Werbespezialist Ströer kauft T-Online

Der im SDax gelistete Kölner Werbespezialist Ströer kauft der Telekom die Online-Plattform T-Online und den Digitalvermarkter InteractiveMedia ab.

Im Gegenzug wird die Telekom Großaktionär bei Ströer. Der Bonner Telekom-Konzern soll über eine Kapitalerhöhung neue Ströer-Aktien in einem Gegenwert von 300 Mio. Euro erhalten. Dies teilten die Unternehmen heute mit.

Abhängig vom Kurs der Ströer-Aktie liegt die Größenordnung der Beteiligung der Telekom in etwa zwischen 11 und 13%. Die Telekom suchte seit Ende 2014 einen Käufer für die Online-Plattform T-Online. Das Portal kam zuletzt auf einen Umsatz von 100 Mio. Euro und einen Gewinn zwischen 10 und 20 Mio. Euro.

Die Telekom wollte die Plattform deshalb loswerden, weil man der Überzeugung war, dass es keine großen Wachstumschancen innerhalb des Konzerns gebe. Bevor letztlich der Kölner Werbespezialist Ströer zuschlug, galt das Medienunternehmen Axel Springer als aussichtsreichster Kaufkandidat. Der Springer-Konzern sprang jedoch ab.

Weitere Details zu dem Deal zwischen Ströer und der Telekom

Ströer bringt die Übernahme in seinem neuen, erst 2013 gestarteten Digitalgeschäft, einen kräftigen Schritt nach vorn. Mit der Übernahme des drittgrößten Online-Vermarkters in Deutschland, InteractiveMedia, stärkt Ströer seine deutschlandweit führende Position in diesem Segment und kommt künftig auf einen Marktanteil von rund 15%.

InteractiveMedia vermarktet unter anderem Webseiten wie „autoscout24“, „Bunte.de“ oder „Kicker Online“. Mit dem Zukauf von Deutschlands reichweitenstärksten Online-Angebot, T-Online, gewinnt Ströer zusätzlich neue Werbeflächen für seine eigenen Inhalte und kann damit die Rendite verbessern.

Die Übernahme wird sowohl von Ströer als auch von der Telekom positiv bewertet. Stöer-Chef Udo Müller äußerte sich wie folgt: „Die Transaktion markiert den Beginn einer neuen Ära für unser Unternehmen.“ Die Telekom ist überzeugt, dass die beiden Töchter zum zukünftigen Wachstum von Ströer beitragen werden. Auch deshalb habe man sich dazu entschlossen, sich den Kaufpreis in Aktien auszahlen zu lassen.

Abgeschlossen werden soll die Transaktion im 4. Quartal des laufenden Jahres. Da Ströer dadurch mit einem zusätzlichen Schub im wachstumsstarken Digitalgeschäft rechnet, wird das mittelfristige Ziel eines Konzernumsatzes von rund 1 Mrd. Euro und einer operativen Rendite (EBITDA-Marge) von 23 bis 24% auf das Jahr 2016 vorgezogen. Der Gewinn je Aktie soll sich durch die Übernahme bereits im kommenden Jahr um mehr als 5% verbessern.

Ströer-Gründer wollen ihren Einfluss sichern

Um den Einfluss der Gründerfamilien Ströer und Müller zu sichern, sollen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung, die demnächst stattfinden soll, die Umwandlung von Ströer in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) genehmigen.

An der Börse wurde die Übernahme von T-Online und InteractiveMedia durch den Werbespezialisten Ströer bejubelt. Die Stöer-Aktie legte heute in der Spitze um über 12% zu.

Zwar begrüße ich den Deal ebenfalls, doch ist die Ströer-Aktie unter Berücksichtigung der aus der Übernahme resultierenden Gewinnsteigerung mit einem 2016er-Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 32 doch recht ambitioniert bewertet.

Daher sollten Sie die künftigen Entwicklungen genauestens und auch kritisch beobachten, wenn Sie Ströer-Aktionäre sind oder sich für die Aktie interessieren. Denn: Die relativ hohe Bewertung bietet auch großes Rückschlagspotenzial für die Aktie.

13. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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