Wie groß die Crash-Gefahr wirklich ist

Angesichts der Rekordjagd an der Wall Street warnen viele Skeptiker vor einem Crash. Doch wie groß ist die Gefahr eines Einbruchs wirklich? (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Der erste Monat des Jahres 2018 endet heute schon wieder. Insgesamt ist der Auftakt des neuen Börsenjahres sehr erfreulich verlaufen. Während sich der DAX noch etwas schwertut, geht die Rekordjagd an der Wall Street ungebremst weiter. An 15 der bisherigen 20 Handelstage markierte der Dow Jones neue Höchststände. Bereits seit einigen Monaten kennen die Kurse in New York praktisch nur noch eine Richtung.

Viele Skeptiker werden deshalb nicht müde, vor einem Crash oder zumindest vor einer massiven Korrektur zu warnen. Doch wie groß ist die Gefahr, dass es an den Aktienmärkten zu einem Einbruch kommt?

Leicht steigende Zinsen werden die Aktienmärkte gut verkraften

Die Hausse an den Aktienmärkten dauert nun schon seit fast neun Jahren an. Damit ist der aktuelle Bullenmarkt einer der längsten in der Geschichte. Doch allein die Tatsache, dass der Bullenmarkt inzwischen etwas in die Jahre gekommen ist, reicht als Argument für eine möglicherweise anstehende Trendwende nicht aus.

Zum einen ist das wirtschaftliche Umfeld weiterhin ausgesprochen gut und die Unternehmensgewinne steigen kräftig. Zum anderen gibt es nach wie vor keine ernsthaften Alternativen zu Aktien. Denn die Zinsen bewegen sich nach wie vor auf einem sehr niedrigen Niveau. Bei uns in Europa ohnehin, aber auch in den USA. Die US-Notenbank Fed hat mit einigen vorsichtigen Zinsschritten den Leitzins auf 1,25 bis 1,50% angehoben und plant für dieses Jahr drei weitere Anhebungen. Bis Jahresende soll der Leitzins auf 2,00 auf 2,25% steigen.

Unter dem neuen Fed-Chef Jerome Powell, der im Februar die Nachfolge von Janet Yellen antritt, ist Kontinuität gewährleistet. Die vorsichtigen Zinssteigerungen – in homöopathischen Dosen sozusagen – wird der Aktienmarkt gut verkraften. Gegenwind von der Zinsseite ist erst dann zu erwarten, falls im Zuge einer brummenden Wirtschaft die Inflation deutlich anziehen sollte. Denn dann wäre die Fed gezwungen, stärker an der Zinsschraube zu drehen. Vorerst ist das aber nicht zu erwarten.

Gute Chancen für eine Fortsetzung des Bullenmarkts

Der Volkswirt David Rosenberg hat frühere Bullenmärkte untersucht und dabei herausgefunden: In der Vergangenheit stiegen die Aktienkurse nach der ersten Zinserhöhung im Schnitt noch drei Jahre weiter. Beim letzten Zinserhöhungszyklus waren es sogar rund dreieinhalb Jahre. Nachdem die Fed Mitte 2004 erstmals die Zinsen angehoben hatte, erreichte der S&P 500 sein Hoch erst Ende 2007.

Die erste Zinserhöhung fand Ende 2016 statt. Von dieser Seite spricht also einiges dafür, dass der laufende Bullenmarkt noch ein Weilchen andauert. Dafür spricht auch der sogenannte „Januar-Indikator“. Fällt der erste Kalendermonat positiv aus, steigen die Chancen für ein insgesamt gutes Börsenjahr merklich. Besonders ausgeprägt ist diese statistische Auffälligkeit beim Dow Jones.

Endet der Januar mit einem Kursgewinn, gilt dies in immerhin 83% der Fälle auch für das Gesamtjahr. Vor dem heutigen, letzten Handelstag liegt der Dow Jones im Januar mit 5,5% im Plus. Eines sollte man dennoch im Auge haben: die hohe Bewertung amerikanischer Aktien.

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Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.

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