Whirlpool: Übernahme von Yummly soll Internet der Dinge in die Küchen bringen

Übernahmen dienen nicht nur dazu unbeliebte Wettbewerber aus dem Weg zu räumen.

Oft werden Zukäufe auch getätigt, um sich Technologien ins Haus zu holen, deren Eigenentwicklung wesentlich mehr Geld oder Zeit verschlingen würde.

In diese Kategorie fällt auch der jüngste Deal von Whirlpool, einem der weltweit größten Hersteller von Haushaltsgeräten:

Gerade hat der US-Konzern die Übernahme von Yummly bekanntgegeben – einer Rezept-Suchmaschine, die Whirlpool fit für die Küche der Zukunft machen soll.

20 Mio. Bestandskunden

Mit dem Zukauf macht Whirlpool einen großen Schritt in Richtung smarte Küche; mit Yummly erhält Whirlpool Zugriff auf eine Website und App.

Diese bieten ihren Nutzern nicht nur eine semantische Rezeptsuche, sondern stellen jenen auch personalisierte Rezept-Vorschläge und eine digitale Rezeptbox zur Verfügung.

Zwar sind keine konkreten Zahlen bekannt, Experten schätzen das Transaktions-Volumen aber immerhin auf knapp 100 Mio. Dollar.

Dafür sichert sich der Küchenbauer eine gut eingeführte Webseite mit einer ausgesprochen starken Kunden-Basis (20 Mio. Nutzer).

Digitale Produkt-Palette wird ausgebaut

Die Übernahme von Yummly ist nur ein kleines Puzzleteil auf dem Weg zum führenden Anbieter von smarten Küchen.

Mit der Rezept-Suchmaschine verfügt Whirlpool jetzt über eine Plattform, über die der Aufbau der eigenen digitalen Produkt-Palette erfolgen soll.

Whirlpool-Kunden können dann konkrete Rezept-Vorschläge für bestimmte Küchengeräte aufrufen, während die Firma die Internetseite und App als Werbeplattform nutzen kann.

Zugleich arbeitet Whirlpool mit Hochdruck an der Entwicklung der schlauen Küche, die mit Sensoren ausgestattet ist.

So könnte beispielsweise automatisch erkannt werden, welche Lebensmittel im Kühlschrank liegen und gleich ein passender Rezept-Vorschlag mitgeliefert werden.

Wachstum durch Übernahmen

Die Yummly Übernahme ist übrigens nicht der 1. Deal des Haushaltsgerätes-Spezialisten; mit dem Zukauf von Indesit für 1 Mrd. Dollar hat sich Whirlpool in Italien verstärkt.

Allerdings belastet die Integration des jahrelang schwächelnden italienischen Haushaltsgeräte-Herstellers den Konzern immer noch.

Das konnten Sie in den jüngsten Quartalszahlen sehen, die vor wenigen Tagen präsentiert wurden:

Obwohl die Umsätze auf 4,78 Mrd. Dollar anstiegen (+4% zum Vorjahres-Quartal), sank das operative Ergebnis um 7,4% auf 264 Mio. Dollar.

Während in Nord- und Lateinamerika Zuwächse verbucht werden konnten, ist das operative Ergebnis in den Regionen EMEA und Asien zurückgegangen.

Das Netto-Ergebnis von Whirlpool hat sich hingegen um 2 % auf 153 Mio. Dollar leicht verbessert.

Analysten sehen moderates Aufwärts-Potenzial

Nach dem durchwachsenen Jahresstart zeigt sich die Firmenführung zuversichtlich:

Nachdem die Integration von Indesit so gut wie abgeschlossen ist, wird eine spürbare Ergebnis-Verbesserung für den weiteren Jahresverlauf erwartet.

Die Analysten rechnen im Gesamtjahr mit einem Gewinn von 15,17 Dollar je Aktie, der im nächsten Jahr auf 17,38 Dollar je Anteilsschein ansteigen soll.

Auf dem aktuellen Kursniveau ergibt sich damit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von unter 10,8.

Das durchschnittliche Kursziel aller Analysten liegt mit 204 Dollar knapp 11% über dem aktuellen Kursniveau.

8. Mai 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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