Wie China das Ende der Dollar-Hegemonie einleitet

Das 20. Jahrhundert stand zweifelsohne ganz im Zeichen der USA. Wirtschaftlich und politisch mauserten sich die Vereinigten Staaten binnen weniger Jahrzehnte vom frisch eroberten Aussiedlerland zur Weltmacht. Spätestens nach zwei Weltkriegen kam niemand mehr an den USA vorbei, der weltpolitisch Einfluss nehmen wollte.

Nun allerdings könnte eine Zeitenwende bevorstehen. Die zunehmende Globalisierung, also die immer engmaschigere wirtschaftliche Verflechtung über Landes- und Währungsgrenzen hinaus, hat in den letzten Jahren massiv dazu beigetragen, Produktionsstätten in solche Länder auszulagern, die vergleichsweise geringe Löhne zahlen. Auf diese Weise konnten Unternehmen ihre laufenden Kosten drosseln.

Davon profitiert vor allem eine aufstrebende Wirtschaftsmacht: China.

Stabiles Wirtschaftswachstum in Fernost

Das Reich der Mitte blickt auf eine ungleich längere Geschichte zurück als die USA. Doch eine so starke weltwirtschaftliche Bedeutung wie heute kam ihm dabei selten zu.

Mit Wachstumsraten, die seit Jahren oberhalb der sieben Prozent angesiedelt sind, gilt die Volkswirtschaft Chinas als globale Konjunkturlokomotive. Zwar hat sich auch hier das Wachstum in den letzten Jahren etwas verlangsamt, doch unterm Strich läuft der Motor nach wie vor rund.

Der Aufstieg Chinas – und parallel der Abstieg der USA – lässt sich unterdessen nicht nur an der steigenden Anzahl wirtschaftlicher Kooperationen ablesen, die zahlreiche Länder, gerade auch aus Europa, mit Fernost abschließen. Auch bei den jeweiligen Landeswährungen ist dieser Trend zu beobachten.

Chinas Währung holt auf

Noch ist der US-Dollar unangefochten die Weltwährung Nummer eins. Knapp 45 Prozent des weltweiten Zahlungsverkehrs werden in US-Dollar abgerechnet, gefolgt vom Euro mit gut 28 Prozent. Das britische Pfund mit knapp 8 Prozent und Japans Yen mit rund 2,7 Prozent stehen auf den Rängen drei und vier.

Auf Platz fünf hat sich aber inzwischen Chinas Währung Renminbi hervorgearbeitet mit einem Anteil von fast 2,2 Prozent im Dezember 2014. Den kanadischen Dollar hat der Renminbi damit bereits überholt, der Abstand zum Yen wurde deutlich verringert.

Zudem setzt auch Europa immer stärker auf China. So haben sich etwa mit Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Italien die größten europäischen Volkswirtschaften der von China angeführten Entwicklungsbank Asian Infrastructure Investment Bank, kurz AAIB, angeschlossen – die von den USA als Konkurrenzinstitution zur in Washington beheimateten Weltbank angesehen wird.

US-Dollar auf dem absteigenden Ast

Während China und seine Währung also an Bedeutung gewinnen, setzt mit Blick auf die USA und ihren Dollar allmählich ein gegenläufiger Trend ein. Immer mehr Länder wenden sich vom US-Dollar als Reservewährung ab: Der Anteil der Währungsreserven in Dollar sank binnen zehn Jahren von 70 auf mittlerweile nur noch 61 Prozent.

Nicht zuletzt China trennt sich zunehmend von seinen US-Staatsanleihen. Daran tragen die Vereinigten Staaten durchaus eine Mitschuld: Ihre Schuldenlast steigt und steigt, inzwischen wird sie auf mehr als 18 Billionen Dollar beziffert. Eine Abkehr der Schuldenpolitik ist nicht in Sicht.

Anstelle nachhaltiger Lösungen wird bei den immer wiederkehrenden Schuldenstreits zwischen Demokraten und Republikanern unterm Strich stets nur die Schuldengrenze angehoben. Als Weltmacht kann man sich das zwar (noch) leisten, allerdings schürt ein solches Vorgehen auch Misstrauen, gerade angesichts der Verschuldungskrisen der vergangenen Jahre.

Umso mehr wenden sich andere Länder von den USA ab – und China zu. Dieser Trend hat bereits vor Jahren begonnen, beschleunigt sich aber zusehends.

Es ist also gut möglich, dass wir uns gerade am Beginn einer Zeitenwende befinden – und das 21. Jahrhundert weltwirtschaftlich betrachtet ein chinesisches Jahrhundert wird.

5. April 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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