Wie die Tourismusbranche unter der Corona-Krise leidet

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Die Tourismusbranche ist stärker als viele andere von der Pandemie betroffen: Zwei Drittel der Betriebe fürchten um ihre Existenz. (Foto: nitpicker/Shutterstock)

Die Corona-Krise trifft viele Branchen und Unternehmen. Eine der besonders stark betroffenen Branchen ist dabei der Tourismus.

Grenzen dicht, Einreisebeschränkungen, Quarantänebestimmungen, gestrichene Flugverbindungen und verbotene private Hotelübernachtungen sind nur einige der Schlagworte, mit denen die Branche seit dem Frühjahr zu kämpfen hat. Was in China begann, betrifft inzwischen die ganze Welt – und eine Entspannung der Situation zeichnet sich bislang nur sehr zaghaft ab.

EU-Veto: Keine Gutscheinlösung

Um den Veranstaltern und Reisebüros die finanzielle Last etwas zu erleichtern, hatte die Bundesregierung geplant, dass sie im Falle von Stornierungen lediglich Gutscheine an die Kunden ausgeben könnten, anstatt den Preis zurückzuerstatten. Dieser Vorschlag wurde nun aber von europäischer Seite gekippt: Zwar können Kunden freiwillig Gutscheine annehmen, sie können aber auch auf einer finanziellen Erstattung bestehen.

Damit positioniert sich die Europäische Union im Sinne des Verbraucherschutzes und warnt zudem davor, Gutscheine zu akzeptieren, da man nicht wissen könne, ob diese nach der Krise überhaupt noch etwas wert sind – schließlich könnte der Veranstalter zwischenzeitlich auch pleitegehen.

Genau das befürchtet die Branche nun in großem Stil: Verbandsangaben zufolge sehen sich mittelfristig bis zu zwei Drittel der Unternehmen existenziell gefährdet, es droht eine Insolvenzwelle ungekannten Ausmaßes.

Airlines und Reiseveranstalter fürchten Pleitewelle

Etliche Fluglinien haben bereits Alarm geschlagen und Staatshilfen beantragt, die Lufthansa verhandelt mit der Bundesregierung über eine staatliche Konzernbeteiligung. Air France und British Airways haben Milliardenverluste gemeldet. Die Plattform Airbnb, über die private Unterkünfte für touristische Zwecke vermittelt werden, plant offenbar, ein Viertel ihrer Stellen zu streichen.

Vereinzelt führt die Krise zu kreativen Blüten. So gibt es Berichte über Hotels, die ihre Zimmer nun tageweise als Home Office „Büros“ vermieten – etwa an gestresste Eltern, die zuhause kaum in Ruhe arbeiten können.

Doch auch solche Notfallkonzepte werden die tiefgreifende Krise der Branche kaum abfedern können. Die Politik ist gleichermaßen alarmiert und handlungsbeschränkt, wirbt für einen Sommerurlaub in der Heimat und preist die deutschen Alpen- und Küstenregionen als attraktive Reiseziele auch für Einheimische an. Der Tenor ist klar: Selbst wenn die Grenzen international geschlossen oder eng kontrolliert bleiben, soll zumindest der innerdeutsche Tourismus allmählich wieder angekurbelt werden.

Die große Unbekannte bleibt

Allerdings bleibt eine große Unbekannte bestehen: Die Frage, wie sich die Corona-Pandemie weiterentwickeln wird in den kommenden Monaten, ist noch offen. Nach den ersten Lockerungen der Beschränkungen in den vergangenen Wochen, die nun nach und nach in Kraft treten, wird man erst einmal abwarten müssen, ob sich die Infektionsraten nun wieder sprunghaft nach oben bewegen und erneute Maßnahmen notwendig machen, oder ob der Sommer halbwegs unbeschwert genießbar werden wird.

Mit einem Impfstoff gegen das Virus, der eine Rückkehr zur Normalität ermöglichen würde, rechnen Experten erst im Laufe des kommenden Jahres. Bis dahin wird man Lösungen zur Überbrückung finden müssen – auch in der Tourismusbranche.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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