Wer sein Geld in 50%-Wetten anlegt, wird langfristig alles verlieren

Völlig überbewertet oder völlig unterbewertet? Bei Dialog Semiconductor scheiden sich die Geister. (Foto: Denys Prykhodov / Shutterstock.com)

Selten waren die Meinungen zu einer Aktie so gespalten wie bei Dialog Semiconductor: Während die einen die Aktie langfristig als Pennystock sehen, empfehlen die anderen die Aktien des Mobilfunkzulieferers auf dem gegenwärtigen Kursniveau von knapp 19 Euro von zum klaren Kauf.

Dabei waren sich die Experten bis vor kurzem noch einig: Die im Technologieindex TecDax gelisteten Aktien von Dialog Semiconductor waren der Liebling der Börse. Zwischen 2009 und 2015 ist der Aktienkurs von 0,66 Euro auf über 50 Euro explodiert.

Auslöser für diesen Boom war, dass sich das Unternehmen aus dem schwäbischen Kirchheim unter Teck als bedeutender Zulieferer bei einem der „führenden Handyhersteller der Welt“ (der Name Apple darf aus juristischen Gründen nicht genannt werden) positionieren konnte. Damit profitierte Dialog Semiconductor unmittelbar vom Erfolg des iPhone und des iPad.

Dass 2017 ein glänzendes Jahr war, …

Auch das vergangene Jahr verlief ausgesprochen gut: Die Umsätze konnten um mehr als 13 % gesteigert werden und reichten damit wieder fast das Rekordniveau des Jahres 2015 heran. Der operative Gewinn und selbst die auf den Umsatz bezogenen Profitabilitätskennzahlen konnten im Jahresvergleich ebenfalls deutlich gesteigert werden.

Gleichzeitig hat der Vorstand einen optimistischen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr gegeben und rechnet mit einer weiteren deutlichen Umsatz- und Ergebnisverbesserung. Dennoch kam die Aktie unter massiven Druck und notiert aktuell um 63 % unter dem Vorjahreswert.

… interessiert derzeit keinen

Wenig von dem, was sich Dialog Semiconductor für dieses Jahr vorgenommen hat, findet an der Börse noch Gehör. Inzwischen geht es nur noch darum, wie stark das Unternehmen von den Gerüchten über den Hauptkunden Apple betroffen sein wird, die für die Produktpalette erforderlichen Strommanagement-Chips zukünftig zumindest teilweise durch Eigenprodukte zu ersetzen. Analysten zufolge würde es dies dem US-Konzern ermöglichen, Soft- und Hardware besser aufeinander abzustimmen und vorne mit dabei zu sein, wenn es etwa um die Integration Künstlicher Intelligenz im Smartphone geht.

Sollten die Gerüchte zutreffen, wären drei Viertel der Erlöse in Gefahr. Folge wäre ein massiver Gewinneinbruch.

Kaufen Sie keine Aktien aufgrund eines Wenn-Dann-Szenarios

Sollten Anleger auf dem gedrückten Niveau verkaufen oder lohnt sich der Einstieg bei Dialog Semiconductor? Diese Frage richtig zu beantworten heißt eine Antwort auf eine Wenn-Dann-Frage zu finden: Wenn Apple seine Chips weiterhin bei Dialog bezieht, werden Umsätze und Gewinne weiterhin nachhaltig ansteigen, woraus sich ein erhebliches Kurssteigerungspotenzial ableiten lässt. Dies klingt ziemlich plausibel, leider ist auch das genaue Gegenteil möglich, nämlich dass Apple die Chips selbst produziert, weswegen die Dialog-Aktie deutlich überbewertet wäre.

Es teilt sich die Welt der Investoren also in zwei Extreme auf. Die einen setzen ihr Geld auf „Alles-bleibt-so-wie-es-ist“, die anderen auf „Apple-macht-es-zukünftig-selbst“. Beides ist gleich wahrscheinlich, die Erfolgsaussichten für einen Aktienkauf liegen damit bei 50 %. Erfolgreiche Aktionäre wie Warren Buffett würden niemals Aktien mit einer so geringen Erfolgswahrscheinlichkeit kaufen. 50 % ist eine nur unwesentlich höhere Quote, als wie sie Zockern am Roulette-Tisch angeboten wird. Wer sein Geld in 50 %-Wetten anlegt, wird langfristig alles verlieren.

Lassen Sie sich nicht einreden, dass es bereits sicher wäre, wie sich Apple entscheiden wird. Es gibt niemanden, der diese Information hat. Auch wenn eine solche Einschätzung in komplizierte mathematische makroökonomische Modelle verpackt wird, bleibt sie doch eine reine Vermutung. Das Ergebnis ist im schlimmsten Falle bloße Scheinsicherheit, die Sie viel Geld kosten kann. Denn die alte Börsenregel „was billig ist, kann noch viel billiger werden“ ist leider immer wahr.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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