Wer macht die Löcher in den Schweizer SMI?

Schweiz Alpen Fahne – Kavalenkava ado

Kurslücken im Chart sollten Sie nicht abschrecken, sondern vielmehr Ihre erhöhte Aufmerk-samkeit in Anspruch nehmen! (Foto: Kavalenkava / Adobe Stock)

Vor 4 Jahren gab eine Studie an, das Geheimnis gelöst zu haben, wie „die Löcher in den Schweizer Käse kommen“: Winzige Heupartikel in der Milch sollen danach die Verursacher sein.

Ob das nun so richtig ist oder nicht, lassen wir einmal dahin gestellt: Kein Rätsel sind jedenfalls die Löcher, die uns in den Kursverläufen von Aktien oder Indizes begegnen.

Ein solches Loch, sogar ein ziemlich großes, riss beispielsweise der Schweizer Aktien-Index SMI (Swiss Market Index) am 5. Februar des letzten Jahres.

Damals war das „Käse“, wie der Volksmund sagt. Warum erfahren Sie gleich.

Und Sie ich liefere Ihnen außerdem die Erklärung dafür, warum es gut ist, dass dieses Loch im Index im abgelaufenen Februar gefüllt wurde.

Warum das Kurslücken-Muster so vielversprechend ist

Wenn wir von Löchern im Kursverlauf sprechen, sind damit Lücken gemeint, die die Balken oder Kerzen hin und wieder in einem Chart hinterlassen. Ich bezeichne sie als Auf- bzw. Abwärts-Kurslücken.

Eine Abwärts-Kurslücke wird immer dann ausgebildet, wenn ein Markt komplett ein gutes Stück unter dem Tief des Vortages handelt. Dies geschieht stets dann, wenn plötzlich ein zu großer Angebotsüberhang entsteht.

Bei der Aufwärts-Kurslücke funktioniert das genauso, nur eben andersherum: Der Markt handelt komplett über dem Hoch des Vortages, weil quasi über Nacht die Nachfrage im Vergleich zum Angebot massiv anschwillt.

Dann ist schon das meiste gelaufen? Falsch!

Vielleicht geht es Ihnen ja auch so? Mich haben insbesondere diese Kurslücken stets von einem Einstieg abgehalten: Regelmäßig wähnte ich schon einen Großteil der Kursbewegung als „gelaufen“.

Vor vielen Jahren erkannte ich dann den hohen Wert dieses Kursmusters: Es stellt nämlich nicht nur den Beginn eines Trendwechsels in der Angebots-Nachfrage-Relation dar:

Je größer die Kurslücke ist, die im Chart hinterlassen wird, umso höher ist in der Folge auch in aller Regel das daraus resultierende Kurspotenzial.

Offene und geschlossene Löcher

Schauen wir uns das jetzt einmal im SMI gemeinsam an:

Swiss Market Index (SMI): Abwärts-Kurslücke geschlossen

Am 5. Februar 2018 brach der Schweizer Leitindex um bis zu -2,7% ein. Dabei riss er eine Abwärts-Kurslücke von -2,0% (blau): Für den SMI bis dahin ein ungewöhnlich großer Abschlag.

Tatsächlich riss der Index am Tag darauf noch eine weitere, kleinere Abwärts-Kurslücke (rot). Eine Bestätigung dafür, dass sich hier weiteres Unheil ankündigte.

Wie Sie unschwer erkennen, verlor der SMI vom 5. Februar bis zum 27. Juni 2018 noch weitere -8%. Die dann folgende Aufwärtsbewegung konnte die kleinere Abwärts-Kurslücke schließen – nicht jedoch die größere.

Das gleiche Phänomen – 2 Abwärts-Kurslücken kurz hintereinander – finden Sie nochmals im Oktober sowie im November 2018. Insgesamt folgte auf die „Ausgangs“-Abwärts-Kurslücke ein Indexverlust von knapp -11%.

Eine schöne Bestätigung für die hohe Prognose-Kraft dieses Kursmusters!

Das 50-Tage-Momentum signalisiert Ihnen aber auch etwas: Der Indikator für die Kursdynamik ist zuletzt recht weit vorgeprescht. Das spricht dafür, dass sich der SMI jetzt erst noch einmal setzen wird.

Fazit

Ein gegenläufiges Signal zur Kurslücke erhalten Sie immer dann, wenn diese wieder „geschlossen“ wird: Die Notierung durchquert dabei komplett das zuvor entstandene Loch im Chart.

Und damit haben Sie auch schon die Antwort auf meine eingangs gemachte Andeutung, warum es gut sei, dass das Loch im SMI inzwischen wieder gestopft sei:

Die Entwicklung im Februar zeigt Ihnen schlichtweg, dass die Bullen am Schweizer Aktienmarkt nun die Führung übernommen haben.

Doch es gibt noch einen weiteren Grund, warum die geschlossene Abwärts-Kurslücke ein wichtiges Signal sein könnte. Das wird deutlich, wenn wir auf den abschließenden Monats-Chart des SMI schauen:

Swiss Market Index (SMI): Auf dem Sprung in neue Kursdimensionen

Der Schweizer Leitindex ist nur noch gut 200 Punkte von einer neuen historischen Bestmarke entfernt (gestrichelte Horizontale)!

Es könnte also ein Sprung in eine völlig neue Kursdimension bevorstehen. Der Relative Stärke Index zeigt Ihnen allerdings aktuell auch, dass der Index NOCH kein langfristiges Kaufsignal generiert hat.

Übrigens: Das nur marginal höhere Allzeithoch im Januar 2018 war ebenfalls ein Warnsignal, dass im SMI etwas nicht stimmte.

Der Schweizer Käse, pardon: Schweizer SMI, war also schon vor der Abwärts-Kurslücke im Februar 2018 auf dem besten Wege, löchrig zu werden!

Wall Street – shutterstock_490246324 Kamira

Wall Street: Was zeigt Ihnen jetzt die Charttechnik?Für mich ist es immer wieder faszinierend, wie die Charttechnik Markt-Entwicklungen schon frühzeitig ankündigt. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Andreas Sommer. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz