Wettbewerbsbehörden winken TimeWarnerCable-Übernahme durch

Was sich in den vergangenen Monaten angedeutet hatte, ist jetzt Gewissheit: Das US-Justizministerium und die Wettbewerbsbehörde FCC empfehlen eine Genehmigung der Übernahme von Time Warner Cable (TWC) durch Charter Communications (CC).

Knapp 1 Jahr nach Deal-Ankündigung ist der 55 Mrd. Dollar schwere Deal damit so gut wie sicher.  Für Bieter Charter Communications besonders gut: Auch die 10 Mrd. Dollar schwere Übernahme von Bright House soll genehmigt werden.

Charter kommt nach Niederlage im Bieterkampf mit Comcast doch noch zum Zug

TWC ist sozusagen in zweiter Ehe. Der Kabelnetzbetreiber wollte eigentlich mit dem größeren Rivalen Comcast zusammengehen, doch die Ehe wurde von den Wettbewerbsbehörden untersagt.

Lange blieb TWC nach dem Aus aber nicht ohne Werber. Wie so oft hieß es auch bei TWC: Nach dem gescheiterten Deal ist vor dem neuen Deal. In diesem Fall ist es auch keine Überraschung, dass Charter Interesse anmeldete. Denn Charter war schon vorher an TWC interessiert, gab sich aber im Bieterwettstreit mit TWC geschlagen.

Charter hatte allerdings erneut nicht freie Bahn bei dem Übernahme-Plan, sondern musste einen weiteren Bieterwettstreit fürchten. Dank einer großzügigen Offerte wurde ein teurer Kampf gegen den aufstrebenden Kabel-Konzern Altice letztendlich jedoch verhindert.

Übernahme verkleinert Abstand zum Branchenprimus deutlich

Die Deal-Genehmigung war lange Zeit unklar und wird auch nicht ohne strenge Auflagen erteilt. Im Online-Videobereich wird der neue Konzern nicht uneingeschränkt seine Marktmacht ausüben können, eine spezielle Extra-Gebühr für Großkunden wurde verboten.

Experten rechneten damit, dass der Deal unter Auflagen frei gegeben wird und haben Recht behalten. Charter ist die Nummer 4 im Breitband-Markt, TWC Nummer 2. Gemeinsam bleiben die beiden Unternehmen hinter Branchenprimus Comcast.

Im Bereich PayTV übernimmt der deutlich größere Konzern ebenfalls einen Spitzenplatz, bleibt da aber hinter Comcast und AT&T auf Platz 3 zurück.

Lukratives Arbitrage-Geschäft: TWC-Aktie mit 20% Gewinn in 3 Monaten

An der Börse reagierten die Aktien der beiden Konzerne in einem schwächeren Marktumfeld mit Aufschlägen auf die Nachricht. Charter-Aktien verteuern sich um 5%, für die TWC-Papiere geht es um 4% nach oben.

Auf Jahressicht hat die Aktie des Übernahme-Kandidaten gut 35% hinzugewonnen. Einen sehr guten Deal haben auch Arbitrage-Jäger erzielt, also Investoren, die sich in laufende Übernahme-Deals einkaufen.

Ende Januar kostete die TWC-Aktie im Zuge der Marktturbulenzen nur 175 Dollar – obwohl die Wahrscheinlichkeit des Übernahme-Abschlusses sich nicht änderte. Wer die 35% verpasste, konnte sich da 20% in 3 Monaten abholen. (Die Aktie ist Teil meines neuen Börsendienstes „American Targets“).

Lionsgate und Starz? – Was plant John Malone als Nächstes?

Hinter Charter Communications steht der Kabel Milliardär John Malone, der sein Imperium deutlich vergrößert und in die attraktiven Metropolregionen New York und L.A. vordringt. Malone hält einen 25%-Anteil an Charter.

In Deutschland ist John Malone nicht so bekannt, mischt aber über die Liberty Global-Tochter unitymedia auch hierzulande im Kabelmarkt mit.

Malone ist bekannt für aggressive Expansionsstrategien und hatte über Liberty Global erst im Herbst vergangenen Jahres für 8 Mrd. Dollar den in der Karibik aktiven Kabelbetreiber CWC übernommen.

Gleichzeitig ist Malone in den Medienkonzern Lionsgate eingestiegen. Am Medienunternehmen Starz ist Malone ebenfalls maßgeblich beteiligt, woraus Spekulationen entstanden, dass Malone die beiden Unternehmen zusammenführen möchte. Dass Malone nach dem TWC-Deal nicht lange warten wird, bis er den nächsten Deal einfädelt ist äußerst wahrscheinlich.

26. April 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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