Wenn das Management eine Übernahme ablehnt

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Das Management des Übernahme-Kandidaten muss entscheiden, ob ein Angebot fair ist oder nicht. Leider trifft die Unternehmensspitze nicht immer die richtige Entscheidung für die Aktionäre. (Foto: hyebrink / shutterstock.com)

Gestern hat Ihnen der Übernahme-Sensor von der spannenden 104 Mrd. Dollar-Offerte vom Bier-König AB InBev an den Rivalen SAB Miller berichtet.

Obwohl der Preis einen hohen Aufschlag auf den SAB Miller-Aktienkurs vorsah, hat die Mehrzahl des Managements das Angebot als zu niedrig zurückgewiesen.

Es war nicht das 1. Mal in diesem Jahr, dass eine Milliarden-Offerte inklusive Prämie vom Übernahme-Kandidaten abgelehnt wurde.

Aus dem deutschsprachigen Raum sorgten die vom Düngemittel-Spezialisten K+S und vom Agrarchemie-Konzern Syngenta für Schlagzeilen.

K+S-Aktie nach Angebots-Ablehnung stark unter Druck

Häufig geht es dem Management des Übernahme-Kandidaten bei Angebots-Ablehnung um einen vermeintlich zu niedrigen Preis. Zu niedrig war dem Kasseler Düngemittel-Spezialisten K+S die Offerte von 41 € je Aktie.

Das Management bezifferte allein den Wert eines neuen Projekts in Kanada mit 21 € je Aktie – das je nach Abhängigkeit vom Kali-Preis von einigen Analysten allerdings auch für deutlich weniger wertvoll gehalten wurde.

In der Spitze der Kali-Preiskrise wurde sogar durchgerechnet, ab welchen Preis die Investition gar nicht mehr rentabel ist.

Doch die K+S-Manager sind sich trotz widriger Bedingungen am Kali-Markt sicher: Aktionäre sind mittelfristig besser dran, wenn Sie heute auf die 41 € verzichten.

Einige Investoren sehen das jedoch anders: K+S-Aktien kommen unter die Räder und fallen auf 24 €. Das diesjährige Hoch von 40,29 € wird voraussichtlich in nächster Zeit nicht noch einmal erreicht.

Für den SAB Miller-Großaktionär geht es um Milliarden

Die vertane Chance auf einen guten Preis bei K+S befürchten jetzt auch einige SAB Miller-Aktionäre. Das Angebot wird nach der 3. Aufstockung vielfach als fair erachtet, doch SAB Miller sperrt sich.

Wer bei dem Übernahme-Aus von Potash und K+S dabei war, der weiß, dass das dazu führen kann, dass der Aktienkurs unter Druck gerät, wenn AB InBev den Übernahme-Plan fallen lässt.

Das dürfte besonders dem Großaktionär Altria Kopfschmerzen bereiten. Dem gehören 27% des Unternehmens – also ein Übernahme-Erlös von mehr als 27 Mrd. Dollar.

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Wenn der Deal nicht zustande kommt, entgehen Altria also Milliarden.

Höhe der Prämie sagt nicht aus, ob ein Angebot fair ist

Bei Übernahme-Angeboten scheiden sich die Geister; Einige Investoren erachten Angebote als fair, anderen wiederum ist der Preis zu niedrig.

Es ist Aufgabe des Managements, das Maximale für die Aktionäre herauszuholen; einen Preis auszuhandeln, der im besten Sinne der Aktionäre ist.

Als Berechnungs-Grundlage dient dabei nicht der Aktienkurs. Es gibt in schwachen Marktphasen Übernahme-Angebote, die liegen doppelt so hoch wie der Aktienkurs.

Das ist verlockend – doch die bloße Höhe einer Prämie sagt nicht aus, ob das Angebot fair ist oder nicht. Dafür gibt es das Management. Die kennen jede Zahl und können am besten einschätzen, was das Unternehmen wert ist.

Management trifft häufig die richtige Entscheidung – aber leider nicht immer

Als Aktionär muss man annehmen, dass eine Angebots-Ablehnung des Managements die richtige Entscheidung ist. Leider zeigen einige abgelehnte Transaktionen auch, wie fatal daneben Manager liegen können.

In einigen Fällen muss man von Realitätsverlust sprechen. Legendär ist die Katastrophen-Entscheidung der australischen Surfer-Marke Billabong:

Nach dem Wegfall von 2 äußerst attraktiven Offerten ging die Aktie ziemlich zügig stramm gen Süden. Das Unternehmen konnte letztendlich nur mit Ach und Krach vor der Pleite gerettet werden.

Wenn das Management den Wert des Unternehmens zu optimistisch berechnet oder auf einen höheren Preis zockt und ein Deal letztendlich an unterschiedlichen Preisvorstellungen scheitert, dann ist am Ende der Aktionär der Dumme.

Einen Trost gibt es aber: Solche öffentlich geplatzten Deals sind die Ausnahme – und nicht die Regel.

Normalerweise folgt nach anfänglicher Ablehnung eine Nachverhandlung nebst Einigung. Dann ist der Aktionär derjenige, der den maximal möglichen Wert für seine Anteile bekommt.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.