Weniger Pleiten: Den deutschen Unternehmen geht es gut

Mit Rückenwind von den asiatischen Märkten hat der deutsche Leitindex DAX heute kurzzeitig die Marke von 10.500 Punkten erobert. Doch als dann am späten Nachmittag die weitere Unterstützung von der US-Börse fehlte, lösten sich die hohen Gewinne fast vollständig wieder in Luft auf. Den deutschen Investoren fehlt das Selbstvertrauen, eine eigene Meinung zu vertreten.

Dabei wäre mehr Optimismus angesagt, da es der deutschen Wirtschaft gut geht. Gestern habe ich Ihnen zwar über einige Firmenpleiten (Prokon und Teak Holz International) berichtet. Schuld daran waren jedoch nicht schlechte wirtschaftliche Zeiten, sondern schwache Geschäftsmodelle oder falsche Finanzierungen. Insgesamt geht es den Unternehmen in Deutschland gut, wie die folgenden Zahlen zeigen.

Weniger Insolvenzen dank florierender Wirtschaft

Das Statistische Bundesamt teilte heute mit, dass im 1. Halbjahr 2015 exakt 11.558 Firmen in Deutschland Insolvenz angemeldet haben. Das klingt erst einmal nach einer sehr großen Zahl, relativiert sich aber, wenn Sie an die große Gesamtmenge denken. Hinzu kommt: Die 11.558 Insolvenzen im 1. Halbjahr 2015 bedeuten einen Rückgang um 3,9% gegenüber dem Vorjahr.

Am stärksten betroffen waren Handelsbetriebe, darunter auch Autowerkstätten und Baufirmen. Auch Freiberufler und Anbieter von wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen mussten überdurchschnittlich oft den Gang zum Amtsgericht antreten.

In diesem Zusammenhang gibt es auch eine erfreuliche Nachricht für die Gläubiger: Die voraussichtlichen offenen Forderungen der Gläubiger sanken bis Ende Juni deutlich auf 8,9 Mrd. Euro, nach 14,6 Mrd. Euro im 1. Halbjahr 2014.

Experten rechnen auch für das Gesamtjahr mit einem Rückgang der Firmenpleiten. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform erwartet 23.000 bis maximal 24.000 Insolvenzen, nach rund 24.030 Pleiten im Vorjahr.

Der Hauptgrund dafür, dass in diesem Jahr hierzulande weniger Insolvenzen als noch im Vorjahr erwartet werden, ist, dass die deutsche Wirtschaft derzeit solide wächst. Im 2. Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,4%.

Vor allem die florierende Inlandskonjunktur dürfte dieses Jahr für Schwung sorgen, da die Konsumenten dank der guten Lage am Arbeitsmarkt mehr Geld ausgeben. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen fiel im ersten Halbjahr um gut 8% auf 40.321.

Die Inlandskonjunktur (auch Binnennachfrage genannt) floriert aber nicht nur, weil der deutsche Arbeitsmarkt stabil ist. Auch die niedrigen Rohstoffpreise – vor allem das billige Benzin – sorgen dafür, dass die Menschen mehr Geld im Portemonnaie haben und dieses Geld verkonsumieren.

So haben die Autofahrer in Deutschland im laufenden Jahr etwa 10 bis 15 Mrd. Euro mehr in der Tasche als im Vorjahr. Der Grund: Das billige Tanken. Und dies ist nur ein Beispiel. Aber auch die deutschen Exporte entwickeln sich sehr erfreulich.

Deutschlands Exporte auf Rekordkurs

Deutschlands Exporte sind im Monat Juli auf einen Rekordwert gestiegen. Nach gestern veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes lagen die Ausfuhren mit saisonbereinigt 103,4 Mrd. Euro um 2,4% über dem Niveau des Vormonats. Ökonomen hatten im Schnitt lediglich mit einem Zuwachs von 0,7% gerechnet.

Auch im Jahresvergleich waren die Zahlen hoch. Demnach sind die Exporte im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,2% gewachsen. Unterm Strich ist der im Juli verzeichnete Exportwert der beste jemals auf Monatsbasis erreichte Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1991.

Fazit: Sie müssen sich also um deutsche Unternehmen und damit auch um deutsche Aktien mehrheitlich keine Sorgen machen. Im Gegenteil: Die übertriebenen Ängste in den vergangenen Wochen bieten Ihnen aktuell immer noch sehr schöne Einstiegskurse bei vielen deutschen Aktien.

9. September 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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