Wenn die Zinsen steigen – Was tun?

In den Nachrichten liest man häufiger Spekulationen zur Zinsentwicklung. Die Sorge: die lange andauernde Niedrigzinsphase, in der wir uns befinden, könnte ein Ende haben. (Foto: karamysh / Shutterstock.com)

Auf das alltägliche Geschäft des Immobilieninvestors hat das Zinsniveau natürlich ausschlaggebenden Einfluss. Seit Jahren schon ist das Geld billig, Sie können zu recht günstigen Konditionen Investitionen tätigen. Viele Investoren fragen sich aber, wie wahrscheinlich es ist, dass das so bleibt. Und wenn der Zinsanstieg käme: Wie sichert man sich gegen Verluste ab?

Großwetterlage stabil

In den Medien ist das Thema derzeit sehr beliebt: Jede zweite Woche wird das Ende der Niedrigzinsphase beschworen. Aber was ist dran? Was sagen Experten? Die European Business School veranstaltet jährlich einen Immobilienkongress, auf dem bestimmte Themen betrachtet werden, die von erheblichem Einfluss auf die Märkte sind. Im letzten Jahr war das beherrschende Thema der Brexit und seine Auswirkungen auf den Kapitalmarkt.

Wie entwickelt sich der gemeinsame Wirtschaftsraum, vor allem in Hinblick auf die Zinsmärkte? Die Experten kamen zu dem Schluss, dass es Zinsanhebungen auf nationaler Ebene nicht geben wird, zumindest nicht langfristig, denn dazu ist der gemeinsame Wirtschaftsraum zu eng gestrickt. Die Experten fragten zu Recht: Warum sollte die Europäische Zentralbank ausgerechnet jetzt die Zinsen nach oben treiben? Wenn die Zinslast steigt würde die laufende Zurückführung der Schuldenlast ausgebremst. Der gemeinsame Wirtschaftsraum würde zu sehr belastet.

Darauf vorbereitet sein

Natürlich können Sie davon ausgehen, dass es mittelfristig zu einem Zinsanstieg kommen wird. Das sollten Sie im Hinterkopf behalten – ebenso, wie Sie als Investor die Zinsmärkte im Auge haben sollten. Lernen Sie, die kurz-, mittel- und langfristige Entwicklung einzuschätzen und zu deuten. Sichern Sie Ihre Finanzierung ab, je nachdem, wo Sie ein Zinsrisiko sehen. Agieren Sie jedoch immer mit Bedacht! Im Kern gilt es, sich für die der Großwetterlage entsprechend am besten geeignete Finanzierung zu entscheiden.

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Zur Auswahl stehen zwei Arten von Finanzierungen: Variable und feste. Welche für Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt für ein bestimmtes Projekt die Richtige ist, entscheiden Sie. Variable Finanzierungsmöglichkeiten sind zum Beispiel Euribor-Darlehen. Sie gibt es mit recht kurzfristigen Laufzeiten von drei, sechs und zwölf Monaten.

Sie haben den Vorteil, dass sie jederzeit kündbar sind. So können Sie schnell reagieren, wenn Sie zum Beispiel ein Anziehen des mittelfristigen Zinsmarktes registrieren, und können durch Zinsfestschreibungen die niedrigen Zinsen für die nächsten Jahre sichern. Oder Sie setzen auf langfristige Kredite mit festgeschriebenen Zinsen. Diese Variante ist weitaus kalkulierbarer. Die Gefahr: Was, wenn der Kredit in einer Hochzinsphase ausläuft, eine Refinanzierung aber notwendig ist?

Hier kann ich nur raten: Halten Sie den Markt im Auge. Kein Kredit läuft plötzlich aus. Behalten Sie Ihre Kreditlaufzeiten im Auge. Sollten Sie eine Hochzinsphase fürchten, entschließen Sie sich zur Festschreibung, oder schließen Sie ein Forward-Darlehen ab. Damit sichern Sie sich den aktuellen Zinssatz, auch wenn das Darlehen erst in zwei Jahren zu laufen beginnt.


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Von: Thomas Knedel. Über den Autor

Immobilieninvestor, -manager, Buchautor sowie Initiator und Betreiber des Netzwerkes Immopreneur.de sagt über sich selbst: Immobilien haben mich schon immer fasziniert.