Wie es zu einer Börsenkorrektur kommt und wie Sie am besten damit umgehen

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Warum stets jeder zweite Anleger irrt - Die Dynamik einer Börsenkorrektur (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Für uns Anleger ist die aktuelle Korrektur ein Déjà-vu Erlebnis: Wie im Herbst brechen die Kurse weg und wer keine Vorsichtsmaßnahmen getroffen hat, bei dem schmelzen die seit Jahresanfang erzielten Gewinne wie Eis in der Sonne. Wie kommt es dazu, dass sich an der Börse Freude und Frustration immer wieder so rasch abwechseln? Sehen wir uns die Mechanismen die dahinter stehen heute einmal näher an:

Nun, jeder Marktteilnehmer der das Börsenparkett betritt möchte dasselbe wie Sie: Gewinne erzielen. Dafür muss sich eine Aktie in die von ihm erwartete Richtung (meist nach oben) entwickeln. Zunächst muss er also einen anderen Anleger finden, der ihm Aktien zum gewünschten Kurs verkauft. Dieser Verkäufer schätzt die Risiken für Kursverluste höher ein als die Chance auf Kursgewinne.

Warum stets jeder zweite Anleger irrt

Nur einer der beiden Anleger kann richtig liegen und wird von seiner Entscheidung profitieren. Steigen die Kurse nach dem Kauf, so hat sich der Verkäufer geirrt und er hätte die Aktien besser nicht aus der Hand gegeben. Je nachdem zu welchem Kurs er die Papiere zuvor hatte, verzeichnet er entweder einen Verlust oder es entgehen ihm zumindest Gewinne.

Fallen die Kurse hingegen, so irrt sich der Käufer und er hätte die Aktie besser nicht gekauft. In diesem Fall irrt sich der Käufer. Einer der beiden Anleger liegt mit seiner Einschätzung also stets daneben. Denn damit an der Börse überhaupt Transaktionen stattfinden können, müssen stets genauso viele Anleger richtig wie falsch liegen.

Wie ein Börseneinbruch entsteht

Was passiert nun aber, wenn die meisten Anleger einer Meinung sind, sprich wenn Transaktionspartner fehlen? Zum Beispiel, wenn die Zahl der Optimisten zu hoch wird, während kaum noch ein Anleger fallende Kurse erwartet? Ganz einfach: Die Situation wird sich so ändern, dass es wieder ausreichend Anleger mit unterschiedlicher Meinung sind, die Anpassung erfolgt über den Kurs. In diesem Fall sind zunächst immer weniger Investoren verfügbar, die zu den aktuellen Kursen noch einsteigen wollen.

Denn die positiv gestimmten Anleger sind ja bereits investiert. Folglich stagnieren die Kurse und naturgemäß wird dadurch auch die Anzahl der Optimisten zurückgehen. Die Zahl der Verkaufswilligen nimmt also zu, während die Käuferseite nach wie vor dünn besetzt ist. Die Kurse beginnen zu bröckeln.

Der Kursverfall beschleunigt sich

Aufgrund der Eigendynamik die ein Börsenrückgang entwickelt kann sich ein solcher Kursrückgang im Verlauf zu einem heftigen Markteinbruch entwickeln. Je tiefer die Kurse fallen und desto größer die Verluste werden, desto ängstlicher werden die Aktionäre. Mit jedem zusätzlichen Kursverlust werden immer mehr „Schmerzgrenzen“ von Anlegern erreicht und das kann sogar in eine Marktpanik münden.

Gleichzeitig agieren natürlich auch die potenziellen Käufer umso zögerlicher, je schneller und heftiger die Kurse einbrechen. Denn wer möchte schon gern in ein „fallendes Messer“ greifen. Der Kursverfall setzt sich so lange fort, bis sich auf einem Kursniveau schließlich wieder genügend „mutige“ Käufer finden um die angebotenen Aktien aufzunehmen.

Börsenaltmeister André Kostolany pflegte zu sagen, dass die Aktien von zittrigen in feste Hände wandern. Irgendwann jedoch wird das Lager der Pessimisten „überfüllt“ sein. Bei stabilisierten Kursen bekommen in Folge die Optimisten wieder Zulauf und die Kurse beginnen wieder zu klettern. Der Kreislauf beginnt von vorn.

„An der Börse gibt’s nur Schmerzensgeld. Erst kommen die Schmerzen und dann das Geld“

Wichtig ist, dass Sie stets den Überblick und einen kühlen Kopf behalten. Wenn Sie die Mechanismen des Marktes kennen und verstehen, so stehen die Chancen gut. Dafür, dass Sie nicht zu den vielen Anlegern zählen, die in den Wogen des Marktes aufgerieben werden. Zweifellos brauchen Sie dafür aktuell Geduld und Disziplin.

Aber es lohnt sich für Sie: Sobald sich die Wogen geglättet haben, dürfen Sie sich dann wieder über Kursanstiege und Gewinne freuen. Auch hier möchte ich noch einmal Kostolany zitieren: „An der Börse gibt’s nur Schmerzensgeld. Erst kommen die Schmerzen und dann das Geld“.  Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Trading-Woche.


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Von: Maximilian Ritter. Über den Autor

Schon seit seiner Jugend interessiert sich Maximilian Ritter für das Börsengeschehen. In seinem Dienst "Aktien-Timing-System" setzt er auf eine verfeinerte CANSLIM-Methode, mit der sich eine 30%ige Rendite im Jahr erwirtschaften lässt.