Wie Hamburg und Wien gegen horrende Mieten vorgehen wollen

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Metropole, Neubau und 5 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter – kann sich das für Investoren rentieren? (Foto: Scanrail1 - Shutterstock.com)

Zehn Jahre ist er nun her, der große Crash an den Finanzmärkten – ausgelöst vom US-Immobilienmarkt, wo zahlreiche Eigenheimbesitzer ihre Häuser verloren haben, nachdem sie die Hypotheken nicht mehr bedienen konnten, weil die Zinsen für ihre Hauskredite gestiegen waren.

Das Beben erfasste die Finanzwelt rund um den Globus. Eine Gegenmaßnahme war das Absenken des Zinsniveaus durch die Zentralbanken. Ein Effekt dieser Niedrig- bis Nullzinspolitik von Fed, EZB und Co.: Klassische Sparanlagen wurden unattraktiver, weil die geringen Zinsen, die sie abwarfen, nicht einmal mehr zum Inflationsausgleich genügten. Umso attraktiver wurde es parallel, sich zu verschulden – denn das geliehene Geld war historisch günstig zu haben.

Angespannte Lage am Wohnungsmarkt

Dies führte wiederum dazu, dass viele Privatpersonen günstige Kredite aufnahmen, um Immobilien zu finanzieren. Man ahnt, wohin die Entwicklung mittelfristig führen könnte. Doch nicht nur private Eigenheimbesitzer ließen sich locken. Auch professionelle Investoren sahen in unsicheren Zeiten rund um die Finanzkrise Immobilien als sichere und wertsteigernde Geldanlagemöglichkeit – denn neue Luxuswohnungen lassen sich teuer vermieten, und der Zuzug in die Metropolregionen ist ungebremst.

Die Folgen sind bekannt und tagtäglich in Deutschlands Großstädten zu beobachten: zu wenige Wohnungen für zu viele Interessenten, dazu immer höhere Mieten und Kaufpreise. Die Wohnungssuche wird zum Geduldspiel, die hohen Wohnkosten fressen einen Großteil des Haushaltseinkommens auf und drücken damit die Kaufkraft.

Längst tüfteln Städteplaner an Strategien der Nachverdichtung, also der nachträglichen städtischen Bebauung bislang ungenutzter Flächen oder auch der Aufstockung oder Umwidmung von bestehenden Gebäuden. Politische Werkzeuge wie die Mietpreisbremse, bei der Neumieter ihren Vermieter verklagen sollen, haben sich als in der Praxis wenig wirksam erwiesen.

Wohnen in Wien – vergleichsweise günstig

Doch es gibt auch andere Konzepte. Ein besonders radikales wurde dieser Tage in Wien auf den Weg gebracht. Es sieht unter anderem vor, dass zwei Drittel der neu zu bauenden Wohnungen der Kategorie „geförderte Wohnnutzfläche“ zugerechnet werden – hier darf die Miete nicht höher ausfallen als 5 Euro netto pro Quadratmeter.

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Wien zählt ohnehin zu den Metropolen mit vergleichsweise niedrigen Mieten, weil die Stadt selbst eine Vielzahl an Wohnungen besitzt und verwaltet. Doch der Immobilienhype der letzten Jahre ist auch an Österreichs Hauptstadt nicht spurlos vorbeigegangen, Investoren haben auch dort etliche Luxuswohnungen geschaffen. Die Kaufpreise sind bereits kräftig gestiegen, die Mieten dürften nachziehen.

Dem will die Stadt mit den neuen Plänen etwas entgegensetzen. Ein ähnliches Projekt gibt es seit einiger Zeit auch in Hamburg: Dort sollen im Stadtteil Neugraben 44 neue Wohnungen entstehen, die für eine Nettokaltmiete von maximal 8 Euro angeboten werden sollen. Das Ganze wird jedoch nicht aus öffentlicher Hand finanziert, sondern getragen durch den Versicherungskonzern Helvetia, der als Bauherr auftritt.

Nachhaltige, aber kostengünstigere Holzbauweise, effizient geplante Haustechnik sowie der Verzicht auf Kellerräume oder Stellplätze sollen das Projekt am Ende für alle Beteiligten lukrativ werden lassen.

Testphase für neue Konzepte

Die Herausforderungen sind immens: Einerseits gibt es einen horrenden Bedarf an neuem Wohnraum, andererseits muss dieser auch für mittlere und niedrige Einkommen bezahlbar bleiben und letztlich langjährige Anwohner nicht aus der Umgebung vertreiben.

Die Ideen für mögliche Lösungsansätze sind vielfältig. Welche sich letztendlich durchsetzen werden, bleibt abzuwarten. Dennoch ist es zu begrüßen, dass überhaupt etwas ausprobiert wird, um der angespannten Lage am Immobilien- und Wohnungsmarkt zu begegnen.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.