Weltweites Übernahme-Volumen im ersten Quartal 26% höher

Das Übernahme-Volumen in Europa geht im ersten QUartal durch die Decke. Nach dem starken Jahresauftakt könnte 2018 das beste Übernahme-Jahr aller Zeiten werden. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Der weltweite Übernahme-Markt könnte 2018 eine neue Bestmarke erzielen. Im ersten Quartal des Jahres stieg Daten des M&A-Instituts „Bureau van Dyck“ zufolge das weltweite Übernahme-Volumen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 26% auf 1,467 Billionen Dollar.

2015 – dem bislang besten Übernahme-Jahr – lag das Volumen mit 1,541 Bio. Dollar gerade einmal 5% höher. Mit den guten konjunkturellen Voraussetzungen im Rücken und einer hohen Bereitschaft der Unternehmensbosse zu Milliarden-Deals könnte im weiteren Jahresverlauf der Rekord geknackt werden.

15% mehr Deal-Volumen: Nordamerika mit starkem Jahresauftakt

Ein Blick auf die Übernahme-Aktivität in den verschiedenen Marktregionen bringt zunächst keine große Überraschung. Über 30% des Deal-Volumens ist auf Nordamerika zurückzuführen, wo das Volumen bei 456 Mrd. Dollar landete. Dies ist zwar ein Rückgang von rund 9% gegenüber dem starken Jahresschlussquartal 2017 aber ein Plus von knapp 15% gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Mit 67 Mrd. Dollar war die Übernahme von Express Scripts durch Cigna der mit Abstand größte Deal im ersten Quartal. Aber auch sonst scheuten sich die Bieter nicht, tief in die Tasche zu greifen. Gleich 10 Deals hatten ein Volumen von über 10 Mrd. Dollar und um in die Top20 der größten Deals zu kommen, mussten schon 4,9 Mrd. Dollar aufgebracht werden.

Ein Blick auf die Sektoren, in denen die Übernahme-Lust besonders groß war, zeigt, dass der Banken- und Versicherungssektor deutlich auf dem Vormarsch ist. Gegenüber dem ersten Quartal 2017 legte das Volumen von rund 17 Mrd. Dollar auf über 80 Mrd. Dollar zu.

Übernahme-Volumen in Europa geht durch die Decke

Während normalerweise immer die USA den größten Beitrag zum weltweiten Übernahme-Volumen beisteuern, war es im ersten Quartal dieses Jahres Westeuropa. Das ist die große Überraschung des Berichts.

Mit 498 Mrd. Dollar lag in Westeuropa das Deal-Volumen auf dem höchsten Stand seit 2007. Großdeals sorgten für den starken Volumenanstieg um 57% gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Allein die Übernahme des niederländischen Chip-Konzerns NXP durch Qualcomm macht mit einem Volumen von 53 Mrd. Dollar über 10% des gesamten Deal-Volumens aus.

Auf Platz zwei und drei finden Sie Mrd.-Transaktionen mit deutscher Beteiligung. Die Übernahme des spanischen Autobahnbetreibers Abertis durch ACS/Hochtief und Atlantia kommt auf ein Volumen von rund 45 Mrd. Dollar, der Wert der Innogy-Übernahme durch Eon wird mit 40 Mrd. Dollar angegeben.

Übernahme-Volumen in der Region Asien/Pazifik auf dem üblichen Niveau der vergangenen 3 Jahre

Während das Übernahme-Geschäft also in Europa und den USA boomt, war das Volumen in Asien/Pazifik leicht rückläufig. Nach 346 Mrd. Dollar Übernahme-Volumen im ersten Quartal 2017, lag es diesmal bei 333 Mrd. Dollar (ca. -4%).

Wie immer, fällt der Löwenanteil der Deals auf China zurück, wo das Übernahme-Volumen leicht auf 173 Mrd. Dollar zulegen konnte. Doch das geringe Interesse an Deals in Indien (-53%) und Japan (-30%) sorgte unter dem Strich dann für das Minus in der Statistik.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.