Wells Fargo Aktie: Hilft radikaler Stellenabbau beim Turnaround?

Wells Fargo streicht jede zehnte Stelle, die Aktie kommt trotzdem nicht auf die Beine. Kann sich die Skandalbank noch selbst retten? (Foto: Anton Violin / shutterstock.com)

Wells Fargo steht mit dem Rücken zur Wand. Das wurde vor wenigen Tagen deutlich, als die US-Großbank ihre grundlegenden Umstrukturierungspläne bekanntgab. In den kommenden drei Jahren sollen demnach 5 bis 10 Prozent aller Stellen gestrichen werden. Damit stehen bis zu 26.500 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Im Vergleich zu anderen großen Geldhäusern war Wells Fargo relativ glimpflich durch die Finanzkrise gekommen. Zuletzt jedoch häuften sich die Skandale. Für besonderes Aufsehen sorgte 2015 die Enthüllung, dass Mitarbeiter der Bank rund 3,5 Millionen Scheinkonten im Namen von Kunden eröffnet hatten – ohne, dass diese davon wussten. Auf diese Weise sollten wohl die ambitionierten Wachstumsziele erreicht werden.

Der Skandal flog jedoch auf – und Wells Fargo um die Ohren. Die Bank wurde zu einer milliardenschweren Strafzahlung verdonnert, tausende Beschäftigte wurden in dem Zusammenhang bereits entlassen.

Digitalisierung verschlafen

Sein ramponiertes Image hat das Geldhaus seither nicht nachhaltig aufbessern können. Neben immer neuen Skandalen hängt das auch damit zusammen, dass wichtige Neuerungen mit Blick auf die Geschäftsprozesse verschlafen wurden. Insbesondere in Sachen Digitalisierung kam die Bank viel zu lange nicht vom Fleck.

Das schlägt sich mittlerweile auch in den Bilanzen nieder. So gingen die Geschäfte am Schalter und am Bankautomaten zuletzt deutlich zurück, während das Onlinebanking an Bedeutung gewinnt. Gerade in diesem Bereich jedoch ist Wells Fargo bislang eher dürftig aufgestellt und hat einiges an Nachholbedarf.

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Auch dieses Problem soll im Zuge der Umstrukturierung angegangen werden. Die Prozesse sollen stärker auf die Anforderungen und Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten und das digitale Angebot ausgebaut werden. Im Gegenzug werden noch in diesem Jahr 300 Filialen geschlossen, bis 2020 sollen insgesamt 800 Standorte wegfallen.

Wells Fargo Aktie nach enttäuschenden Zahlen unter Druck

Unter Zugzwang sieht sich die Führungsetage nicht zuletzt wegen der schwächelnden Bilanzen. Zuletzt hatte Wells Fargo seine Anleger mit einem Gewinnrückgang enttäuscht. Die jetzt angekündigten Maßnahmen sind auch als Reaktion darauf zu verstehen: Bis 2020 sollen die Kosten demnach um 4 Milliarden Dollar reduziert werden.

Die Wells Fargo Aktie befindet sich bereits seit Wochen im Sinkflug. Auf Monatssicht hat der Kurs um rund 8 Prozent nachgegeben. Zuletzt wurden für das Papier rund 46 Euro oder 55 Dollar fällig. Für das laufende Quartal rechnen Analysten im Schnitt mit einem leichten Rückgang der Umsatzerlöse, aber einer Steigerung des Ergebnisses je Aktie.

Im Vorjahreszeitraum hatte Wells Fargo 0,84 Dollar je Aktie erwirtschaftet, nun rechnen Beobachter mit rund 1,18 Dollar. Im vorangegangenen Quartal zu Ende Juni hatte die Bank die Erwartungen deutlich verfehlt: Damals waren die Experten von 1,12 Dollar je Aktie ausgegangen, tatsächlich konnte Wells Fargo jedoch lediglich 0,98 Dollar je Aktie erzielen.

Auch bei den Umsatzerlösen hatte das Geldhaus die Markterwartungen zuletzt verfehlt. Im Mittel rechnen Analysten für das laufende Quartal mit 21,76 Millionen Dollar nach 21,92 Millionen im Vorjahreszeitraum. Das Zahlenwerk wird am 12. Oktober veröffentlicht.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.