Welche Auswirkungen Fahrverbote auf Ihr Depot haben können

Experte mahnt: Für deutsche Autobauer sind Fahrverbote eine Katastrophe. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Nicht nur aufgrund der eisigen Temperaturen befindet sich die deutsche Automobilbranche in der Schockstarre. Seit gestern ist bekannt: Diesel-Fahrverbote in Städten, so die Richter des Leipziger Bundesverwaltungsgerichts, sind auch ohne bundeseinheitliche Regelungen zulässig. Damit müssen sich viele Autofahrer, die in oder in der Nähe von Städten mit zu hohen Stickoxidwerten leben, auf Fahrverbote einstellen.

Belastungen zum Teil schon eingepreist

Damit hat das Bundesverwaltungsgericht gegen die wichtigste deutsche Industrie entschieden. Wie es an der Börse üblich ist, haben die Aktien der Autobauer dieses Urteil bereits in den vergangenen Wochen vorweggenommen – und deutlich an Wert verloren.

Das Urteil macht deutlich, wie sehr die Vertreter von mehr als 800.000 Mitarbeitern – so viele Menschen sind in der deutschen Automobilherstellung direkt beschäftigt – in den vergangenen Jahren versagt haben. Die hohen Stickoxid-Belastungen in den Innenstädten sind nicht erst seit gestern bekannt. Dass Diesel-Autos die EU-einheitlichen Abgasnormen massiv verletzen, ebenfalls. Und dennoch hatte die deutsche Auto-Industrie nur eine Strategie: Auf Zeit zu spielen und notfalls auf die Politik zu setzen. Doch was in der Vergangenheit ausreichend war, funktioniert jetzt nicht mehr.

Industrie unter massivem Druck

Dabei darf bezweifelt werden, ob alle den Schuss wirklich gehört haben. Noch gestern wiederholte Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie VDA, seine Aussage, wonach „die ambitionierten Vorgaben zur Luftqualität in den deutschen Städten ohne Fahrverbote erreicht werden können”. Wenn es so ist, warum haben die Hersteller dann nicht längst etwas getan?

Nein, die deutschen Autohersteller sind unter massivem Druck, ihr Geschäftsmodell zu verändern. Deutlich mehr ist gefordert als die bisher angebotenen Software-Updates. Jetzt müssen nicht nur die wesentlich teureren Hardware-Anpassungen angeboten werden. Nun stehen Autohersteller auch in der Pflicht, möglichst viele Autos in möglichst kurzer Zeit auf emissionsfreie oder zumindest emissionsarme Technik umzustellen. Und die Produktpalette viel stärker auf Elektroautos umzustellen als bislang.

Auto-Experten bezeichnen das Urteil als „Katastrophe“

In den Augen des Autoexperten Prof. Ferdinand Dudenhöffer ist das Urteil denn auch eine „Katastrophe für die deutschen Autokonzerne“. Auch wenn ein Teil der möglichen Belastungen bilanziell schon berücksichtigt worden sein dürfte, werden im laufenden Jahr erhebliche weitere Belastungen zu verarbeiten sein.

Für die Diesel-Technologie war der gestrige Dienstag ein „schwarzer Tag“. Und damit auch für die deutsche Autoindustrie, die viel zu lange viel zu wenig getan hat. Deren Image ist wegen des Abgasskandals ohnehin ramponiert, die Diesel-Neuzulassungen sind seit Monaten auf Talfahrt. Dass davon die Kurse von Auto-Aktien nicht verschont werden, liegt auf der Hand. Denn Unsicherheit ist der größte Feind des Aktionärs.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.