an der Börse werden definitiv anders geschrieben.

Bei allem Gemecker gibt es zu Bastei Lübbe auch etwas Positives: Die Gesellschaft stellt zunächst einmal 3 bis 4% Dividende in Aussicht. Dazu sollen 40 bis 50% des Gewinns verwendet werden. Im kommenden Jahr soll die Dividendenrendite dann auf „5% und mehr“ steigen, so Thomas Schierack, Vorstandsvorsitzender der Bastei Lübbe AG. Diese Ankündigung gefällt uns.

Doch muss das Unternehmen beweisen, dass diese Wachstumspläne auch von einer fundamentalen Entwicklung unterfüttert werden. Die nächsten Monate geben darüber Aufschluss. Bis dahin ist die Aktie kein Kauf.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.