Web-Gigant vor Neuausrichtung

Web-Giganten der ersten Stunde kämpfen entweder seit Jahren gegen den Verlust von Marktanteilen oder erfinden sich ständig neu. Bei eBay weiß man nicht so recht, wie sich das Unternehmen entwickelt.

Betrachtet man das klassische Geschäft mit Auktionen und Online-Verkäufen, ist eBay sicherlich gegenüber der Konkurrenz ins Hintertreffen geraten. Trotz einiger Optimierungen auf der Webseite sieht eBay noch immer ein wenig aus, wie während unserer ersten Gehversuche im Internet vor der Jahrtausendwende. Doch der Reihe nach.

eBay will umbauen

eBay ist der weltweit führende Anbieter von Online-Auktionen sowie Online-Bezahldiensten (PayPal). Das Unternehmen bietet auf seiner Webseite Anbietern und Nachfragern die Möglichkeit, alle Arten von Produkten zu handeln.

PayPal ermöglicht es seinen Kunden, von überall auf der Welt Zahlungen zu tätigen, ohne persönliche Daten wie Konto- und Kreditkartennummern oder Passwörter preiszugeben.

eBay blieb 2014 auf Wachstumskurs und hat seinen Umsatz um 11,6% auf 17,9 Mrd $ gesteigert. Allerdings ist das Wachstum schlicht auf die gute Entwicklung bei der Bezahltochter PayPal zurückzuführen. Das eigentliche Kerngeschäft erodiert.

Der Gewinn brach fast vollständig ein, und eBay konnte sich nur knapp vor der Verlustzone retten. Vor allem die teure Umstrukturierung hat das Zahlenwerk belastet.

Künftig sieht es für den Internetriesen noch schlechter aus. Im September hatte eBay beschlossen, dass PayPal abgespalten und als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebracht werden soll. Die Trennung soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Dazu sind neben weiteren Sonderausgaben auch radikale Umbaumaßnahmen geplant.

Anleger sollten besser aufpassen

Knapp 2.400 Stellen sollen gestrichen werden. Mit der Abspaltung kam eBay einer zentralen Forderung des Großinvestor Carl Icahn nach. Dieser wurde sogleich in den Verwaltungsrat gewählt und wirkt jetzt aktiv bei der Ausgliederung mit. Uns beunruhigt diese Entwicklung.

Zudem wurde noch bekannt, dass die Umstrukturierung über die Abspaltung von PayPal hinausgehen könnte. Icahn möchte weitere Unternehmensteile ausgliedern und mit den einzelnen Börsengängen oder Verkäufen ordentlich Kasse machen. Im Gespräch ist der Verkauf oder die Abspaltung von eBay Enterprise.

Dieser Bereich beschäftigt sich mit der Entwicklung und dem Betrieb von Online-Shops für Unternehmenskunden. Aufgrund der großen Unsicherheiten erwarten wir auf Sicht von 6 bis 12 Monaten eine unterdurchschnittliche Kursentwicklung.

Ohne Paypal wird es ganz entscheidend darauf ankommen, wie eBay sich am Markt behaupten kann. Es hat immer mehr den Anschein, als würde die Plattform von der Konkurrenz abgehängt.

Die Beteiligung von Icahn spricht zudem auch nicht gerade dafür, dass für gewöhnliche Aktionäre bei eBay Filetstücke übrigbleiben. Anleger sollten vorsichtig sein.

28. Mai 2015

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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