Wenn zwei sich streiten muss es keinen Gewinner geben

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Ob Zeal Network mit Lotto24 fusionieren kann, ist eine Wette mit unklarem Ausgang. Ein Engagement in der Aktie bietet sich nicht an. (Foto: Phongphan / Shutterstock.com)

Bis vor wenigen Jahren erfreuten sich Briefwechsel außerordentlicher Beliebtheit. Noch heute etwa sind die knapp 1.000 Briefe, die sich Schiller und Goethe Ende des 18. Jahrhunderts gegenseitig zugeschickt haben, ausgesprochen lesenswert.

Was bis vor einigen Jahren die Normalform der Meinungs- und Informationsvermittlung war, gilt heute als ausgestorben. Heute schickt man sich E-Mails oder twittert Kurznachrichten. Sollte man meinen, doch einige Unternehmen greifen bewusst auf die Briefform zurück, etwa wenn sie ein besonderes Zeichen setzen wollen. So derzeit die beiden Konkurrenten Zeal Network und Lottoland, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: Die Übernahme von Lotto24.

Ende der Zweitlotterie

Angefangen hat alles im November, als der in London ansässige Glücksspielanbieter Zeal Network angekündigt hat, sich mit der ebenfalls börsennotierten Lotto24 wiedervereinigen zu wollen. Zeal Network ist Betreiber einer sogenannten „Zweitlotterie“. Da eine Lotterie als Glücksspiel hierzulande nur mit Erlaubnis der zuständigen Behörden veranstaltet oder vermittelt werden darf, hat Zeal Network in den 1990er-Jahren den Firmensitz nach England verlagert und vermittelt von dort Wetten auf die Ergebnisse erlaubter Lotterien, z. B. auf die nächste Ziehung der Lottozahlen 6 aus 49.

Im Gewinnfall verspricht Zeal Network dem Kunden die Auszahlung eines Betrages, der der Quote der betreffenden Lotterie entspricht. Dadurch entsteht kein Vertragsverhältnis und damit auch kein Gewinnanspruch gegen den eigentlichen Veranstalter der bewetteten Lotterie, sondern lediglich ein Anspruch gegen den Anbieter der Wette. Damit wiederum handelt sich nicht um eine Lotterie, die Zeal Network anbietet, sondern um eine Wette mit über das Ergebnis einer Lotterieziehung.

Sich auf derartige juristische Spitzfindigkeiten zu beziehen, war den Vorständen von Zeal Network auf Dauer jedoch zu unsicher. Daher die Idee, sich durch die Übernahme von Lotto24 wieder auf rechtlich gesichertes Terrain zu begeben. Durch die Übernahme will Zeal Network zukünftig nur noch das von Tipp24 angebotene Geschäft betreiben: Das des führenden deutschen Anbieters staatlicher Lotterien im Internet.

Attraktiveres Angebot?

Doch Zeal Network scheint die Rechnung ohne den Wirt gemacht zu haben. Dieser tritt in Gestalt des in Gibraltar ansässigen Glücksspielanbieters Lottoland auf, der medienwirksam die Übernahmepläne von Zeal Network durch ein eigenes Übernahmeangebot torpediert. In einem am Freitag veröffentlichten Brief an das Zeal-Management ist Lottoland-Chef Nigel Birrell überzeugt, dass seine Preisvorstellungen von 60 bis 76 Mio. Euro für die Zeal-Aktionäre attraktiver sei als das Angebot zur Wiedervereinigung mit der 2012 abgespaltenen Lotto24.

Dass dieses Angebot bei den Vorständen von Zeal Network auf wenig Gegenliebe stößt, ist durchaus nachvollziehbar. Würde doch Zeal Network durch den Verkauf des Tipp24-Geschäfts seine wertvollsten Aktivitäten – nämlich den Kundenstamm in Deutschland und die Grundlage für künftiges Wachstum in der Lotterievermittlung in Deutschland – verlieren. Das Angebot von Lottoland sei, so Zeal-Vorstandschef Helmut Becker in einer Mitteilung, ein „durchsichtiger Versuch, unser deutsches Kerngeschäft billig zu erwerben“.

Meinungsumschwung des Firmengründers

Eine besondere Rolle in dem Kräftemessen scheint dabei Marc Peters zu spielen, einer der Firmengründer von Zeal Network: Dieser äußerte sich vor einigen Wochen besorgt, dass der Deal „Wert zerstören könnte“. Zugleich äußerte er Zweifel, dass die Perspektiven von Zeal als eigenständiges Unternehmen so düster sind, wie das Management sagt.

Inzwischen jedoch findet das Fusionsangebot doch seine Unterstützung. Anfang der Woche hat Peters, der mit mehr als 3% an Zeal Network beteiligt ist, in einem Brief seine Absicht erklärt, in der am Freitag anstehenden außerordentlichen Hauptversammlung für die vorgeschlagene Transaktion zu stimmen. Nach einer detaillierten Prüfung der vorgeschlagenen Transaktion sowie der jüngsten Änderungen im regulatorischen Umfeld sei er zu dem Schluss gelangt, dass sowohl der Umbau des Geschäftsmodells als auch die vorgeschlagene Transaktion mit Lotto24 der richtige Weg für Zeal Network sei.

Am Freitag kommt es zum Showdown

Derweil hat Lottoland seine Zeal-Anteile einer Mitteilung zufolge auf 5,5% erhöht. In einem vom 14. Januar datierenden offenen Brief an die Zeal-Aktionäre warnt Lottoland vor ungenauen und irreführenden Feststellungen des Zeal-Vorstands hinsichtlich der Bewertung der eigenen Offerte. Das Fusionsangebot von Zeal Network würde gar keine Prämie für die Aktionäre enthalten, das Lottoland-Angebot hingegen die Sicherheit eines Cash-Deals bieten.

Am Freitag werden sich die Aktionäre entscheiden. Wer gewinnt, ist aktuell völlig unklar. Daher sollten Sie sich das Übernahmespektakel von der Seitenlinie aus ansehen. Eine Positionierung in einer der beteiligten Aktien bietet sich jedenfalls nicht an.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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