Wette nie gegen die US-Politik: Allergan-Übernahme vor dem Aus

Das Worst-Case-Szenario droht aktuell den Allergan-Aktionären. Ein von vielen Investoren als „ziemlich sicher“ eingestufter Deal mit Pharma-Riese Pfizer ist auf einmal „ziemlich unsicher“. Im Moment ist es sogar viel wahrscheinlicher, dass die Übernahme platzt.

Denn gestern hat das US-Finanzministerium neue Vorschriften für Übernahmen bekanntgegeben, um so genannte Inversions-Deals zu unterbinden. Bei Inversions-Deals versucht der Käufer, nach einer Übernahme durch eine Firmensitzverlagerung ins Ausland, Steuern zu sparen.

Diese Art von Deals wurde in den vergangenen 4 Jahren sehr häufig getätigt, war aber die ganze Zeit dem Finanzministerium ein Dorn im Auge. Denn durch die Massenflucht entgingen dem Fiskus etliche Milliarden Dollar an Einnahmen.

Bereits 2014 wurden daher die Regeln verschärft. Einige Milliarden-Übernahmen wurden dadurch auch unrentabel und scheiterten, doch vollständig konnte das Loch nicht gestopft werden. Jetzt wurden weitere Maßnahmen ergriffen – und es steht äußerst schlecht um den größten Pharma-Deal aller Zeiten.

Größte Pharma-Übernahme aller Zeiten dient der Steuer-Vermeidung

Hintergrund: Im Sommer 2015 ging es rund in der Pharma-Branche. Ein Deal jagte den Nächsten. Mit von der Partie waren auch Branchen-Primus Pfizer (Viagra) und Allergan (Botox) an. Die beiden Konzerne kündigten an, dass sie einen Zusammenschluss prüfen.

Im Herbst dann der Durchbruch: Pfizer und Allergan einigten sich auf einen Rekord-Übernahme im Volumen von 160 Mrd. Dollar. Wichtigste Komponente war die Verlagerung des Firmensitzes nach Irland, um die Steuerlast zu drücken.

Neues Maßnahmen-Paket macht Inversions-Deals uninteressant: Pfizer-Allergan-Übernahme auch betroffen

Gemäß der früheren Inversions-Vorschriften war die Übernahme zulässig, gemäß den gestern bekannt gegebenen Vorschriften nicht mehr. Die neuen Vorschriften werden sicher dafür sorgen, dass Sie den Begriff Inversions-Deals schnell vergessen haben. Denn sie setzen genau da an, wo es sich gelohnt hat (earnings stripping).

Konkret in Bezug auf die Allergan-Übernahme durch Pfizer bedeutet die neue Vorschrift aus Sicht des Übernahme-Sensors, dass der Deal tot ist. Für Inversions-Deals musste der Übernahme-Kandidat immer in Relation zum Bieter eine Mindestgröße haben.

Damit wird verhindert, dass ein US-Konzern nicht einfach irgendein unbedeutendes Unternehmen in einem Land mit einer niedrigen Unternehmenssteuer übernimmt und dann den Firmensitz verlagern kann.

Bei Pfizer und Allergan griff die Regel bislang nicht, denn Allergan ist keine Klitsche, sondern über 100 Mrd. Dollar wert. Das Problem ist, dass Allergan in den vergangenen 3 Jahren selbst durch Übernahmen so groß wurde. Dabei wurden Actavis, Warner Chilcott und Forest Laboratories übernommen. Die neue Regel besagt, dass Übernahmen der vergangenen 3 Jahre allerdings nicht mit eingerechnet werden dürfen.

Und fehlen diese Deals, dann hat Allergan nicht mehr die nötige Größe.

Allergan-Aktie stark unter Druck: Kursabsturz nach offiziellem Übernahme-Aus könnte Ihnen sehr attraktive Einstiegschance bieten

Es ist höchst fraglich, ob der Deal stattfindet. Pfizer kann mit Sicherheit noch versuchen, ob der Deal nicht doch irgendwie durchzudrücken ist – immerhin galten ja noch die alten Regeln, als die Übernahme beschlossen wurde.

Die Zeichen stehen jedoch auf Deal-Abbruch. Die neuen Maßnahmen sind sehr genau auf den Allergan-/ Pfizer-Deal zugeschnitten. Der Deal soll offenbar verhindert werden und entsprechend weitere notwendige Schritte wären zu erwarten. Auch der heutige Kursabsturz der Allergan-Aktie zeigt Ihnen, dass der große Teil der Investoren nicht mehr an die Übernahme glaubt.

Der Übernahme-Sensor hat bereits in der Ausgabe vom 24.11.2015 davor gewarnt, gegen die US-Politik zu wetten, um die vermeintlich sichere 20% Kurslücke zwischen Aktienkurs und Übernahme-Angebotspreis auszunutzen. Die Arbitrage-Chance wurde auch in meinem Börsendienst Übernahme-Gewinner: „American Targets“ bewusst liegen gelassen.

Wenn auch Sie sich die Warnung zu Herzen genommen haben, ist Ihnen ein Verlust von über 20% erspart geblieben und wenn das offizielle Deal-Aus bekannt gegeben wird, könnte es sogar noch weiter runter gehen.

Dann aber wird es für Sie höchst interessant auf den Wert der Allergan-Aktie ohne Übernahme-Szenario zu schauen. Bei Allergan ist noch der Verkauf der Generika-Sparte an Teva in der Pipeline. Offenbar werden Investoren ängstlich, dass der Deal ebenfalls kippen könnte, doch diese Sorge ist wahrscheinlich unbegründet.

5. April 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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