Wende im Übernahme-Kampf um Oncor: Sempra Energy macht das Rennen

Warren Buffett kommt bei Oncor nicht zum Zug. Das Rennen macht aber nicht Übernahme-Gegner Elliott, sondern Sempra Energy. Hier mehr dazu: (Foto: Krista Kennell / Shutterstock.com)

Weder Warren Buffett noch der Finanz-Investor Elliot Management machen das Rennen um den texanischen Stromnetz-Betreiber Oncor.

Der Energie-Konzern Sempra Energy übernimmt das Unternehmen.

Sempra zahlt für den zum Verkauf gestellten 80% Anteil der bankrotten Muttergesellschaft Energy Future Holdings 18,8 Mrd. Dollar inklusive Schulden.

Das Übernahme-Angebot toppt die von Warren Buffetts Investment-Gesellschaft Berkshire Hathaway Energy vorgelegte Offerte um rund 700 Mio. Dollar.

Und es liegt auch etwa 300 Mio. Dollar über dem kalkulatorischen Oncor-Wert bei einer Restrukturierung durch Elliott Management.

Buffett-Offerte ist größtem Gläubiger nicht hoch genug

Rückblick: Im Juli dieses Jahres unterbreitete Berkshire Hathaway Energy eine 18,1 Mrd. Dollar schwere Übernahme-Offerte für den texanischen Stromnetz-Betreiber Oncor.

Nach 2 fehlgeschlagenen Übernahme-Versuchen standen die Chancen auf einen Deal diesmal besser.

Berkshire sprach vor Angebots-Abgabe mit den Behörden, um sicher zu gehen, dass die Offerte den regulatorischen Ansprüchen gerecht wird.

Doch nur das regulatorische OK reicht für einen Deal nicht aus. Wenn die Gläubiger der Übernahme nicht zustimmen, gibt es auch keinen Deal.

In diesem Fall gehört zu den Gläubigern der Finanz-Investor Elliott Management, ein versierter Übernahme-Aktivist.

Dem war das Angebot von Berkshire Hathaway Energy nicht hoch genug. Elliott kündigte daraufhin einen eigenen Plan an, der aus seiner Sicht der Buffett-Offerte überlegen sei.

Sempra der unbekannte Dritte

In der Vorwoche bat Elliott Management dann das zuständige Insolvenz-Gericht, bei der heutigen Anhörung nicht der Buffett-Offerte grünes Licht zu erteilen.

Dabei sagte der Anwalt des Finanz-Investors, dass es von einer unbekannten dritten Partei ein besseres Angebot erwarte.

Heute ist klar, wer der unbekannte Dritte ist: Sempra Energy.

Die relativ zur Übernahme-Summe finanziell nur leicht höhere Offerte soll Insidern zufolge die Zustimmung von Elliott Management haben.

Der ursprüngliche Plan, das Ruder selbst zu übernehmen, ist damit vom Tisch.

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Elliot Management größter Profiteur der Konkurrenz-Offerte

Das Elliott dem Angebot wohlgesonnen gegenüber steht, liegt daran, dass der Differenz-Betrag zur Buffett-Offerte vor allem dem Finanz-Investor zugutekommt.

Denn der ist größter Gläubiger von nicht besicherten Oncor-Anleihen, die jetzt zu einem höheren Anteil bedient werden.

Schon vor der Sempra-Offerte hieß es, dass Elliott ein um 300 Mio. Dollar höheres Übernahme-Angebot von Buffett zustimmen würde.

Doch Berkshire Hathaway sperrte sich und wird auch jetzt das Sempra-Angebot nicht übertrumpfen.

Warren Buffett ist bekannt für Zahlungs-Disziplin und dass er sich nicht an teuren Bieterkämpfen beteiligt.

So ist es nicht überraschend, dass mit dem Sempra-Angebot der Übernahme-Kampf um Oncor beendet ist.

Dynegy könnte nächster Milliarden-Deal werden

Dynegy könnte der nächste Milliarden-Deal werden – doch viel Hoffnung auf eine Übernahme ist bereits im Kurs eingepreist.

Abseits der Oncor-Übernahme kam es in der US-Energie-Branche in der Vorwoche noch zu einer Übernahme des Energie-Erzeugers Calpine.

Und unter den 5 verbliebenen börsennotierten Unternehmen  rumort es gewaltig.

Die schwache Ertragskraft und hohe Schuldenberge machen sie zu direkten Übernahme-Kandidaten.

Heißester Anwärter auf einen Deal ist dabei Dynegy:

Die Aktie zog nach Bekanntgabe der Calpine-Übernahme um weitere 6,5% an. Seit dem Aufkommen von Übernahme-Gerüchten verteuerte sich die Aktie sogar schon um über 20%.

Es ist gut möglich, dass hier die nächste Übernahme-Ankündigung aus dem Sektor folgt.

Ist die Aktie deswegen ein Kauf? – Aus unserer Sicht nicht, denn das Risiko ist nicht zu unterschätzen.

Beobachter weisen darauf hin, dass es verschiedene Optionen gibt, die Dynegy jetzt zur Verfügung stehen, um stärker zu werden.

Bleibt es „nur“ bei einem Teilverkauf einzelner Geschäftsbereiche, könnte die Enttäuschung darüber, dass es kein Übernahme-Angebot für die Aktionäre gibt, dem Aktienkurs spürbar zusetzen.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.