WestLB: Die Landesbanken werden abgewickelt

Heute hat der DAX das Comeback nicht geschafft.

Der deutsche Leitindex konnte die 7.000-Punkte-Marke nicht verteidigen.

Wie schon am Vortag geriet der DAX in den ersten Handelsstunden stark unter Druck.

Das Tagestief lag bei 6.938 Punkten. Am Nachmittag erholte sich der DAX zwar wieder, aber der Endspurt führte nur bis zur Marke von 6.981 Punkten.

Für die Schwäche gab es erneut keine klare Begründung. Einige Analysten erwarten eine Wachstumsschwäche in China, andere verweisen auf schwächere Konjunkturdaten aus Europa und eine dritte Gruppe verweist auf eine Rückkehr der Schuldenkrise (dieses Mal ist Spanien betroffen).

Die unterschiedlichen Meinungen deuten darauf hin, dass es sich um Gewinnmitnahmen handelt. Kurz vor dem Quartalsende sollen die hohen Gewinne im Aktien-Portfolio abgesichert werden.

WestLB präsentiert letzte Jahresbilanz

Im allgemeinen Börsentrubel geht leicht unter, dass in diesen Wochen und Monaten die deutsche Bankenlandschaft neu geordnet wird. Gestern präsentierte ein ehemaliger Branchenriese seine letzte Jahresbilanz. Die WestLB wird zum 30. Juni 2012 abgewickelt.

In der letzten großen Pressekonferenz konnten die Bank-Manager ein kleines Erfolgserlebnis verkünden. Während die WestLB 2010 einen Vorsteuerverlust in Höhe von 133 Mio. Euro hinnehmen musste, gab es im Geschäftsjahr 2011 immerhin einen kleinen Vorsteuergewinn in Höhe von 37 Mio. Euro.

Nicht mehr ganz so nett sehen die Zahlen aus, wenn man den Abschluss nach dem Handelsgesetzbuch (HGB) betrachtet. Dort steht (mal wieder) ein fettes Minus in Höhe von 572 Mio. Euro.

Eine Bank wird zerlegt

In der Finanzkrise musste die WestLB, so wie die meisten Landesbanken, vom Staat finanziell unterstützt werden. Die EU hat die Hilfen unter einer Bedingung genehmigt: Im Anschluss muss die Bank abgewickelt werden.

Die Resteverwertung hat bereits begonnen. Das Sparkassenverbundgeschäft geht an die Landesbank Hessen-Thüringen. Der „Restmüll“ wurde in eine spezielle Bad Bank ausgegliedert. Die Erste Abwicklungsanstalt (EAA) verwertet die Teile, die niemand haben wollte.

Ein kleiner Teil der Bank bleibt operativ aktiv. Unter dem Namen Portigon Financial Services will die Bank spezielle Dienstleistungen anbieten. Portigon will komplexe Finanzportfolios für deutsche und internationale Kunden managen.

Die Mitarbeiter, die den Sprung in die neue Gesellschaft nicht geschafft haben, können mit einer Abfindung und Entlassung rechnen. Da aktuell fast alle Großbanken Mitarbeiter entlassen, sind die Perspektiven nicht gerade rosig.

Die Politiker verlieren ihr Spielzeug

Die Banker, die jetzt entlassen werden, sind die Verlierer. Die von einigen Journalisten und Analysten geäußerte Schadenfreude ist aber nicht angebracht. Die Landesbanken waren nur ein Spielzeug der Landesfürsten in der Politik.

So ist es kein Zufall, dass die Landesbanken, die über Jahrzehnte jeweils von einer großen „Staatspartei“ beherrscht wurden, die meisten Skandale verursachten. Die Landespolitiker in Bayern und NRW haben sich alles andere als mit Ruhm bekleckert.

Für die Landespolitiker und Regierungsparteien waren die theoretisch weisungsunabhängigen Landesbanken ein Machtinstrument. Politiker, die ihre Pflicht erfüllt hatten und nicht mehr gebraucht wurden, bekamen einen gut bezahlen Job in der Landesbank.

Finanzkenntnisse waren nicht unbedingt erforderlich. So eine Bank kann doch jeder leiten und kontrollieren.

Und wenn im Wahlkampf ein großes Unternehmen gerettet werden musste, half die Landesbank mit einem Kredit aus. Einige der spektakulärsten Pleiten wären ohne Landesbank-Hilfe nicht möglich gewesen.

Ins offene Messer gelaufen

Auf EU-Ebene waren die Landesbanken schon lange umstritten. Daher wurden die Banken unter Druck gesetzt, ein neues Geschäftsmodell zu (er)finden.

Da die globale Finanz-Welt nicht unbedingt auf die deutschen Landesbanken gewartet hatte, kam es zu sehr unglücklichen Entwicklungen.

So hielten es viele Landesbanken für eine gute Idee, sich mit Immobilien-Krediten aus den USA vollzusaugen. Die Renditen waren sehr hoch und das Kredit-Rating AAA versprach eine nahezu hundertprozentige Sicherheit.

Wie hoch das Risiko wirklich war, zeigte sich dann in der Immobilien- und Finanzkrise. Die Landesbanken waren mit Höchsttempo in das offene Messer gelaufen.

BayernLB immer für einen Skandal gut

Während die WestLB ihren politischen Höhepunkt unter Ministerpräsident Johannes Rau erlebte, ist die Bayerische Landesbank (BayernLB) noch heute ein Spielzeug der Landesregierung.

Die Serie der Skandale ist beeindruckend. Aktuell läuft ein Verfahren gegen den Ex-Vorstand Gerhard Gribkowsky. Beim Verkauf der Formel-1-Anteile (kein Scherz, die BayernLB war Mitbesitzer der Motorsportserie) soll der Banker die Hand zu weit aufgehalten haben.

Selbstverständlich hat sich die BayernLB kurz vor Ausbruch der Finanzkrise mit Schrottpapieren eingedeckt. Der Freistaat Bayern musste mit 15 Mrd. Euro einspringen.

Und als die Langeweile zu groß wurde, beschloss Bayern, die globale Finanzwelt zu erobern. Da viele Märkte schon besetzt waren, wurde Osteuropa als Ziel ausgesucht. Natürlich wurden auch hier Milliarden-Beträge in den Sand gesetzt. Innerhalb einer Rekordzeit wurden 3,7 Mrd. Euro verloren.

Fazit: 99% der Mitarbeiter der Landesbanken tragen keine Schuld an dieser Krise. Aber die Skandal-Serie lässt keinen anderen Schluss zu: Das Ende der Landesbanken ist kein großer Verlust, sondern ein Gewinn für die deutschen Steuerzahler.

22. März 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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