Westwing-Aktie floppt zum Börsendebüt

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Der nächste Börsengang von Rocket Internet: Die Westwing-Aktie gerät unter die Räder. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Was für ein mieser Börsenstart für Westwing: Zwar lag der erste Kurs am gestrigen Dienstag mit 26,49 Euro noch klar über dem Ausgabepreis von 26 Euro, die Euphorie währte indes nur kurz: Bis zum Börsenschluss verloren die Aktien 3,1% und schlossen den ersten Handelstag mit 25,19 Euro. Zwischenzeitlich waren sogar deutlich niedrigere Kurse zu beobachten. Ein erfolgreicher Börsengang sieht anders aus.

Dabei hatte Westwing zusammen mit den Emissionsbanken die Zeichnungsfrist wegen starker Nachfrage zunächst um zwei Handelstage verkürzt. Dass die insgesamt 5,1 Millionen Stück Aktien dann aber trotz „vielfacher Überzeichnung“ nur am unteren Ende der Bookbuilding-Bandbreite von 26 bis 29 Euro zugeteilt worden waren, wollte nun wiederum gar nicht zur Verkürzung der Zeichnungsfrist und einer angeblichen Überzeichnung passen.

Im Sog der anderen Rocket Internet-Beteiligungen?

Die dadurch ausgelöste Verwirrung könnte für die Emissionsbanken noch teuer werden: Notiert die Aktie (so wie derzeit) unter dem Zuteilungskurs, sind die Emissionsbanken während einer 30-tägigen Frist verpflichtet, die Aktien der sogenannten Mehrzuteilungsoption über die Börse zurückerwerben. Für diese zu Stabilisierungszwecken zurückerworbenen Aktien, auch Greenshoe genannt, erhalten die Emissionsbanken dann aber auch keine Platzierungsprovision.

Doch nicht nur die Banken, auch der Altaktionär Rocket Internet leidet an der schwachen Kursentwicklung. Und das nicht nur, weil er die 660.000 Aktien aus dem Greenshoe zurückbekommt. Sondern auch, weil sich dessen Negativserie leidlich erfolgreicher Börsengänge fortsetzt. Delivery Hero, HelloFresh und home24, allesamt aus dem Stall von Rocket Internet, sind in den vergangenen Handelswochen schwer unter Verkaufsdruck gekommen

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Finanzierung der Internationalisierung

Doch bleiben wir bei Westwing. Bei einem Zuteilungskurs von 26 Euro hat der Home & Living-Onlinehändler eine Marktkapitalisierung von 518 Mio. Euro. Nach Berücksichtigung des Mittelzuflusses aus dem Börsengang in Höhe von netto etwa 111 Mio. Euro dürfte das Münchener E-Commerce-Haus eine Nettofinanzposition (inklusive der Leasingverpflichtungen) von derzeit 37 Mio. Euro aufweisen.

Sollte sich das Umsatzwachstum des ersten Halbjahres in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen, würde Westwing in diesem Jahr Konzernerlöse von etwa 320 Mio. Euro erwirtschaften. Dies entspricht einem EV/Umsatz-Multiplikator von 1,5. Diese Kennzahl ist aber nur dann günstig, wenn es dem Unternehmen gelingt, den im ersten Halbjahr eingeschlagenen Profitabilitätspfad weiter aufrechtzuerhalten. Oder sogar zu beschleunigen.

Hier allerdings könnte Skepsis angebracht sein: Laut Wertpapierprospekt sollen die aus dem Börsengang eingenommenen Gelder in erster Linie für Investitionen in die Technologieplattform, die Kundenerfahrung und das internationale Marktwachstum ausgegeben werden. Mit anderen Worten: Westwing will die aus dem Börsengang eingesammelte Liquidität zur Deckung operativer Verluste verwenden. Dies wiederum lässt befürchten, dass die positiven Halbjahreszahlen ein einmaliger Ausrutscher bleiben.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.