Westwing-Aktie stürzt ab

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Einmal mehr hat die Westwing Group gestern ihre Prognose gesenkt. Die Aktie stürzt auf ein neues Allzeittief ab. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Einmal mehr hat die Westwing Group gestern bei der Vorlage des Halbjahresberichts die Prognose für das Gesamtjahr 2019 gesenkt. Zwar wurde die bereits gesenkte Prognose für das Gesamtjahr mit einem Umsatzwachstum zwischen 6% und 12% und einer bereinigten EBITDA-Marge in einer Bandbreite zwischen von -1% bis +1% bestätigt. Doch rechnet das Management nun damit, eher am unteren Ende dieser Bandbreiten zu landen. Für gewöhnlich wird eine derartige Aussage als Gewinnwarnung bezeichnet.

Vorstand sieht die Talsohle durchschritten

Dass der Vorstand des Online-Möbelhändlers darüber anderer Meinung ist, sollte den unabhängigen Außenstehenden nicht verwundern. Auch nicht, dass er zumindest seinen Optimismus beibehalten hat. So verkündet er in dem ansonsten wenig erbaulichen Halbjahresbericht, dass er nach einem durchwachsenen ersten Halbjahr davon ausgeht, bis Ende 2019 wieder zu profitablem Wachstum zurückzukehren.

Davon aber ist der Onlinehändler weit entfernt. Bei leicht rückläufigen (!) Umsätzen lag der operative Verlust zum Halbjahr bei -8,8 Millionen Euro; im vergleichbaren Vorjahreszeitraum konnte noch ein operativer Gewinn von 2,8 Millionen Euro erwirtschaftet werden. Das ist eine katastrophale Entwicklung, auf die umgehend reagiert werden muss. Zumal auch andere „Key Performance Indicators“ sich im Jahresvergleich nicht verbessert haben. So zum Beispiel die Anzahl der Aufträge: Sie ging von 1,166 Millionen auf 1,083 Millionen zurück. Offensichtlich haben die Menschen besseres zu tun als Möbel über das Internet zu kaufen.

Ein Strauß an Ursachen

Um Erklärungen für die schwache Entwicklung ist das Unternehmen nicht verlegen. So haben anhaltende Herausforderungen in Italien und eine unter den Erwartungen liegende Neukundengewinnung das Umsatzwachstum gebremst. Ertragsseitig hätten Einmalkosten aus einem verzögerten, zwischenzeitlich jedoch abgeschlossenem Lagerumzug das Unternehmen beeinträchtigt.

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Dabei hätte man es auch auf einen einzigen Punkt eindampfen können: Ursächlich für die massive Ergebnisverschlechterung war in erster Linie, dass sich die Anzahl der Mitarbeiter trotz der schwachen Ertragslage deutlich erhöht hat: So waren zum 30. Juni dieses Jahres 1.143 Mitarbeiter (gerechnet auf Vollzeitäquivalente) beschäftigt; ein Jahr zuvor kam das Unternehmen bei gleichem Geschäftsvolumen mit 1.043 Mitarbeitern aus. Hier scheint es mit der internen Planung doch gehörig im Argen zu liegen.

Nach wie vor hohe Cash Burn-Rate

Viel Zeit mit der Repositionierung kann sich das Management nicht mehr lassen. Die Cash Burn-Rate lag im ersten Halbjahr bei mehr als 25 Millionen Euro. Wird diese nicht signifikant verringert, dürfte es bereits im Verlauf des nächsten Jahres schon eng werden mit der Liquidität. Dabei waren die Kassen nach dem Börsengang im vergangenen Jahr, der 122 Millionen Euro einbrachte, noch prall gefüllt.

Doch statt seine Schäfchen im Trockenen zu halten, hat der Vorstand nun ein Aktienrückkaufprogramm angekündigt. Als ob es in der gegenwärtigen Lage nichts Wichtigeres gibt als den Aktienkurs zu stabilisieren. Der ohnehin nur das tut, was von ihm verlangt wird: Nämlich die marode Geschäftsentwicklung widerzuspiegeln. Und das seit dem Börsengang auf idealtypische Weise. Zahlten die Anleger am Tag nach der Notierungsaufnahme für die Aktie noch knapp 27 Euro, war das Papier gestern zeitweise für weniger als 4 Euro zu haben. Defizitäre Onlinehändler mit rückläufigen Umsätzen haben an der Börse nun mal keine Existenzberechtigung.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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