We Work: Börsenaspirant lässt heiße Luft entweichen

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WeWork: Büroraumvermieter streicht Bewertung zum Börsengang drastisch zusammen. Anleger misstrauen dem Geschäftsmodell. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Neben Lyft, Uber und Airbnb sollte der WeWork-Börsengang eine Emission der Superlative werden. Immerhin wurde der Konzern in seiner letzten Finanzierungsrunde noch mit 47 Milliarden Dollar bewertet.

Allerdings hat der Mitte August bei der Börsenaufsicht SEC eingereichte Prospekt für den Börsengang vor allem Kopfschütteln bei den Anlegern rund um den Globus ausgelöst. Der Konzern bezeichnet sich selbst als eines der am schnellsten wachsensten Unternehmen der Share Economy, doch ob das Geschäft jemals tragfähig sein und die Gewinnschwelle erreichen wird, ist stark zu bezweifeln. Das scheinen auch immer mehr Investoren zu realisieren.

Denn offenbar fällt die Nachfrage nach den Aktien im Vorfeld des Börsengangs deutlich geringer aus als zuvor erwartet worden war. Die Bewertungsspanne ist inzwischen deutlich reduziert worden.

Co-Working – der neue Hype….

WeWork vermittelt Räumlichkeiten an junge Start-up-Firmen, Firmengründer, aber inzwischen auch an größere Konzerne. Der neue Trend heißt Co-Working. Dabei sitzen Firmen Tisch an Tisch und arbeiten miteinander – der geteilte Arbeitsplatz quasi. Für junge Firmen hat dieses Konzept mehrere Vorteile. Zum einen fallen so keine teuren Büromieten an, zum anderen müssen sich die kleinen Firmen nicht an langlaufende Verträge binden. Zudem können sich die jungen Firmengründer mit anderen Gleichgesinnten austauschen.

WeWork ist in 99 Städten weltweit mit entsprechenden Büroräumen vertreten. Insgesamt unterhält das Unternehmen weltweit mehr als 550 Büros, die an entsprechende Mitglieder vermietet werden. Die Zahl der WeWork-Mitglieder summiert sich auf etwa 400.000.

…..von Differenzierung aber keine Spur

Doch anstatt das Geschäftsmodell als das zu präsentieren, was es ist, nämlich die Vermietung von Büroflächen, versucht sich der vor Selbstbewusstsein strotzende Konzern als Technologiefirma darzustellen. Das zu glauben fällt schwer, wenn man selbst einmal einen Blick in den Wertpapierprospekt geworfen hat. Immerhin stammten 93% der Erlöse aus der Vermietung von Büroräumen.

Auch wenn Säbelrasseln zum Geschäft gehört und sich das Schmücken mit Modewörtern durchaus positiv in der Unternehmensbewertung niederschlagen kann, ist das Gehabe von WeWork den Investoren offenbar eindeutig zu viel.

Gewinnschwelle nicht in Sicht

Die Zahlen aus dem Vorjahr dürften jedenfalls nicht dafür sorgen, dass sich die Anleger um Aktien beim Börsengang reißen. Zwar erzielte WeWork mit einem Jahresumsatz von 1,8 Milliarden Dollar fast eine Zuwachsrate von 100%. Zugleich rutschte das Unternehmen aber noch tiefer in die Verlustzone. Lag der Verlust in 2017 bei 930 Millionen Dollar, waren es im zurückliegenden Geschäftsjahr bereits unglaubliche 1,93 Milliarden Dollar.

Eine Trendwende ist übrigens nicht in Sicht. Auch im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres war WeWork mit einem Verlust von 690 Millionen Dollar Lichtjahre vom Erreichen der Gewinnschwelle entfernt. Zugleich gab der Bürovermieter bekannt, dass auch auf absehbare Zeit nicht mit Gewinnen zu rechnen sei.

Alarmierende Zahlen treffen auf Bewertung der Superlative

Vor diesem Hintergrund wundert es eigentlich wenig, dass der Konzern nun auch bei seiner ursprünglich angepeilten Bewertungsspanne deutlich zurückrudern muss. Bei der letzten Finanzierungsrunde, an der sich auch der japanische Softbank-Konzern zum Jahresbeginn beteiligte, wurde die Firma noch mit 47 Milliarden Dollar bewertet. Vor dem Hintergrund des Geschäftsmodells und der Perspektiven eine absolut stolze Bewertung. Auch wenn WeWork in diesem Jahr mit über 60% wachsen würde, entspräche das immer noch mit dem 15-Fachen Jahresumsatz.

Zuviel finden offenbar die Investoren und kritisierten zunehmend den Konzern – mit entsprechender Wirkung. Anstatt im Rahmen des Börsengangs nochmals einen Aufschlag zu realisieren, macht WeWork nun deutliche Abstriche und peilt nun eine Bewertung zwischen 20 und 30 Milliarden Dollar an. An der Attraktivität der Aktie dürfte das vorerst wenig ändern. In der Summe überwiegen die Risiken deutlich. Anleger sollten daher den Börsengang besser in Ruhe von der Seitenlinie aus verfolgen.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.