Wie einfach ist es derzeit, Aktiengewinne zu machen?

Die vergangenen Börsenjahre haben uns verwöhnt.

Seit 2009 gingen die Aktienkurse kräftig in die Höhe: Der DAX 30 gewann bis zu seinem Rekordhoch im April 2015 satte +108%. Der Dow Jones legte auf USD-Basis immerhin +76% zu.

Zwischendurch gab es eigentlich nur 2 nennenswerte Korrekturen:

Im Herbst-Crash des Jahres 2011 büßte der DAX -30,6% ein. Das Minus von lediglich -14,3% im Dow Jones mag ich eigentlich nicht als Crash bezeichnen.

Der Mini-Crash im August des letzten Jahres brachte im DAX eine Korrektur von -18,7% zuwege. Auch diesmal kam der Dow Jones mit nur -11,5% deutlich glimpflicher davon.

Aktien seit Jahresbeginn im Abwärtstrend

Im bisherigen Jahresverlauf stehen die Vorzeichen erneut auf Minus. Wir dürfen mit Fug und Recht von einem Abwärtstrend sprechen.

Wenn Sie schon länger Leser bei Chartanalyse-Trends sind, dann kennen Sie bereits meine schon mehrfach geäußerte Behauptung: 75% aller Aktien bewegen sich mit dem am Markt vorherrschenden Trend.

Ich habe diese Behauptung heute Morgen mal einem Test unterzogen. Dazu wurden von mir 18 deutsche und 123 US-Branchen sowie die 30 Werte im DAX und die 500 Titel im S&P 500 überprüft.

Erschreckend: Unerwartet viele Verlierer

Hier das Ergebnis, das selbst mich erschreckt hat: Es zeigt sich nämlich durchweg ein noch weit höherer Anteil an Verlierern als man erwarten konnte.

verhalten von aktien im abwärtstrend-28-01-2016

Verhalten von Aktien im Abwärtstrend 2016: Weit mehr Verlierer als Gewinner

Bei den deutschen Branchen gab es lediglich einen Gewinner: Die Energieversorger, die traditionell in Abwärtstrends gekauft werden. Allerdings fasse ich eine RWE oder E.ON schon seit Jahren nicht mal mit der Kneifzange an.

Knapp 40% der untersuchten Sektoren verbuchen Verluste von mehr als -10%.

Im DAX gab es seit Jahresbeginn 4 Gewinner – der Beste (RWE) schaffte ein Plus von 10%. 37% der DAX-Aktien mussten allerdings Verluste von mehr als -10% einstecken. Zum Vergleich: Der DAX gab -8% nach.

An der Wall Street sieht es nicht viel besser aus: Die beste Branche gewann seit dem 31.12.2015 lediglich +3,6%. Überhaupt konnten nur 8 Sektoren Zuwächse verbuchen. Deutlich mehr als die Hälfte der US-Branchen verloren gar mehr als -10%!

Der S&P 500 weist bei meinem Check fast identische Relationen auf wie der DAX. Auch hier war es übrigens ein Energieversorger (Southwestern Energy), der den größten Gewinn verbuchte.

Fazit

In einem Abwärtstrend liegt die Relation von Gewinnern zu Verlierern üblicherweise bei 1 zu 3. Darum vertrete ich seit jeher die Ansicht:

Sie müssen nicht immer und zu jeder Zeit zu 100% in Aktien investiert sein!

Meine aktuelle Untersuchung dokumentiert: Der Abwärtstrend, in dem wir uns seit Jahresbeginn befinden, zeitigt bis dato sogar noch weit üblere Proportionen. Im Schnitt lag das Verhältnis Gewinner zu Verlierer sogar bei 1 zu 9!

Sie sehen selbst: Im bisherigen Jahresverlauf eine positive Performance zu erzielen, war so gut wie unmöglich. Die sinnvollste Strategie war, den Cash-Anteil im Depot mit zunehmender Aktienschwäche zu erhöhen und neue Investments zurückzustellen.

28. Januar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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