Werden VW und Co zu Getriebenen der Elektromobilität?

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E-Mobilität gewinnt an Priorität – das zeigen auch die jüngsten Pläne von Volkswagen. Anleger sind begeistert, die VW Aktie legt kräftig zu. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Es kommt Bewegung in die Elektromobilität, das haben gleich mehrere Meldungen der vergangenen Woche deutlich gemacht.

So hat Tesla-Chef Elon Musk überraschend angekündigt, die weltweit vierte sogenannte Giga Factory im brandenburgischen Grünheide errichten zu wollen. Der Standort könnte zur Europazentrale des US-Anbieters werden.

Die Tesla-Offensive ausgerechnet im Autoland Deutschland kommt nicht von ungefähr. Bereits in der Vergangenheit hatte Musk mehrfach von den Qualitäten der hiesigen Ingenieure und Zulieferer geschwärmt.

Die neue Präsenz vor Ort sorgt für zusätzliche Konkurrenz für BMW, Daimler und Volkswagen. Offiziell nehmen es die bisherigen Platzhirsche sportlich, ganz nach dem Motto: Konkurrenz belebt das Geschäft und nur unter Druck entstehen Diamanten. Doch die Lage wird zunehmend enger.

Deutsche Autobauer haben einiges aufzuholen

Allzu lang haben sich die angestammten Autobauer auf ihren früheren Erfolgskonzepten ausgeruht und zumindest in den letzten ein bis zwei Jahrzehnten so manche Entwicklung verschlafen. Nun stehen sie unter erhöhtem Erfolgsdruck: Sie müssen ihre Elektrooffensive ausweiten, stärker in die alternativen Antriebe investieren und damit zum Teil auch ihren USP – ihren Unique Selling Point, also jenes Merkmal, das ihre Produkte von der Konkurrenz abhebt – neu definieren.

Letzteres gilt insbesondere für die Premiumhersteller BMW und Daimler, deren USP bislang vor allem in den Motoren lag. Sie können künftig wohl eher durch Luxusfeatures punkten und sollten sich daher verstärkt auf die Weiterentwicklung von Bereichen des autonomen Fahrens und der zunehmenden Vernetzung fokussieren.

Volkswagen hingegen ist mit seinen zahlreichen Marken so breit aufgestellt, dass es hier eher um Masse statt Klasse gehen dürfte. In Sachen Elektromobilität legen die Wolfsburger nun auch einen Zahn zu. Vor wenigen Tagen präsentierte der Konzern seine Pläne für die kommenden Jahre.

VW beschließt höhere Investitionen in E-Mobilität

Demnach sollen entsprechende Investitionen deutlich höher ausfallen als bislang geplant. In den Jahren 2020 bis 2024 will Volkswagen rund 60 Milliarden Euro für Elektro- und Hybridantriebe sowie Digitalisierung investieren, davon allein 33 Milliarden Euro in die Elektromobilität.

Waren für diese Bereiche im bisherigen Fünfjahresplan rund ein Drittel der Investitionsmittel vorgesehen, steigt der Anteil nun auf mehr als 40 Prozent. Die Priorität steigt also erkennbar.

In den kommenden zehn Jahren sollen 75 reine Elektromodelle auf den Markt gebracht werden. Ebenfalls bis 2029 will VW weltweit 26 Millionen E-Fahrzeuge verkaufen. Beide Werte liegen oberhalb der bisherigen Planungen.

VW Aktie auf 2-Jahres-Hoch

Finanziert werden sollen die zusätzlichen Investitionen einerseits durch Einnahmen aus dem laufenden Geschäft, andererseits durch Sparmaßnahmen. Die Umstellung mehrerer Produktionsstandorte auf die Herstellung von E-Fahrzeugen dürfte mit einem Abbau von Arbeitsplätzen einhergehen, da für die Fertigung von Elektromotoren weniger Arbeitsschritte benötigt werden als für herkömmliche Verbrenner.

An der Börse kamen die Pläne gut an: Zum Wochenausklang bewegte sich die VW Aktie im Plus und notiert mit rund 180 Euro auf dem höchsten Stand seit knapp 2 Jahren.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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