Wenn zwei sich streiten, freut sich der Goldpreis

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Die jüngste Eskalation im Handelsstreit zwischen China und den USA hat den Goldpreis weiter beflügelt. (Foto: optimarc / Shutterstock.com)

Seit Januar 2018 tragen China und die USA nun schon ihren Handelskonflikt aus. Sah es anfangs noch so aus, als könnten sich beide Seiten irgendwann einigen, so hat diese Wahrscheinlichkeit in den vergangenen Monaten massiv abgenommen.

Es scheint fast so, also spiele Donald Trump dieser Handelsstreit geradezu in die eigenen Karten. Ich diskutiere das heute für Sie.

Einer der großen Profiteure des eskalierenden Handelskonflikts ist der Goldpreis: Er legte in den letzten Tagen wieder deutlich auf ein neues 6-Jahreshoch zu.

Wir schauen einmal auf die Charttechnik, um die weiteren Chancen des Edelmetalls einzuschätzen.

Mögliche Trump-Motive

Sind die ständigen Eskalationen im Handelsstreit mit China am Ende eiskalte Berechnung des US-Präsidenten? Wenn wir einmal hinter die Kulissen schauen, dann drängt sich dieser Eindruck auf.

Donald Trump wird nicht müde, die US-Notenbank für ihre starre Haltung in der Geldpolitik zu kritisieren: Die jüngste Leitzinssenkung sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch nach Ansicht des US-Präsidenten viel zu gering ausgefallen.

Niedrigere Zinsen kurbeln schließlich nicht nur die Konjunktur an: Sie sorgen auch für einen sinkenden US-Dollar, da Zinsanlagen für ausländische Investoren zunehmend unattraktiver werden. Eine schwache Heimatwährung wiederum verschafft den USA Preisvorteile im Export.

Apropos Zinsanlagen: China hält US-Staatsanleihen in einem geschätzten Volumen von 2 Billionen USD im Portfolio. Für das Reich der Mitte wäre Verkäufe dieses Assets ein probates Mittel, um im Handelsstreit noch weitere Karten auszuspielen.

Würde sich China von diesem gigantischen Paket trennen, dann müsste die FED (Federal Reserve Bank) wohl oder übel ihr vor Jahren gestopptes Anleiherückkaufprogramm reaktivieren:

Denn massive Verkäufe dieser festverzinslichen Wertpapiere würden für sinkende US-Anleihekurse und damit zugleich für steigende Renditen sorgen. Dann wäre die amerikanische Notenbank geradezu gezwungen, einzugreifen, zumal der Staat USA kaum in der Lage wäre, diese Anleihen zurückzukaufen.

Entsprechend würden die Märkte wieder mit Liquidität überschüttet, was der Wall Street zugutekäme. Und Trump bekäme eine weiter unter Volldampf laufende US-Wirtschaft.

Zusammen mit dem aufrecht erhaltenen „Feindbild China“ wären das 2 Pfunde, mit denen sich im 2020 anstehenden Präsidentschafts-Wahlkampf prima wuchern lässt.

Wir dürfen daher wohl davon ausgehen, dass sich China und die USA so schnell nicht einigen werden.

Wenn zwei sich streiten …

… dann freut sich meist ein Dritter. In diesem Falle ist es der Goldpreis, der ja unter Anlegern auch gerne als „sicherer Hafen“ in unsicheren Zeiten angesehen wird.

Schauen wir einmal gemeinsam auf einen Monats-Charts: Hier fasst jeder Balken die Kursentwicklung eines Monats zusammen.

Goldpreis im Aufwind: 1.700 USD sind keine Utopie mehr

Der Abwärtstrend seit September 2011 wurde im Januar und Februar dieses Jahres endgültig geknackt. Mit dem Sprung über die Marke von 1.366 USD generierte der Goldpreis ein blitzsauberes langfristiges Kaufsignal (gelber Kreis).

Das über die vergangenen 3 ½ Jahre ausgebildete ansteigende Dreieck (blaue und pinkfarbene Linie) ist als langfristiges Trendumkehr-Signal zu werten. Und die durch den Ausgangspunkt des Dreiecks verlängerte Parallele zum Aufwärtstrend lässt einen Trend-Kanal entstehen:

Dieser zeigt Ihnen wiederum, welches Gewinnpotenzial sich im Goldpreis für die kommenden Monate noch verbirgt. Doch auch das muss längst nicht alles sein:

Schließlich erleben wir in der Charttechnik immer wieder Trend-Beschleunigungen.

Fazit

Ich habe lange darüber nachgesonnen, welche Motive Donald Trump im Handelsstreit antreiben könnten. Das von mir gezeichnete Bild mag sich als ein durchaus realistisches Szenario erweisen.

Machthunger ist ein immer wieder zu beobachtendes Motiv, gerade auch in der Politik. Ich bin ein großer Verfechter der Demokratie, doch sie hat meines Erachtens einen Makel:

Sie führt mit ihren turnusmäßigen Neuwahlen (leider) häufig dazu, dass regierende Politiker mehr die Verlängerung ihrer Amtszeit im Auge haben, als das Wohl des eigenen Staates.

Für die Finanzmärkte bedeutet ein aufrechterhaltener Handelsstreit andauernde Unsicherheit. Und das spielt dem Goldpreis in die Karten.

Die Charttechnik jedenfalls lässt das Edelmetall für die nächsten Jahre wieder in eine wahrhaft goldene Zukunft blicken.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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