Wie die Superreichen investieren und was Privatanleger lernen können

Egal ob Dürren, Weltkriege oder Krisen – die Superreichen sind häufig besser abgesichert, weil sie mit ihrem Reichtum besser vorsorgen können. Es gibt aber Tricks, mit denen auch jeder Privatanleger profitieren kann.

Der „Faktencheck“ der Superreichen

Weltweit gibt es etwa 200.000 Menschen, die als „Superreiche“ bezeichnet werden. Dazu zählen dürfen sich nur diejenigen, der mehr als 30 Millionen Dollar (rund 22,4 Millionen Euro) liquides Vermögen besitzen. Das können reiche Familien (so genannte „Family Offices“) oder Einzelpersonen sein.

Milliardäre, also jene, die über eine Milliarde Euro besitzen, gibt es weltweit 2.170. Sie besitzen insgesamt 6,5 Billiarden Dollar (rund 4,8 Billiarden Euro). Zur Erinnerung: Eine Billiarde sind 1000 Billionen!

Die „Frauenquote“ bei den Superreichen liegt gerade mal bei 12 Prozent.

„Super Rich Germany“

In Deutschland gibt es zirka 17.820 Superreiche. Ihr summiertes Vermögen beläuft sich auf 1,7 Billionen Euro. Wenn Sie bedenken, dass beispielsweise das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutschlands im Jahr 2016 etwa 3,13 Billionen Euro betragen hat, dann wissen Sie nun, wie viel „finanzielle Macht“ die Superreichen hierzulande besitzen.

Übrigens: In Deutschland liegt die Frauenquote gerade Mal bei 6%. Doch wie legen die Superreichen am liebsten Ihr Geld an, werden Sie sich jetzt fragen? Und was können Sie daraus lernen?

Super Rich Investment – So investieren die Superreichen

Bei der Vermögensanlage der Superreichen gibt es große nationale Unterschiede. Und gewiss eine große Überraschung. So halten die US-amerikanischen Superreichen rund 40% Ihres Vermögens „liquide“. Das heißt: Auf einem normalen und damit schlecht verzinsten Bankkonto. Lediglich 25% sind in Aktien investiert.

In Deutschland sieht das ganz anders aus. Hierzulande investieren die Superreichen in Aktien. Vor allem die Privatpersonen und Mittelständler. Ihr Aktieninvestment liegt zwischen 40 und 50%. Also wenig Bares und rein in reale Werte: Immobilien, Aktien und Private Equity.

Aktien-Favoriten der Superreichen

Bei Aktien favorisieren die Superreichen Anteile global operierender Großunternehmen. So genannte „Qualitätsaktien“. Diese zeichnen sich durch weniger Umsatz- und Kursschwankungen und stabil wachsenden Dividenden aus.

Private Equity – das „illiquide“ Investment

Private Equity bedeutet so viel wie „außerbörsliches Eigenkapital“ und ist eine Form von Beteiligungskapital. Die Kapitalgeber können private oder institutionelle Anleger sein. Oder spezialisierte Kapitalbeteiligungsgesellschaften (Privaty-Equity-Gesellschaften).

Die von den Kapitalgebern eingegangene Beteiligung ist nicht an geregelten Märkten, also Börsen, handelbar. Private Equity ist jedoch weitaus illiquider als ein herkömmliches Aktieninvestment.

USA: Liquide statt Immobilien – warum?

Fangen wir mit den Amerikanern an, die – wie ich Ihnen bereits erklärt habe – 40% ihres Vermögens liquide halten.

Sie werden sich nun fragen, warum das so ist? Wenn Sie dabei kurzfristig denken, werden Sie diese Frage nicht beantworten können. Erweitern Sie deshalb Ihren Fokus und die Antwort kommt von alleine: Die US-amerikanischen Superreichen erwarten in absehbarer Zeit eine Preiskorrektur am Immobilienmarkt.

Gemeint sind damit vor allem jene Immobilien in erster Lage, deren Preise zumeist ein vernünftiges Maß überschritten haben. Das sollte auch Sie in Deutschland nachdenklich stimmen!

Value-Add Immobilien

Mehr Vertrauen gibt es über dem großen Teich in so genannte Value-Add Immobilien. Das sind Gebäude die nach Renovierung und/oder Umstrukturierung mit Gewinn weitererkauft werden können.

Es ist sinnvoll für diese Value-Add Immobilien freies Kapital geparkt zu haben. So können Sie im entscheidenden Moment schnell investieren. Es gibt genügend US-amerikanische Finanzexperten, die die Deutschen davor warnen, das Thema Liquidität Ihres Vermögens zu unterschätzen.

