Wenn’s mal schnell gehen muss…

Fertigprodukte können den Küchenalltag erleichtern. Doch Sie sollten aufpassen, dass die Raffinesse nicht zu kurz kommt. Das gilt auch für Anleger… (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Fertiggerichte sind bei vielen Menschen verpönt. Doch wenn man sich dann einmal den Vorratsschrank oder den Kühlschrank näher ansieht, finden sich dort allerlei Helferlein: Brühwürfel, Salatdressing in kleinen Tüten und Soßen in Pulverform. Viele Hersteller dieser Produkte haben die Zeichen der Zeit erkannt und setzen immer stärker auch auf gesunde Inhaltstoffe.

Zwar kann ein Pulver aus der Dose niemals einen selbst gekochten Fond ersetzen, doch sind Fertigprodukte schon lange nicht mehr so ungesund, wie noch vor Jahren. Das Schweizer Unternehmen Hügli hat sich im Bereich der Nahrungsmittel einen guten Namen gemacht. Wie es um das Unternehmen steht und welche Chancen Anleger daraus ableiten können, lesen Sie in unserer Analyse.

Schlechte Ergebnisse machen kaum Hoffnung

Hügli ist ein Anbieter von Suppen, Soßen, Fertiggerichten und Desserts. Das Unternehmen ist in 5 Sparten tätig: Food Service (Verkauf an Hotels, Restaurants, Kantinen und Krankenhäuser), Private Label (Verkauf an Einzelhändler unter deren Marke), Food Industry (Verkauf von Fertig- und Halbfertigprodukten an die Lebensmittelindustrie), Consumer Brands (Markenprodukte für Verbraucher) und Brand Solutions (Verkauf an Markenhersteller).

Bei Hügli hat sich der Abwärtstrend im 1. Halbjahr fortgesetzt. Der Umsatz schrumpfte um 5,4% und der Gewinn um 12,1%. Verantwortlich waren die schwierigen Bedingungen im europäischen Lebensmittelmarkt, aber auch negative Wechselkurseffekte. Preiserhöhungen, ein besseres Finanzergebnis sowie eine geringere Steuerquote verhinderten Schlimmeres.

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Die operative Marge vor Abschreibungen (EBITDA) lag mit 11,3% unterhalb des strategischen Zielkorridors von 11,5 bis 13%, aber über dem im Gesamtjahr 2016 erzielten Wert von 11,1%. Alle Produktgruppen haben schlechter abgeschnitten.

Was haben Dosensuppen und die Aktie von Hügli gemein?

Leicht gewachsen ist Hügli nur in Osteuropa. Dank der gestiegenen Produktionsauslastung in Tschechien hat sich auch die EBITDA-Marge deutlich auf 13,5% verbessert. Die größte Enttäuschung war das wichtige Deutschland-Geschäft. Der Umsatz ging um 7% zurück, und die EBITDA-Marge verschlechterte sich von 9,7 auf 8,7%.

Das Management geht jedoch davon aus, dass die Talsohle erreicht ist und dass in der zweiten Jahreshälfte wieder profitables Wachstum möglich sein wird. Die Zuversicht gründete sich auf die gute Auftragslage, die Erweiterung des Angebots um innovative Produkte sowie auf Kostensenkungen durch Prozessoptimierungen. Dennoch hat Hügli seine Jahresprognose angepasst. Umsatz und EBITDA werden nur noch auf Vorjahresniveau erwartet.

Im April hatte der Konzern noch ein moderates Umsatzwachstum und eine höhere Marge in Aussicht gestellt. Die Halbjahresergebnisse haben die Markterwartungen verfehlt. Kurstreiber sind nicht in Sicht. Die Aktie schmeckt uns wie eine Champignoncremesuppe aus der Dose – kann man machen, muss man nicht!


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.