Wie der DAX jetzt zur Stabilisierung des Börsenklimas beitragen kann

DAX Logo RED_shutterstock_1027543759_Pavel Ignatov

Sie brauchen keine Kristallkugel, um an den Aktienmärkten in die Zukunft zu blicken. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Möchten Sie Ihre Zukunft kennen? Wenn Sie mich fragen:

Ich würde sie nur wissen wollen, wenn Sie für mich erfreulich wäre – beispielsweise wenn ich bei guter Gesundheit ein hohes Alter erreichen würde. Doch so funktioniert das natürlich nicht.

Die Zukunft an den Aktienmärkten zu kennen, wäre hingegen immer eine feine Sache: Denn dann könnten Sie sich ja mit Ihren Investments frühzeitig auf eine Rallye oder auch einen Crash einstellen.

Leider – oder, je nach Blickwinkel, auch gottseidank – bleibt uns die Kenntnis der eigenen Zukunft verborgen. Dennoch gibt es Möglichkeiten, zumindest Wahrscheinlichkeiten für eine mögliche Entwicklung an den Aktienmärkten vorherzubestimmen:

Sie ahnen es schon – natürlich mit Hilfe der Charttechnik. Aber zusätzlich mit Unterstützung eines von mir vor 12 Jahren entwickelten, speziellen Indikators.

Und da spielt der DAX derzeit eine nicht unbedeutende Rolle.

Kennen Sie die Trends!

Aktien bewegen sich in Trends. Mittels der Charttechnik lassen sich diese bestimmen und in Charts visualisieren.

Eine der einfachsten Möglichkeiten habe ich Ihnen vor kurzem hier vorgestellt: Die Tagelinien decken Ihnen die Trends der Märkte auf.

Mit der Vorgabe der Anzahl der Tage bestimmen Sie, ob Sie den kurz-, mittel- oder langfristigen Trend zu sehen bekommen.

Der von mir eingangs erwähnte Indikator verwendet diese Technik, um das jeweils gerade herrschende Börsenklima zu sichtbar zu machen: Das Markt-Barometer.

Bei jedem Börsenwetter passend gekleidet

Es funktioniert wie das Wetter-Barometer in Ihrem Heim: Es sagt Ihnen morgens, ob Sie besser mit Schirm und Mantel das Haus verlassen sollten oder mit Sonnenbrille und luftiger Kleidung.

Bei der Entwicklung des Markt-Barometers im Herbst 2007 für meinen Börsendienst „Die Wachstumsaktien-Strategie“ fragte ich mich, welche Faktoren das Klima an den Börsen maßgeblich beeinflussen.

Mein Ergebnis lautete: Dow Jones, DAX, Ölpreis, Zins, das Währungspaar Euro / USD und das Sentiment, also das Verhalten der Anleger, gemessen am Volatilitätsindex VDAX.

Heraus kam ein Indikator, der nach jeder abgeschlossenen Handelswoche die Trends dieser 6 Einflussfaktoren beurteilt. Dabei kann das Markt-Barometer Werte zwischen 0% und 100% annehmen.

Die nachfolgende Grafik zeigt Ihnen das Markt-Barometer im Vergleich zum Dow Jones und DAX:

Je höher der Füllstand, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit für einen Aufwärtstrend: Daher habe ich den Bereich zwischen 50% und 100% als Aufwärtstrend-Zone bezeichnet.

DAX Logo RED_shutterstock_1027543759_Pavel Ignatov

DAX-Prognosen für 2019: Banken erwarten turbulentes JahrDie Prognosen der Banken für den DAX in 2019 sind ein interessanter Indikator. Anleger sollten sie jedoch mit Vorsicht genießen. › mehr lesen

Umgekehrt gilt: Je niedriger der Barometer-Stand, umso vorsichtiger sollten Sie beim Investieren in Aktien werden.

Markt-Barometer im Vergleich mit Dow Jones und DAX

Die Bedeutung von Dow Jones und DAX

Dow Jones und DAX kommen dabei eine besonders „ge“-wichtige Rolle zu: Schließlich sind es weltweit die meistbeachteten Indizes.

Während ich bei den restlichen 4 Einflussfaktoren jede Woche nur den kurzfristigen Trend analysiere, schaue ich bei Dow Jones und DAX auch auf den mittel- und langfristigen Trend – mittels der Tagelinien.

Entsprechend können die beiden Leitindizes insgesamt bis zu 60 Prozentpunkte beisteuern. Sie sehen: Kurz-, mittel- und langfristige Aufwärtstrends in diesen beiden Indizes führen somit bereits zu einem Aufenthalt des Markt-Barometers in der Aufwärtstrend-Zone.

Und damit sind wir bei der besonderen Bedeutung, die derzeit dem DAX zukommt:

Der langfristige DAX-Trend: Zünglein an der Waage

Der Trend im Dow Jones zeigt bereits seit der ersten Februarwoche dieses Jahres mittel- und langfristig nach oben. Beim DAX ist die 50-Tagelinie – also der mittelfristige Trend –  in der dritten Februarwoche erstmals wieder gestiegen.

Nach der erfreulichen Aufwärtsbewegung der letzten 3 Wochen auf neue Jahreshochs schickt sich nun die 200-Tagelinie an, von der seit Juni 2018 aktiven Abwärtsbewegung in eine neutrale Richtung zu schwenken.

Fazit

Für das Markt-Barometer bedeutet das:

Wenn sich der DAX in den kommenden Wochen nur auf dem gegenwärtig erreichten Niveau um 12.000 Punkte behauptet, dann dürfte auch die derzeit bei knapp 11.700 Zählern verlaufende 200-Tagelinie in Kürze wieder ansteigen.

Und dann erhielte der Füllstand des Markt-Barometers allein durch die mittel- und langfristigen Trends im Dow Jones und DAX ein solides Fundament von 40 Prozentpunkten.

Somit wären jede Woche nur noch weitere 10 Prozentpunkte vonnöten, um meinen Börsenklima-Indikator in der Aufwärtstrend-Zone zu halten: Denn der mittelfristige Trend wechselt weniger häufig die Richtung als der kurzfristige und der langfristige weniger häufig als der mittelfristige.

Sie sehen: Dem DAX kommt bezüglich der Stabilisierung des Börsenklimas derzeit eine im wahrsten Wortsinn „tragende“ Rolle zu. Die Zukunft zu kennen ist mithin nicht erforderlich:

Es reichen ein wenig Charttechnik und das von mir entwickelte Markt-Barometer, um den künftigen Trend an den Aktienmärkten mit einer recht guten Wahrscheinlichkeit vorherzusehen!


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.