Deutsche und US-Amerikaner sind sich jedoch darüber einig, dass zu einem guten Portfolio zehn bis fünfzehn Prozent Immobilienanteile gehören. Daran gibt es keinen Zweifel.

Soviel Rendite erwarten die Superreichen

Allerdings gibt es bei der Renditeerwartung der Superreichen große Unterschiede: Weltweit liegt ihre Erwartung bei einer nominalen Rendite von rund acht Prozent. Oder anders ausgedrückt: Sie wollen ihr Vermögen in dieser Größenordnung „real“ vermehren.

Die deutschen Erwartungen liegen dabei weitaus tiefer: Ein Renditeziel von vier bis fünf Prozent reicht den Superreichen hierzulande aus. Im Zweifel begnügen sie sich sogar mit dem Werterhalt.

Während der Krisen hat sich ihr Denken grundlegend verändert: Denn wenn schon auf der Unternehmerseite erhebliche Risiken eingegangen werden, soll die private Vermögensanlage „risikobewusster“ gestreut werden. Fernab von riskanten Spekulationsgeschäften.

Auf – und das im wahrsten Sinne des Wortes – „gut deutsch“: Der Erhalt des Vermögens ist ihnen wichtiger als mutmaßliche Gewinne.

Wir alle wissen: „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!“

Mit großem Vermögen spekuliert man nicht. So jedenfalls argumentieren viele deutsche Superreiche. Und das zu Recht!

Gerade in Krisenzeiten sollten Sie auf risikoreiche Investments verzichten. Schauen Sie nur, was beispielsweise in den EU-Krisenländern los ist: in Griechenland, Portugal, Zypern. Jetzt wanken auch Italien und Frankreich.

In der Finanzkrise gerieten alle Anlageklassen unter enormen Druck und haben damit die Depots belastet. Die allerwenigsten können solche Kursschwankungen unbeeindruckt überstehen. Dies hat dazu geführt, dass die Erwartung der Renditeerzielung in den Hintergrund geraten ist. Ein erhöhtes Bewusstsein für Sicherheit ist entstanden.

Orientieren Sie sich daran: Der Rat, das Vermögen zu erhalten und damit lieber auf Gewinne zu verzichten, ist in Krisenzeiten der richtige!

Angst vor der finanziellen Schieflage

Unabhängig von Krisenzeiten, können Sie schnell in eine finanzielle Schieflage geraten. Durch falsche Investitionen oder falsche Berater. Durch die Insolvenz Ihres Unternehmens, wegen Arbeitsplatzverlustes oder durch eine Scheidung.

Noch einmal, auch wenn ich mich wiederhole: Der Kapitalerhalt sollte Ihr oberstes Gebot sein! Und  nicht riskante Investments mit utopischen Renditeerwartungen! Nicht umsonst sind die Superreichen hierzulande auf ihr eigenes Geschäft und Vermögen fokussiert und interessieren sich weniger für die Börse.

Für was sich die Superreichen sonst noch interessieren – und Sie es Ihnen gleichtun sollten

Die Superreichen beschäftigen sich jedoch nicht nur mit einer Vermehrung oder Erhaltung Ihres Vermögens, sondern noch mit weitaus anderen Risiken.

Nachfolgend möchte ich diese kurze anführen:

  • Körperliche Unversehrtheit: Das höchste Gut des Menschen ist seine Gesundheit. Investieren Sie also auch in Ihr eigenes „Human“-Kapital: Ernähren Sie sich gesund, rauchen und trinken Sie nicht und treiben Sie viel Sport.
  • Handlungsfähigkeit im Ernstfall: Horten Sie eine „Notfallreserve“. Nicht nur finanziell (z.B. Bargeld, Gold, Silber), sondern auch solche mit Lebensmitteln (z.B. Grundnahrungsmittel, Wasser) und zur Selbstversorgung (z.B. Strom, Heizung). Auf dieses Thema bin ich bei „Unangreifbar Leben“ schon desöfteren eingegangen.
  • Enteignung durch den Staat: In Zeiten der Eurokrise werden schon längst verschiedene Szenarien durchgespielt, wie der Staat noch weiter an Ihr Geld kommen könnte. Eines davon ist eine sogenannte „Euro-Schulden-Solidaritätsabgabe“. Also nichts weiter als eine Vermögensabgabe.

Die fürchten die Superreichen natürlich ungemein. Zumeist helfen Sie sich damit, ihr Vermögen international zu diversifizieren. Es also auf unterschiedliche Anlageformen und auf verschiedene Finanzdienstleister in verschiedenen Ländern zu verteilen.

Überlegen auch Sie sich diesen Schritt. Aber bitte unter Einhaltung der steuerlichen Gesetze.

24. April 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.

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