Weltweites Übernahmevolumen bleibt weiterhin auf hohem Niveau

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Nach Rekordwerten im vergangenen Jahr bleibt das weltweite Übernahmevolumen auch in 2019 auf einem hohen Niveau. Das zeigen die aktuellen Zahlen des M&A-Instituts Bureau van Dijk. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Neueste Zahlen des renommierten M&A-Instituts Bureau van Dijk zeigen, dass im ersten Halbjahr 2019 das weltweite Übernahme-Volumen erneut über 2,5 Billionen US-Dollar lag. Insgesamt wurden im Laufe der ersten sechs Monate dieses Jahres weltweit 51.449 Transaktionen im Wert von 2.569.594 Mio. USD angekündigt.

Im Vergleich zu den Rekordwerten des letzten Jahres ist das Übernahmevolumen im ersten Halbjahr 2019 annähernd stabil geblieben (-1,1%), die Anzahl der angekündigten Transaktionen leicht gesunken (-7,1%). So wurden in der zweiten Jahreshälfte 2018 ein Übernahmevolumen von gut 2,6 Billionen USD verzeichnet. Die Anzahl der angekündigten Übernahmen und Fusionen lag bei stolzen 62.057.

Viele Mega-Deals im 1. Halbjahr 2019

Die Tatsache, dass das Übernahmevolumen annähernd konstant, die Anzahl der Übernahmen aber nachgelassen hat, lässt schon vermuten, dass es sich bei den im ersten Halbjahr angekündigten Übernahme-Deals um Transaktionen mit einem hohen Volumen handelte. So liegen allein die zehn größten Deals jeweils deutlich über 20 Mrd. USD.

Dabei war der erste Deal des Jahres auch der Größte: Für die Übernahme von Celgene legte der Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb im Januar satte 74 Mrd. USD auf den Tisch. Auch die Saudi Arabian Oil Company zahlte stolze 69,1 Mrd. USD für die Übernahme von 70% der Saudi Basic Industries Corporation. Platz 3 des Volumenrankings belegte der US-Pharmakonzern AbbVie Inc, der für das irische Pharmaunternehmen Allergan plc satte 63,5 Mrd. USD berappen mussten.

US-amerikanischer Markt mit den meisten Übernahmen

Das bei den größten Übernahmegeschäften US-Firmen eine wichtige Rolle spielen, ist nichts Ungewöhnliches: So waren unter den Top-Ten-Übernahmen nur zwei Transaktionen, an denen Unternehmen außerhalb der USA beteiligt waren.

Im ersten Halbjahr 2019 lagen die USA mit 15.501 Deals an der Spitze der Länder mit den meisten Übernahmen, gefolgt von China mit 6.907 und Großbritannien mit 3.344 Übernahmen. Die gleichen drei Länder führen auch die globale Volumen-Rangliste mit 1,61 Bio. USD, 288 Mrd. USD und 128,4 Mrd. USD an.

Britische Unternehmen führen EU-Ranking an

Die meisten Übernahmen in Westeuropa konnte Großbritannien in der Halbjahresstatistik für sich verbuchen. Hauptgrund dafür ist der Brexit und die damit verbundenen Schwäche des britischen Pfunds. Das führt dazu, dass britische Unternehmen auf dem internationalen Markt relativ günstig zu haben sind und somit zu begehrten Übernahmezielen werden.

In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres gab es in Großbritannien alleine 3.344 Deals im Wert von 128,35 Mrd. USD. Frankreich lag mit 1.981 Deals im Wert von 80,25 Mrd. USD an zweiter Stelle und Irland, zumindest was das Übernahmevolumen angeht, mit 77.9 Mrd. USD europaweit an dritter Stelle. In Deutschland wurden in der ersten Jahreshälfte 1.928 Deals mit einem Volumen von 75,9 Mrd. USD registriert.

Übernahmevolumen wird weiterhin hoch bleiben

Auch wenn der Brexit – in welcher Form auch immer – durch Boris Johnson Ende Oktober durchgeboxt wird, wird die Schwäche des britischen Pfunds dadurch nicht zwangsläufig beendet werden. Britische Unternehmen werden daher voraussichtlich auch weiterhin ein gefundenes Fressen auf dem Übernahmemarkt bleiben.

Ein weiterer Faktor, der für eine positive Entwicklung im Bereich Mergers & Acquisitions spricht, ist das anhaltend niedrige Zinsniveau: So hat EZB-Präsident Mario Draghi nach der jüngsten Sitzung des EZB-Rates am 25. Juli 2019 verkündet, dass die Zinsen im Euro-Raum bis mindestens Mitte 2020 auf einem niedrigen Niveau bleiben werden. Und wenn es nach US-Präsident Trump geht, werden auch in den USA die Leitzinsen langfristig auf einem niedrigen Niveau bleiben. Ob dabei die eigentlich unabhängige US-Federal Reserve Bank mitspielen wird, muss sich noch zeigen.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.