Welt-Konzern im Umbruch

Starke Marken sind gut, aber nicht alles. Auf welche Details es bei Investment-Entscheidungen noch ankommt, zeigt unsere P&G-Analyse. (Foto: monticello / Shutterstock.com)

Güter des täglichen Bedarfs sind ein gutes Investment: Die Umsätze sind meist stabil und die Margen groß. Doch auch die Konkurrenz ist stark ausgeprägt. Sowohl bei Zahnpasta, Putzmittel oder Rasierklingen gibt es mindestens zwei große Marken. Wüssten Sie, welche der bekannten Marken wirklich besser ist? Genau das ist der Fallstrick bei Investments in Konsumgüter. Selbst starke Marken sind austauschbar.

Künftige Gewinne sind damit weniger sicher, als wir manchmal denken. Gut, wenn ein Unternehmen ein großes Marken-Portfolio hat – so wie Procter & Gamble. Die Aktie in unserer Analyse. Procter & Gamble (P&G) gehört zu den weltweit führenden Markenartikel-Unternehmen. Gemessen am Börsenwert übertrifft der Konzern Konkurrenten wie Colgate, Kimberly-Clark oder Unilever um Längen.

Die wichtigsten Marken sind Gillette (Übernahme im Jahr 2005), Pampers, Pantene, Head & Shoulders, Braun, Mach3, Fusion, Always und Oral-B. Die 250 bekanntesten Marken werden in 140 Ländern regelmäßig von etwa 4,5 Mrd Kunden gekauft.

Es läuft schleppend bei P&G

P&G hat es auch im abgelaufenen Geschäftsjahr nicht geschafft, auf den Wachstumskurs zurückzufinden. Der Umsatz sank um 0,4% auf rund 65 Mrd $. Damit ist der Umsatz seit 2013 teils stark rückläufig. Allerdings wurde 2016 ein größerer Gewinnsprung von 45,9% auf 15,4 Mrd $ erzielt. Angesichts des schwierigen Marktumfeldes ist das ein hervorragendes Ergebnis. Doch gerade bei diesen guten Zahlen sollte man etwas genauer hinschauen.

Der Gewinnsprung basiert fast ausschließlich auf Sondereffekten. P&G musste aufgrund des harten Wettbewerbsdrucks einige Geschäftsbereiche verkaufen, um die eigenen Margen zu entlasten. Der Ausverkauf des Traditionskonzerns hat begonnen. Dabei geht P&G aufs Ganze und verkauft sogar starke Marken, die den Konzern erst groß gemacht haben.

Mit der umfassenden Konzentrationsstrategie versucht sich P&G stärker auf das Reinigungs- und Pflegemittelgeschäft zu konzentrieren. Hier ist das größte Potenzial zu erwarten. Im 1. Quartal wurden bereits erste Erfolge erzielt. Der Umsatz stieg um knapp 1% auf rund 16,7 Mrd $. Unterm Strich verbesserte sich der Gewinn um 10,4% auf 1,06 $ pro Aktie.

Warten Sie besser noch ab!

Die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr sind positiv. Nach der langen Restrukturierungsphase von mehr als 3 Jahren könnte es für P&G endlich wieder bergauf gehen. Doch bereits diese ersten Erholungstendenzen nutzen einige windige Hedgefonds- Manager, um schlechte Presse zu verbreiten. Der Ausgang ist unklar. Wir würden daher noch weiter abwarten. Wagemutige können zwar einen Einstieg suchen, doch raten wir konservativen Investoren, zunächst abzuwarten, bis sich bei P&G ein klareres Bild ergibt. Wir bleiben für Sie auf dem Laufenden!

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.