Weiterer Nackenschlag für den Finanzplatz Frankfurt

Knaus Tabbert RED – Björn Wylezich

Der vermeintlich größte Börsengang des Jahres ist gescheitert. Was sind die Ursachen für die Absage von Springer Nature? (Foto: Björn Wylezich / Adobe Stock)

Wenn es ein Unternehmen dreimal versucht, an die Börse zu gehen, und das Unternehmen scheitert dreimal daran, dann sind die Eigentümer in der Regel entweder zu gierig oder sie werden von inkompetenten Investmentbanken beraten.

Eingetrübtes Marktumfeld

Die Rede ist von Springer Nature, dem renommiertesten Börsengang des Jahres, dessen Durchführung eigentlich für diesen Monat vorgesehen war. Es sollte der dritte Versuch sein, nachdem sowohl der erste Versuch, datiert aus dem Jahr 2018, als auch der zweite Anlauf im Frühjahr dieses Jahres – Corona-bedingt – gescheitert waren. Um von der eigenen, überschaubaren Leistung abzulenken, kann es den Verantwortlichen wenigstens zugutegehalten werden, dass sich das in diesen Fällen strapazierte „Marktumfeld“ tatsächlich eingetrübt hat – zumindest wenn die Börsengänge der letzten beiden Wochen als Maßstab herangezogen werden.

Denn sowohl die Aktien des Rüstungskonzerns Hensoldt wie auch des Wohnmobilherstellers Knauss Tabbert notieren derzeit unter ihrem Ausgabepreis. Die Anteilsscheine von Siemens Energy, dem dritten Börsenneuling der letzten Wochen, schwanken dagegen orientierungslos um den Emissionskurs herum.

Sie sehen, IPOs zu zeichnen, ist kein Kinderspiel und will wohl bedacht sein.

Zugegeben, die Aussichten für einen erfolgreichen Börsengang waren bei Springer Nature nicht die besten, und doch hätte es klappen können. Nicht zuletzt, weil sich der Wissenschaftsverlag ein renommiertes Bankenkonsortium zusammenstellen konnte. Mit Goldman Sachs und Morgan Stanley waren gleich zwei der führenden Investmentbanken mit der Führung des Emissionskonsortiums betraut.

Zwei Gründe für das Scheitern

Dass es trotzdem nicht ausgereicht hat, dürfte auf zwei Ursachen zurückzuführen sein. Zum einen darauf, dass Springer Nature die aus der Kapitalerhöhung vereinnahmten Mittel von rund 1 Milliarde Euro für die Tilgung der immensen Verbindlichkeiten verwenden sollte. Diese wurden dem Unternehmen von der Private Equity-Gesellschaft BC Partners aufgebürdet, die Springer Nature einst erworben hat. Doch die Gelder aus der Kapitalerhöhung direkt an die Anteilseigner durchzureichen, kommt bei einem Börsengang regelmäßig nicht besonders gut an.

Dabei hat BC Partners gar keine andere Wahl. Beteiligt hat sich BC Partners nämlich schon im Jahr 2013. Womit Springer Nature für BC Partners schon zu lange zum Kreis der Portfoliounternehmen zählt. Sie müssen wissen: Typischerweise streben Beteiligungsgesellschaften einen Verkauf nach spätestens fünf Jahren an. Wenn ein Portfoliounternehmen länger nicht verkauft werden kann, sinken die relevanten Renditekennzahlen – was wiederum gar nicht gut ist fürs Renommee der Beteiligungsgesellschaft.

Tech vor Value

Für den zweiten Grund kann BC Partners dagegen nichts. Offensichtlich kommt das Geschäftsmodell von Springer Nature bei den Investoren derzeit nicht an. In Europa und den USA stehen momentan eher wachstumsstarke IT-Unternehmen mit einem überzeugenden Geschäftsmodell im Zentrum des Interesses. An beiden Kriterien mangelt es aber bei Springer Nature. In dem 1842 in Berlin gegründeten Verlag erscheinen pro Jahr zwar mehr als 13.000 Fachbuch-Titel, doch rechnet der Vorstand für das laufende Jahr mit einem Umsatzrückgang um satte 4%. Gelitten hat Angabe gemäß vor allem das Geschäft mit Lehr- und Schulbüchern, deren Einbußen nicht vom Kerngeschäft der Publikation wissenschaftlicher Forschungsergebnissen kompensiert werden konnte.

Wie auch immer, für die Deutsche Börse kommt der gescheiterte Börsengang von Springer Nature einmal mehr ein Nackenschlag gleich. Die Hoffnung, das schwache IPO-Jahr 2020 noch mit dem IPO eines renommierten Schwergewichts zu retten, ist dahin. Kein gutes Zeichen für den Finanzplatz Deutschland.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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