Weltweites Flugaufkommen nimmt zu

Die Giganten Boeing und Airbus profitieren von dem weltweiten Ausbau der Fluginfrastruktur. Seit Jahren steigt die Anzahl von Fluggästen an. (Foto: vaalaa / shutterstock.com)

Die Flugzeugbau-Branche ist geprägt von zwei Giganten: Boeing und Airbus.

Die zwei Unternehmen erwirtschaften mit einem Jahresumsatz von rund 150 Mrd. € mehr als die restlichen Flugzeugbauer in den Top 10. Seit Jahrzehnten tragen Boeing und Airbus Preisschlachten aus, um internationale Marktanteile zu erringen. Doch eines haben die Erzrivalen gemeinsam: Beide profitieren von dem weltweiten Ausbau der Flugverkehrsinfrastruktur.

Denn seit Jahren steigt die Anzahl von Fluggästen weltweit an. Das Wohlstandsniveau nimmt bei gleichzeitig billiger werdenden Flugpreisen zu. Hoben vor sechs Jahren weltweit noch 34,4 Mio. Zivilflugzeuge ab, waren es 2017 bereits weit über 40 Mio. Laut UN-Angaben transportierten Fluggesellschaften 2017 weltweit 4,1 Mrd. Passagiere. Bis 2035 soll sich das jährliche Flugpassagieraufkommen auf 7,7 Mrd. beinahe verdoppeln. Die hohe Nachfrage zeichnet sich bereits ab.

Beide Unternehmen blicken auf eines der besten Jahre in der Unternehmensgeschichte zurück.

Airbus profitiert vom Handelskrieg

Boeing hatte die Nase in puncto Umsatz- und Margenentwicklung vorne. Doch die Außenhandelspolitik des amtierenden US-Präsidenten Trump könnte das jetzt ändern. Die Kündigung von Handelsabkommen, die Provokation eines Handelskrieges mit China und der Ausstieg aus dem Iran-Abkommen legen Boeing Steine in den Weg. China ist einer der wichtigsten Wachstumsmärkte für den Konzern.

Diese beiden Fluggesellschaften stellen alle anderen in den SchattenSouthwest Airlines landete im Ranking des renommierten Fortune Magazins auf Platz 8 der weltweit am meisten bewunderten Unternehmen. Von Premier Traveler wurde man zum 3. Mal in Folge zum besten… › mehr lesen

Mehr als die Hälfte der kommerziellen Flugzeuge in dem Land wurden von Boeing produziert. Im vergangenen Jahr ging über ein Viertel der weltweiten Auslieferungen nach China. Auch in einem ganz neuen Markt machte Trump dem Konzern einen Strich durch die Rechnung. US-Unternehmen müssen aufgrund des Ausstieges aus dem Atom-Abkommen mit dem Iran alle Geschäftsbeziehungen einstellen.

Für Boeing bedeutet das verloren gegangene Aufträge im Wert von rund 20 Mrd. $ (17,2 Mrd. €). Gleichzeitig profitiert Airbus als europäisches Unternehmen von den Spannungen. Denn die Nachfrage nach Passagierflugzeugen muss gestillt werden. Wenn nicht von Boeing, dann kommt aller Wahrscheinlichkeit nach Airbus zum Zug.

Auch deutsche Unternehmen betroffen

Unangenehm können die Streitigkeiten auch für den Flugzeugbau-Zulieferer MTU werden. Mit 3,7 Mrd. € erzielt das Unternehmen mit Sitz in München den Löwenanteil seiner Umsätze in den USA. Importzölle auf europäische Produkte können damit auch auf MTUs Bilanz schlagen und Konkurrent United Technologies Wettbewerbsvorteile einbringen. Das Management gibt sich dennoch zuversichtlich und bestätigte die Jahresziele, nach der Veröffentlichung der hervorragenden Zahlen für das 1. Quartal.

Lockheed Martin floriert in unsicheren Zeiten

Lockheed Martin ist primärer Profiteur der aktuellen Entwicklung. Der Technologiekonzern ist der führende Anbieter von Waffen- und Verteidigungssystemen in der Luft. Die US-Regierung ist der größte Kunde des Unternehmens und macht mehr als 90% der Umsätze aus. Damit hat Lockheed zwar eine abhängige, aber auch eine sehr zuverlässige Kundenstruktur. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Rekordumsatz und -cashflow und schüttete die größte Dividende der Unternehmensgeschichte aus. Angesichts jüngster Anspannungen und einem guten Auftaktquartal erhöhte Lockheed die Prognose für das laufende Jahr.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.