Wie die AfD die Börse verändert

Es ist also geschehen: Die AfD hat den Einzug in den Bundestag geschafft und die Große Koalition ist Geschichte. Sie […] (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Es ist also geschehen: Die AfD hat den Einzug in den Bundestag geschafft und die Große Koalition ist Geschichte.

Sie werden sicherlich ausgiebig zu diesem Thema gelesen haben, deshalb konzentrieren wir uns hier in 1. Linie auf die Märkte:

DAX unverändert – auch nach der Wahl

Die Ruhe vor dem Sturm – so hatten wir die letzten Tage vor der Wahl gesehen; mit der Hoffnung, dass ab heute das Geschehen an der Börse auch so spannend wird wie die Regierungsbildung.

Doch bisher ist davon noch nichts zu sehen: Der DAX gleitet weiter horizontal und bewegt sich kaum auf der Vertikalen.

Es gab nicht einmal ein kleineres Beben dadurch dass die AfD jetzt drittstärkste Kraft im Bundestag ist.

Auch gab es keines dadurch, dass die SPD jetzt in die Opposition gehen will und sich damit eine Chance auf einen Neuanfang bei der nächsten Bundestagswahl erhofft.

Den Anlegern ist es scheinbar egal, ob GroKo oder Jamaika; Hauptsache, Merkel bleibt im Amt und sorgt für Stabilität.

Stabil ist der DAX, d as müssen wir zugeben. Selten waren die Kurse so stabil, wie der Bereich um 12.600 Punkte – und das schon seit 2 Wochen.

Es gab also keinen Schock durch das Wahlergebnis.

Nicht einmal die Komplikationen in der Regierungs-Bildung sorgen bei den Marktteilnehmern für Angst – und somit fallende Kurse.

Im Gegenteil: Es wird noch gar nicht auf das Ergebnis reagiert. Abwarten lautet die Devise – aber worauf eigentlich genau?

Die Optionen der Zukunft

Als Optionen-Händler spielen Sie das langfristige Spiel. Kurze Turbulenzen können Sie wegstecken, wie kein anderer.

Ihnen geht es um die generelle Ausrichtung und geschickt gewählte Kontrakte. So scheint auch die Politik zu agieren.

Gestern haben uns die Medien-Vertreter bei der Wahl-Berichterstattung schon darauf eingeschworen.

Fragen wie „Werden wir bis Weihnachten eine Regierung haben?“ haben glasklar gezeigt, wohin die Reise geht: Ja nichts überstürzen!

Das sollten Sie als Anleger auch nicht.

Denn genauso, wie die möglichen Regierungs-Parteien à la FDP und Grüne jetzt von harten und schwierigen Verhandlungen sprechen, sollten Sie auch nicht blind Optionen handeln.

Sie brauchen allerdings keinen 10-Punkte-Plan, von dem Sie auf gar keinen Fall abrücken werden.

Sie haben auch keine Wähler, deren Meinung Sie – zumindest öffentlich – berücksichtigen müssen.

Die hitzige Phase der Wahl ist jetzt vorbei – v. a. für uns als Außenstehende.

Jetzt wird hinter verschlossenen Türen und per Telefon darüber beraten, wie eine Regierung aus Jamaika aussehen kann.

Der Wähler hat jetzt Feierabend, nun müssen es die Parteien richten.

Die Wahl – cui bono?

Die SPD hat kurz vor dem Abschied in die Bedeutungslosigkeit das Ruder an sich gerissen. Noch eine GroKo unter Merkel, und sie wäre danach sicherlich unter 20% gekommen.

So entscheidet sie jetzt einfach, wer die Regierung stellt: die Union zusammen mit der FDP und den Grünen. Ob der Plan aufgeht, erfahren wir vielleicht schon vor Weihnachten.

Wer auch immer die Taktik der SPD nach der Wahlniederlage beschlossen hat, Kompliment!

Solch ein radikaler Schritt kann der Partei helfen – aber das ist auch wieder relativ:

Die SPD kann jetzt als „Opposition“ 4 Jahre über die Politik und Situation schimpfen, die sie mitverantwortet hat. Verantwortung übernehmen sieht anders aus.

Eigentlich müsste Merkel zurücktreten. Das ist die Meinung einiger Beobachter. Nach solch einem desaströsen Ergebnis von „Regierungs-Auftrag“ zu reden gleicht Realitäts-Verweigerung.

Ja, die Union ist die stärkste Kraft gewesen.

Mit über 8% Verlusten und nur knapp 25% der Stimmen inklusive Nichtwähler haben sich 75% der Deutschen aber auch deutlich gegen Merkel ausgesprochen.

Die FDP hat den Wiederaufstieg geschafft. Lindner ist sicherlich auch charismatisch genug, um die Partei weiter zu führen.

Letztlich kommt es aber darauf an, wenn die FDP mitregiert, wie sie sich diesmal verkauft.

Wir haben gestern oft genug gehört, dass sie aus der Vergangenheit gelernt haben will, so mögen jetzt auch Taten folgen!

Für viele überraschend waren die Zahlen der Grünen: Bei den Umfragen hatten die meisten sie schon abgeschrieben. Jetzt dürfen Sie wahrscheinlich mitregieren.

In der Vergangenheit hatte sich die Partei der Union inhaltlich bereits angenähert.

Insofern werden die Koalitions-Verhandlungen bestimmt nicht allzu spektakulär verlaufen – von dem Duell CSU gegen Grüne einmal abgesehen.

Die Linke und die AfD werden, wenn es hochkommt, eine Nebenrolle spielen. Natürlich haben die Bundestags-Abgeordneten jetzt 4 Jahre mit knapp 100 AfD-Abgeordneten zu kämpfen.

Aber das haben die Parteien aus der gestern beendeten Großen Koalition sich selbst zuzuschreiben.

Nicht der Wähler ist schuld, dass er AfD gewählt hat, sondern die Parteien, die einen solchen Aufstieg überhaupt erst ermöglicht haben.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.