Wie 2014 und 2015: Der DAX holt wieder Schwung für neues Allzeithoch

„Kursrücksetzer sind die Basis für ein neues Allzeithoch“, kommentiert unser Börsen-Experte Rainer Heißmann hier den aktuellen Markt: (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Dass der DAX auf ein neues Allzeithoch steigt, ist meine Prognose – damit haben Sie das Ergebnis meines heutigen Kommentars gleich zu Beginn.

Die Gründe für meinen Optimismus:

Derzeit erleben Sie im DAX eine kleine Durststrecke. Das haben wir schon etliche Male vergleichbar erlebt, so z. B. im Herbst 2014 und im Jahr 2015.

Herbst 2014: Anlauf holen für Allzeithoch

Seinerzeit ist der DAX auf 8.354 Punkte zurückgefallen.

Als Begründung wurden Ihnen damals diese Faktoren genannt:

  • die Krise in der Ukraine,
  • der Krieg im Irak,
  • die Seuche Ebola,
  • Rezession
  • und der vor der Tür stehende Banken-Stresstest.

Der DAX hatte damals rund 17% vom Hoch verloren.

Zu dem Zeitpunkt habe ich Ihnen ein neues Allzeithoch im DAX angekündigt. Damit stand ich zunächst ziemlich allein auf weiter Flur…

…aber dann folgte die Rally, die den DAX um rund 40% aufwärts und auf sein Allzeithoch von 12.390 Punkten trug.

2015: Anlauf holen für Allzeithoch

Nach seinem damaligen Allzeithoch ist der DAX 30 von 12.390 auf unter 9.000 Punkte gefallen. Das waren mehr als 25% Kursverlust!

Griechenland und die Währungs-Abwertung sowie eine mögliche Schwäche der Konjunktur in China wurden Ihnen als Begründung für die Kursverluste des DAX genannt.

Damals habe ich geschrieben: Diese deutlichen Kursrücksetzer bilden die Voraussetzung für kommende Kursgewinne.

Anfang 2016 startete der deutsche Leitindex durch – und er legte zu bis auf knapp 13.000 Punkte. Das waren mehr als 40% Kursgewinn!

Kursrücksetzer: Gründe werden rückwirkend geliefert

Ob die seinerzeit jeweils genannten Gründe wirklich für die Kursverluste verantwortlich waren, sei dahin gestellt.

Ich glaube nicht, dass die Gründe ausschlaggebend für die Börsen-Schwäche waren.

Ich meine: Wären es nicht diese Gründe gewesen, hätte es andere gegeben.

So oder so: Einen Kursrücksetzer hätte es sowieso gegeben – und der war auch fällig nach den vorherigen Rallys!

Wie oben geschrieben: Seitdem hat der DAX mehr als 40% ohne nennenswerte Rücksetzer zugelegt – und er notiert immer noch deutlich über 12.000 Punkten.

Börsen-Nachrichten im Fernsehen? – Drücken Sie den Ton weg!

Wenn es einen Kursrücksetzer gibt, so wie aktuell, werden Ihnen die Gründe in den Medien immer nachgereicht.

Dieses Mal sind es (so die Medien) der starke Euro, die Auto-Aktien, und auch die Chemie-Fraktion im DAX schwächelt.

Ich empfehle: Am besten hören Sie nicht hin. Denn was Ihnen dort erzählt wird, verwirrt nur und hat keinen wirklichen Informationswert.

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Wenn ich versehentlich in die Börsen-Nachrichten reinkomme, etwa weil ich den Fernseher wegen der Tagesschau um ein paar Minuten zu früh angeschaltet habe, drücke ich den Ton weg.

Ich weiß doch, dass ich dadurch nichts verpasse.

Es ist viel einfacher, als im Fernsehen oft wortreich geschildert. Aber damit lassen sich selbst 3 Min. Börsen-Nachrichten nicht füllen:

Ohne Kursrücksetzer gibt es keine Kursgewinne

Die obige Zwischen-Überschrift wäre mein abendlicher Kommentar, wenn der DAX 30 einmal wieder ein paar Punkte zurückgefallen ist.

Und wenn Sie es etwas ausführlicher haben wollen, gerne:

Die Börse lebt von unterschiedlichen Erwartungshaltungen der Marktteilnehmer:

Mal gibt es mehr Kaufnachfrage als Verkaufs-Angebot, dann steigen die Kurse. Ein anderes Mal übersteigt das Verkaufs-Angebot die Nachfrage, und die Kurse fallen.

Genau dadurch verändern sich die Kurse laufend; mal aufwärts, mal abwärts. Davon lebt die Börse!

Und durch dieses Wechselspiel kommt es mittelfristig nie zu einer überkauften oder überverkauften Lage (kurzfristig schon).

Also ist ein Auf und Ab der Kurse die zwangsläufige Folge. Ohne die eine Richtung gäbe es die andere nicht.

„Prognosen sind schwierig, …

… v. a., wenn sie die Zukunft betreffen“, so leutet ein humorvoller Börsenspruch.

Ich wage die Prognose trotzdem – sogar für die Zukunft:

Was Sie derzeit erleben, ist das normale Auf und Ab der Kurse, das zur Börse dazu gehört. Es wird, wie immer, mit tagesaktuellen Ereignissen begründet.

Was Sie sehen werden, ist die Fortsetzung des Aufwärtstrends. Das wird den DAX 30 zu einem neuen Allzeithoch führen. Sein Leitindex, der Dow Jones, ist schon vorausgelaufen.

Zum guten Schluss: Manchmal, wenn ich den „guten Schluss“ schreiben will, denke ich:

„Es ist wirklich erstaunlich, was einem alles so einfällt, wenn man am Schreibtisch sitzt und keine Einfälle hat.“

Genauso ging es Joseph Conrad, dem britischen Schriftsteller polnischer Herkunft, der heute vor 93 Jahren, also am 03.08.1924, verstarb.

Denn das, was mir manchmal einfällt, wenn mir nichts einfällt, ist ein Zitat des Schriftstellers Conrad.

Mich mit meiner manchmal entstehenden Einfallslosigkeit und dem, was mir dann einfällt, in bester Gesellschaft wissend, bin ich guten Mutes, täglich einen guten Schluss zu finden und sende Ihnen gutgelaunte Grüße.

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Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.